Verfasst von Sarah Lorenz am 4.11.2014

Von Elchen und Rhabarbersaft

„Fühl mal das Fell. Total ölig!“, sagt mein Mann und vorsichtig strecke ich meine Hand aus. Eine lange Nase stößt an meine Finger und behutsam streichle ich das tatsächlich sehr ölige Fell. Ich befinde mich im Grönåsens Elchpark – laut Schild im Eingangsbereich der „elchigste Park Schwedens“. Mitten in småländischer Natur leben hier in einem riesigen Gehege mehrere Elche. Ein 1.300 Meter langer Weg führt einmal um das gesamte Gelände herum. Doch wir bleiben ausschließlich im Bereich direkt hinter dem Eingang. Denn dort erzählt uns ein Tierpfleger gerade in einem Mix aus Deutsch und Englisch allerlei Wissenswertes über diese faszinierenden Tiere. Um uns herum klackern Fotoapparate und kleine Kinder schreien aufgeregt, wenn sich ihnen hinter dem Zaun ein Elch nähert. Trotz des Trubels nimmt sich der Tierpfleger jeden Tag von Ostern bis Allerheiligen ab 10 Uhr Zeit, um auch wirklich jede Frage zu beantworten.

Der Eintritt kostet umgerechnet knapp 7 Euro. Mir wäre dieses einzigartige Erlebnis sogar noch mehr wert gewesen, aber so bleibt mehr Geld, das ich im angrenzenden Elch-Shop ausgeben kann. Auch wenn mich dort die große Auswahl an Elchbratwurst fasziniert, investiere ich lieber in haltbarere Souvenirs und kaufe Postkarten und ein Handtuch mit Elchmotiven.

Mit dem Kanu unterwegs

Nach einer Nacht in Göteburg fahren wir am nächsten Tag mit dem Auto in die Stadt Gustavsfors, wo wir uns beim dortigen Kanuverleih ein 2-Mann-Kanu und eine wasserdichte Tonne ausleihen. Dies kostet mit umgerechnet 25 Euro nicht mehr als in Deutschland – dafür ist die Natur mindestens dreimal so schön. Nachdem mein Mann und ich eine erste Eheprüfung überwunden haben und nun im Gleichtakt paddeln, kommen wir zügig auf dem Västra Silen, einem riesigen See mit vielen kleinen Inseln, voran.

Während wir rund um Gustavsfors noch vielen anderen Kanufahrern begegnet sind, verteilt sich dies innerhalb kurzer Zeit bereits so, dass wir uns nun völlig allein fühlen. Ich tauche eine Hand ins Wasser, das an der Oberfläche angenehm warm ist, und lasse die Stille der Umgebung auf mich wirken.

Kulinarisches Schweden

Da ich langsam Hunger bekomme, paddeln wir jetzt in Richtung des Campingplatzes Vammerviken. Dieser lässt sich gar nicht verfehlen, ist es doch das einzige bebaute Gebiet direkt am Västra Silen. Wir lassen unser Kanu am Strand liegen und laufen an der Rezeption des Campingplatzes vorbei, noch etwa 300 Meter weiter, bis zu einem kleinen namenlosen Café, das nur im Juli geöffnet hat.

Obwohl dies direkt an einem Campingplatz für Touristen liegt, tummeln sich hier viele schwedische Familien, und ich habe Gelegenheit, einen kaffe med påtår zu bestellen. Außerdem entscheide ich mich für eine Waffel mit Sahne und nehme noch gleich ein Glas selbstgemachten Rhabarbersaft dazu. Dieser hat nicht nur eine tolle Farbe, sondern schmeckt auch fantastisch.

So sitzen mein Mann und ich auf einer Bank in der Sonne vor dem liebevoll renovierten schwedischen Bauernhaus und schlemmen unsere Naschereien. Eine getigerte Katze gesellt sich zu uns und springt meinem Mann auf den Schoß.

Nach dem Essen paddeln wir die 5 km lange Strecke zurück nach Gustavsfors, wo wir kurz vor Schließung des Kanuverleihs um 18 Uhr unser Kanu wieder abgeben und uns direkt an der Schleuse noch schnell eine geräucherte Forelle für unser Abendessen kaufen.

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