Verfasst von Oliver Zwahlen am 26.02.2015

Yucatan per Boot und Mietwagen

Der Außenbordmotor heult auf, wenige Sekunden später flitzen wir über das grünblaue Wasser. Bei jeder Welle schlägt der Plastikrumpf unseres kleinen Bootes heftig auf. Ich werfe einen Blick zurück und sehe gerade noch, wie das Fischerdorf Celestun hinter einer Biegung des Strandes verschwindet.

Bei den Flamingos von Celestun

Wir drehen ab und fahren in einen breiten Fluss. Das Ziel des heutigen Tages sind die Flamingos, die an verschiedenen Orten auf der Halbinsel Yucatan leben. Fast eine Stunde dauert es, bis wir die erste Kolonie der leuchtend rosa Vögel entdecken. Der Kapitän drosselt den Motor und stellt ihn schließlich ganz aus. Langsam nähern wir uns den wunderschönen Tieren. „Wisst ihr, wieso Flamingos rosa sind?“, fragt er nach einer Weile der Ruhe. „Das kommt davon, dass sie den ganzen Tag Crevetten fressen!“ Ich bin mir nicht sicher, ob er das ernst meint oder ob er lediglich die Stimmung auflockern will. Tatsächlich aber sorgt die Farbe der Schalentiere für das farbenprächtige Federkleid.

Ceviche am Strand

Auf dem Rückweg machen wir am Strand von Celestun halt. Es ist bereits später Nachmittag. Wir suchen uns eines der namenlosen Strandrestaurants aus und bestellen für umgerechnet zehn Euro eine gewaltige Portion Ceviche – in Limetten marinierter roher Fisch oder Seefrüchte. Auf dem Teller finden wir unter anderem jede Menge Crevetten. Passender hätte der Tag bei den Flamingos nicht enden können.
Wer früh losfährt, kann Celestun ab der Riviera Maya als Tagesausflug erreichen. Doch bei knapp vier Stunden Fahrt pro Weg ist es besser, sich etwas mehr Zeit zu nehmen und im verschlafenen Ort zu übernachten. Obwohl das Dorf erst wenige internationale Reisegäste begrüßt, gibt es mehrere Unterkünfte, die auch westlichen Ansprüchen genügen.

Geschichtslektion auf der Hazienda

Da wir mit dem Mietwagen unterwegs sind, entschließen wir uns am nächsten Morgen bei der Rückreise für die alternative Route über Maxcanu, die etwas weiter durch den Süden führt und uns an mehreren verlassenen Agave-Plantagen vorbeiführt.

Wir halten vor einer der Ruinen. Im Hof vor der „Hacienda Granada“ stehen zwei Fußballtore. Ein paar Kinder sind hier am Kicken. Ansonsten ist alles verlassen. Ich fühle mich in einen Abenteuerfilm versetzt. Während wir uns den teilweise eingestürzten Überresten der Manufaktur nähern, kommt Don Manuel auf uns zu. Der Verwalter des Grundstücks will uns das Anwesen zeigen.

Mich fasziniert die spürbare Geschichte: In einem Nebenhaus stecken in der Wand beispielsweise dicke Holzknaufe. Hier hatten die Arbeiter bis vor 80 Jahren ihre Hängematten aufgehängt. „Noch heute haben die wenigsten Häuser in dieser Gegend Betten“, erklärt Don Manuel. „Wir aus dem Yucatan schlafen bei der Hitze lieber in Hängematten.“

Schwarzer Truthahn in Merida

Etwa eine halbe Stunde entfernt liegt Merida, die Hauptstadt des mexikanischen Bundesstaats Yucatan. Wir parken das Auto im Prachtboulevard Paseo Montejo. Die Straße, welche an die Pariser Avenue des Champs-Élysées erinnert, ist mit großzügigen Villen gesäumt. Hier flaniert, wer etwas auf sich hält.

Wir spazieren Richtung Süden zum Stadtzentrum, vorbei an wunderschönen Kolonialgebäuden, Theatern und einer ehemaligen Hochschule. Unser Ziel ist das Restaurant La Chaya Maya (Kreuzung Calle 57 und 62), das bekannt dafür ist, dass es noch heute die Gerichte der Maya kocht. Ich bestelle mir für fünf Euro ein Relleno Negro, einen Truthahn in einer dicken schwarzen Soße, die mich optisch an Motoröl erinnert. Ich muss mich überwinden, das Gericht zu versuchen und bin überrascht: Die Gewürze schmecken seltsam, aber ich mag das Essen.

Ruine Coba und ein entspannendes Bad

Am nächsten Tag machen wir uns zu einem weniger fernen Ziel auf. Coba liegt nur etwa 50 Kilometer von Tulum entfernt. Unter Mexiko-Reisenden gilt die archäologische Stätte als eine der abenteuerlichsten Ruinen, was sicherlich damit zusammenhängt, dass sie im dichten Dschungel liegt und sich hier eine der letzten großen Pyramiden Mexikos befindet, die man noch besteigen darf.

Bei der Mittagshitze ist das zugegebenermaßen etwas anstrengend, aber die Aussicht auf der rund 40 Meter erhöhten Plattform über den endlosen Dschungel entschädigt für die Strapazen.
In unmittelbarer Nähe der Ruinen befinden sich drei Cenoten. Das sind mit Wasser gefüllte Höhlen, die für die Yucatan-Halbinsel typisch sind. Die Zahlen schwanken, aber vermutlich gibt es bis zu 10.000 solcher Wasserstellen. Bei manchen ist die Höhlendecke eingestürzt; bei Multum Ha allerdings, wo wir halt machen, befindet sich nur ein winziges Loch in der Decke.

Über eine Wendeltreppe müssen wir 18 Meter in die Tiefe steigen. Von hier aus führt ein Holzsteg in die Mitte der Höhle. Wer möchte, kann hier ins Wasser steigen. Dafür, dass nie Sonnenstrahlen die Höhle erreichen, ist das Wasser überraschend warm. 27 Grad sollen es laut der Tafeln am Eingang sein.

Mehr als die Wärme erstaunt mich jedoch, wie klar das Wasser ist. Es braucht Überwindung hier zu baden, denn auf dem Boden kann ich jeden einzelnen Stein erkennen. Sie müssen etwa in fünf Meter Tiefe liegen. Neben mir taucht gerade ein Tourist auf und ruft: „Da drüben habe ich Knochen gefunden. Ob die Mayas hier wohl Tiere und Menschen geopfert haben?“

Nach all den Abenteuern bin ich hungrig geworden. Zum Glück bietet Tulum direkt am Strand jede Menge grandiose Restaurants. Nach einigem Suchen entscheiden wir uns für das Restaurant El Tabano. Wir wählen die leckere Guacamole zum Teilen sowie die gefüllten Peperoni und die Shrimps an einer Schokoladensosse (gesamt rund 40 Euro). Ein würdiger Abschluss dieser drei erlebnisreichen Tage auf Yucatan.

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