Verfasst von Cornelia Lohs am 18.05.2015

Venedig – Ausflug zu den Laguneninseln

„Wenn Sie die Laguneninseln erkunden möchten, fangen Sie mit Burano an. Das ist die bunteste aller Inseln“, erklärt mir der Concierge im Hotel. Es gibt ein Vaporetto, das als öffentliches Verkehrsmittel genutzte Wassertaxi, das direkt zur Insel fährt. Leider fährt es nicht zentral vom Markusplatz ab, sondern von der Haltestelle Fondamenta Nuove, die ihr ab dem Bahnhof Santa Lucia in etwa 15 Minuten zu Fuß erreicht. Die Fahrt mit der Linea Nord zu der weit im Norden gelegenen Insel dauert 40 Minuten und kostet 7 Euro.

Was mir bei Ankunft sofort ins Auge fällt, sind die vielen knallbunten Häuser entlang der schmalen Kanäle mit den winzigen Brücken. Es heißt, die Farben dienten früher bei Nebel der Orientierung der Fischer. Im Zentrum der kleinen Insel gibt es neben zahlreichen Cafés und Restaurants jede Menge Läden, die Spitze anbieten.

Der kleine Fischerort ist berühmt für seine Spitzentextilien, die hier seit Jahrhunderten hergestellt werden. Vom 16. bis zum 19. Jahrhundert hatte die aufwendig gestickte Burano-Spitze ihre Blütezeit und wurde als Europas feinste Spitze zu hohen Preisen in alle Welt exportiert. Bis zu drei Jahren arbeiteten Frauen an einer einzigen filigranen Decke. Die Spitzenprodukte in den Läden stammen größtenteils aus Asien. Es wird zwar auch echte Burano-Spitze verkauft, kein Tourist ist jedoch bereit, für eine Decke mit dem berühmten Burano-Luftstich ein Vermögen auszugeben.

Wunderschöne Meisterstücke aus alten Zeiten bestaune ich im Spitzenmuseum (Museo del Merletto) auf der Piazza Galuppi, das täglich von 10 bis 17 Uhr geöffnet ist. Nachdem ich durch fast alle Straßen der kleinen Insel gelaufen bin und über 100 Fotos der bunten Häuser geschossen habe, gehe ich zur Vaporetto-Haltestelle zurück und warte auf das Boot der Linie 9 auf die Nachbarinsel Torcello, die nur fünf Vaporetto-Minuten entfernt liegt.

Torcello, die geschichtsträchtigste Laguneninsel

Bevor ich die Insel erkunde, möchte ich erst zu Mittag essen und zwar in der Locanda Cipriani, wo Hemingway 1948 eine Zeitlang gewohnt und einen Teil seines Romans „Über den Fluss und in die Wälder“ geschrieben hat.

Im Restaurant hängen vergilbte Fotos des berühmten Gastes. Die Küche der Locanda gilt als eine der besten Italiens. Ich setze mich an einen Tisch im Garten und genieße das wunderschöne Ambiente. Ihr könnt hier nur ein dreigängiges Menü für 53 Euro bestellen. Das ist mir aber erstens zu viel Essen und zweitens viel zu teuer. Ich hätte doch lieber in einem der vielen preiswerten Restaurants in Burano essen sollen. Stattdessen diskutiere ich mit dem Kellner und bekomme schließlich einen Teller mit Gemüsepasta. Mit 20 Euro nicht gerade billig, aber lecker – und die Umgebung ist das Geld allemal wert.

Nach dem Essen besichtige ich die Basilica di Santa Maria Assunta, die nur ein paar Schritte von der Locanda entfernt liegt. Sie stammt aus dem Jahr 639 und ist das älteste Bauwerk in der Lagune. Wunderschön sind die uralten Mosaiken, die aus dem 7. bis 12. Jahrhundert stammen.

Neben der Basilika befindet sich die kleine Kirche Santa Fosca aus dem 11. Jahrhundert, die von einem Arkadengang umgeben ist. Auf dem Vorplatz steht ein Marmorblock in Form eines Sitzes, der der Thron des Hunnenkönigs Attila aus dem 5. Jahrhundert sein soll. Heißt es zumindest. Einst war Torcello die mächtigste Siedlung in der Lagune mit eigenem Bischof, zahlreichen Palästen, eigenen Gesetzen und 20.000 Einwohnern. Die Insel ist gerade mal 1,2 Kilometer lang und einen Kilometer breit. Die 20.000 Einwohner müssen auf dieser kleinen Insel sehr beengt gelebt haben! Heute leben hier nicht einmal mehr 20 Menschen.

Ruhe und Stille am Lido di Venezia

Meine letzte Station ist der Lido, die berühmteste Laguneninsel. Schauplatz zahlreicher Romane (zum Beispiel „Der Tod in Venedig“ von Thomas Mann), Filme und des Filmfestivals. Diese Vaporetto-Fahrt wird lang, denn zunächst muss ich über Burano wieder zum Ausgangspunkt Fondamenta Nuove zurück. Irgendwie kommt mir die Rückfahrt länger vor, aber es sind tatsächlich nur 40 Minuten. Vom Fondamenta Nuove bringt mich das Vaporetto der Linie 5.1 in 15 Minuten zum Lido.

Im Gegensatz zu den anderen Inseln der Lagune ist hier der Autoverkehr erlaubt. Vor der Vaporetto-Station sind Bushaltestellen. Jeder Bus fährt ins Zentrum, erklärt mir ein Busfahrer. Ich steige ein, zahle 1,30 Euro für das Ticket und fahre ins Zentrum. Mir fällt sofort auf, wie ruhig und bedächtig es hier ist. Touristenströme wie in den Gassen Venedigs sind hier nicht unterwegs.

Ich bin auf dem Weg Richtung Strand. Entlang der schattigen Allee Lungomare stehen wunderschöne Villen, darunter Hotelpaläste aus dem 19. Jahrhundert, wie das Grand Hotel des Bains, in dessen Garten Teile des Films „Der englische Patient“ gedreht wurden. Im Juli ist der 12 Kilometer lange Sandstrand noch relativ leer. Es ist warm und ich freue mich, dass ich am Morgen meinen Badeanzug eingepackt habe. Aber erst einmal setze mich in eine Kaffeebar und genieße einen Espresso, den ich hier für nur einen Euro bekomme.

Bellini in Harry’s Bar

Am Abend bin ich mit Freunden in Harry’s Bar in der Calle Vallaresso 1323, westlich vom Markusplatz, verabredet, denn ich möchte endlich einmal einen Original-Bellini probieren. Der Name des Cocktails aus trockenem Prosecco und Pfirsichmark geht auf den Maler Giovanni Bellini zurück. Aber ob er ihn auch erfunden hat? Na, jedenfalls war Harry’s Bar Hemingways Stammkneipe in Venedig, die er auch in dem Roman, den er in der Locanda Cipriani schrieb, verewigt hat. Der Bellini kostet 16 Euro, weit mehr als in den Bars in den kleinen Gässchen, wo ihr ihn für fünf bis sechs Euro bekommt. Und, ehrlich gesagt, er schmeckt nicht anders. Trotzdem ist Harry’s Bar ein Muss für einen Venedig-Besuch – ihr müsst ja nicht unbedingt einen Bellini trinken.

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