Verfasst von Ralf Johnen am 21.11.2014

Tuk-Tuks, Tempel und eine tropische Nacht: Ein Tag in Bangkok

An der Station Mo Chit verlasse ich den drastisch heruntergekühlten Skytrain, um mich in den Trubel zu stürzen. Es ist Samstagvormittag. Und nur einen Steinwurf entfernt breitet sich der riesige Chatuchak-Markt aus. Hier fällt mir zunächst nur wenig Ungewöhnliches auf: Einheimische und Touristen begutachten preiswerte Lederwaren, billige Turnschuhimitate und typisch thailändische Souvenirs. Oder sie trinken frisch gepresste Säfte.

In den Straßen am Rande der Hallen aber verändert sich das Bild: Die Gewürzhändler sind Garküchen gewichen. An einzelnen Ständen sind eher gewöhnungsbedürftige Delikatessen zu haben: frittierte Heuschrecken und andere Insekten. Wo immer sich Menschentrauben bilden, gibt es Zierfische zu bestaunen, die in kleinen Plastiktüten auf Käufer warten. Ich beobachte das Geschehen und stelle fest: Bangkok ist immer noch anders als Europa.

Mit dem Tuk-Tuk zum Tempel

Gegen Mittag halte ich mit einem Wink ein Tuk-Tuk an. Der Fahrer navigiert das grell lackierte Mini-Taxi für 150 Baht (knapp vier Euro) durch ein unübersichtliches Labyrinth von Straßen und Gassen. Kurz bevor wir das Ziel erreichen, erkenne ich Wat Phra Kaeo – jene gewaltige Tempelanlage aus dem 18. Jahrhundert, in der einst die thailändischen Monarchen residiert haben (Eintritt: 350 Baht).

Als das Tuk-Tuk von dannen geknattert ist, kommt mir die Stadt für einen Moment fast leise vor. Ich stehe in der Nähe eines Bootsanlegers, genauer gesagt am Tha Chang Pier. Auf seinem Weg quer durch Bangkok schlägt der mächtige Fluss Chao Phraya hier einen seiner Bögen. Höchste Zeit für eine Erfrischung: Von einem Straßenhändler lasse ich mir mit der Machete eine Kokosnuss aufschlagen. Köstlich. Dazu bestelle ich Hähnchenspieße, die nach frischen Gewürzen duften. Auf die Hand natürlich. Beides zusammen kommt auf keine 100 Baht.

Abkühlung im Longboat

Anschließend miete ich mir ein Fahrzeug, mit dem ich eine neue Facette Bangkoks erkunden möchte: ein Longboat. Die ebenso schmalen wie langen Boote werden zwar im touristischen Epizentrum der Stadt nur zu Pauschalpreisen ohne Spielraum für freudvolle Feilschereien angeboten. Dafür aber muss ich nicht lange warten. Und 400 Baht scheinen mir für eine halbe Stunde Fahrt letztlich auch nicht übertrieben.

Wir nehmen Kurs auf Süden. Immer wieder gehe ich vor der aufspritzenden Gischt in Deckung. Während mir der kühle Fahrtwind um die Nase weht, erspähe ich auf der rechten Seite abermals ein Wahrzeichen: den Tempel Wat Arun mit seiner fast 80 Meter hohen Goldspitze.

An den Ufern wechseln sich moderne Einkaufszentren, vornehme Villen und einfache Wohnbehausungen ab, die auf eine unnachahmliche Art ineinander verschachtelt scheinen. Nun passieren wir mit dem Mandarin Oriental eine asiatische Hotel-Legende. Es folgen weitere Luxusresorts, danach immer höhere Wolkenkratzer. Am Central Pier schließlich endet die Tour. Höchste Zeit, um in der nahen Skytrain-Station Tha Sathon wieder in den Zug zu steigen, der sich auf einer kühnen Betonkonstruktion den Weg durch das moderne Bangkok bahnt. Die am Automaten erhältliche Tageskarte kostet 130 Baht, dafür gelangt man zu 34 Stationen.

Eine tropische Nacht

Die Station Siam ist meine Eintrittskarte in die glitzernde Welt des Konsums: Mit Paragon, Central World und MBK konkurrieren hier gleich drei riesige Shopping-Malls um mein Reisebudget. Mit Disziplin beschränke ich mich aber auf die Rolle des staunenden Betrachters.

Rechtzeitig vor Sonnenuntergang nehme ich wieder ein Tuk-Tuk. Mein Ziel ist das Banyan Tree Hotel oder genauer gesagt: die „Moon Bar“, die im 61. Stockwerk unter freiem Himmel zum Sundowner lockt. Mit einer Frozen Margarita (mit knapp 400 Baht nicht billig) in der Hand schaue ich zu, wie sich der Abendhimmel dramatisch einfärbt, ehe eine dieser tropischen Nächte anbricht, die ich so gerne mag.

Während ich auf das Lichtermeer unter mir blicke, zeigt mir ein anderer Besucher, wo sich im Nordosten die Straße Sukhumvit ausstreckt. Dort in den Bars treffen sich Reisende und Expats aus aller Welt. Ich verzichte diesmal. Schließlich habe ich Bangkok heute schon auf drei Arten kennengelernt: zu Land, zu Wasser und aus der Luft.

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