Verfasst von Christoph Karrasch am 11.11.2014

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Städtereise Las Vegas Nevada

Wo New York und Venedig Nachbarn sind

Ich muss gestehen: Ich war im Vorfeld eher unsicher, ob ich fürs Glücksspiel geboren bin oder nicht. In sparsamen Verhältnissen groß geworden, gehöre ich eher zur Fraktion der Geizhälse. Und doch war ich schon immer von dem fasziniert, was reiche Köpfe vor vielen Jahrzehnten inmitten der Wüste Nevadas haben entstehen lassen: The world famous Las Vegas! Wenn man schon mal da ist, sollte sich in der Reisekasse doch zumindest ein klein wenig Budget für den Roulettetisch befinden, denke ich. Ausprobieren muss schließlich sein.

Als ich das erste Mal über den Las Vegas Boulevard, kurz The Strip, laufe, komme ich aus dem Staunen nicht heraus: Überall blinkt und klingelt es, LED-Leinwände werben für Shows mit Weltstars wie Céline Dion und David Copperfield. Auf der linken Straßenseite rast eine Achterbahn um einen Nachbau von New Yorks Skyline, auf der rechten stehen der Pariser Eiffelturm, die venezianische Rialtobrücke sowie weitere berühmte Bauwerke in Reih und Glied. Vom Eiffelturm, der exakt halb so groß ist wie das Original, blicke ich auf die Wasserfontänen, die vor dem „Bellagio“ tagsüber alle halbe, abends alle Viertelstunde ausgeklügelte Wasserspiele zu klassischer Musik, Musicalhits oder der amerikanischen Nationalhymne präsentieren. Wo sollen die Augen da nur zuerst hinschauen? Und vor allem: Wie sehen diese märchenhaften Gebäude, die ägyptische Pyramiden und römische Tempel, Pirateninseln und italienische Paläste imitieren, wohl von innen aus?

Verblüffend echte Imitationen

Ich entscheide mich für einen Blick ins „Venetian Resort Hotel“, einer stark verkleinerten Kopie Venedigs. Im Eingangsbereich werden meine Augen noch größer: Über mir sehe ich einen strahlend blauen Himmel – was nicht sein kann, da ich mich ja soeben nach drinnen begeben habe. Tatsächlich haben die Macher einen verblüffend echt aussehenden Himmel mit ein paar Wolkentupfen an die gewölbte Decke gemalt. Doch damit nicht genug: Zu den Klängen von O sole mio fahren venezianische Gondeln unter kleinen Brückchen durch künstlich angelegte Wasserstraßen. Darauf stehen Gondolieri in blau-weiß gestreiften Hemden und schippern ihre Kunden gemächlich durch die Kanäle. Ein unsagbar schräges Bild, wenn man sich überlegt, dass man sich gerade nicht nur in einem Gebäude, sondern außerdem in der trockenen Wüste sowie neuneinhalbtausend Kilometer vom Original entfernt befindet.

Las Vegas ist eben einfach eine verrückte Welt. Hier wohnen Löwen in Hotels, hier werden Magier und andere Talente geboren, hier gibt es Shows, Musicals und Live-Konzerte rund um die Uhr.

Und – nun ja – hier wird eben um Geld gespielt. Im Erdgeschoss eines jeden Hotels gibt es die riesigen, schummrigen Casinos, für die die Stadt berühmt ist. Kein Tageslicht, keine Uhr – damit die Gäste jegliches Zeitgefühl verlieren. Bei meinem Besuch habe ich einige Tipps für Anfänger aufgeschnappt, wie man den Spielspaß so lange wie möglich aufrechterhalten kann.

Tipps für den Casinobesuch

Wer gerne am Automaten spielt, sollte dies nicht am Strip tun, sondern nach Downtown Las Vegas zur legendären Fremont Street fahren. Dort spielt man länger für sein Geld, weil die Einsätze niedriger sind. Ähnlich sieht es mit dem beliebten Black Jack aus. Zwar unterscheiden sich die Einsätze nicht zwangsläufig von denen am Strip, dafür sind die Spielregeln an der Fremont Street insgesamt spielerfreundlicher. Am Strip geht es häufig strenger zu. Wer allerdings gerne am Roulettetisch oder beim Würfeln aktiv werden möchte, sollte sich eines der Casinos am Strip aussuchen – und sich vor allem Zeit bei der Wahl des richtigen Tisches nehmen. Besonders zur abendlichen Prime Time liegen viele Mindesteinsätze bei 20 bis manchmal sogar 50 Dollar. Hier ist es für Neugierige sinnvoller, tagsüber zu kommen, wenn an vielen Tischen Anfängereinsätze von lediglich fünf bis zehn Dollar verlangt werden. Das erhöht sowohl Spielspaß als auch Spieldauer.

Selbstverständlich habe auch ich mich letztlich am Roulettetisch probiert. Auf die Details meiner Spielkunst möchte ich allerdings lieber nicht eingehen. Das Vergnügen dauerte zehn Minuten, dann hatte ich mein festgelegtes Budget verspielt. Ich vermute, dass ich als Geizhals das Zocken in Zukunft doch lieber wieder anderen überlassen sollte.

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