Verfasst von Madlen Brückner am 22.01.2015

Trinidad – zurück in die Zeit der Zuckerbarone

Als ich auf der Hotelterrasse Zucker in meinen Kaffee rühre und auf das Meer hinausschaue, habe ich die Idee, das ursprüngliche Kuba zu entdecken. Ich tausche das Wellenrauschen nicht gleich gegen den Großstadtlärm Havannas ein, sondern buche mir für 105 Euro eine Tour gen Süden, um die einstige Zuckermetropole Trinidad zu erkunden, die seit 1988 auch UNESCO-Weltkulturerbe ist.

Nach einer vierstündigen Fahrt von Varadero erreichen wir die Kolonialstadt, die wie ein Gemälde im Norden von der Sierra del Escambray und im Süden vom Karibikmeer eingerahmt wird. Nicht nur die Lage ist malerisch, sondern auch jeder einzelne Straßenzug, durch den wir auf unserem Weg vom Parque Céspedes zum Parque José Martí, auch Plaza Mayor, spazieren.

Zeitreise in die Vergangenheit

Das Hufklappern der Pferdekutschen auf dem Kopfsteinpflaster gibt in den engen Gassen den Takt an. Hinter den blauen, grünen oder orangenen Häuserfassaden, von denen viele gerade aufgrund des 500-jährigen Stadtjubiläums einen neuen Anstrich erhalten, liegen üppig begrünte Hinterhöfe, durch die Musik schallt. Die Trinitarios unterhalten sich durch die kunstvoll geschmiedeten Gitter, die jedes hohe Fenster zieren.

Rhythmus in den Straßen

Wir biegen in die Calle Simón Bolívar ein, aus der Son-Musik tönt. Vor einer hellblauen Hauswand sitzen fünf ältere Herren der Grupo Los Pinos mit ihren Gitarren, Congas und Claves. Schnell geht das leichte Wippen unserer Hüften in ein kurzes Tänzchen auf der Straße über, während auf der anderen Straßenseite vier Männer an einem schattigen Tisch Domino spielen.

Einkaufen zum kleinen Preis

In der Seitenstraße E. Valdés Muñoz geht es ähnlich lebhaft zu. Bis hinauf zum Casa de la Trova durchziehen Straßenstände die Gassen. Hüte, Stick- und Häkelarbeiten flattern von den Holzbalken. Autonummernschilder, Keramik, Schmuck, Flechtwerk aus Palmenblättern und Holzarbeiten liegen aus. Als Salsa-Liebhaber haben es mir die Rhythmus-Instrumente angetan. Für 1,50 Eurokaufe ich Claves, Perkussion-Klanghölzer, und weil die Mittagshitze so knallt auch gleich für 4,50 Euro einen Strohhut auf dem Kunsthandwerkmarkt.

Prächtige Paläste der einstigen Zuckerbarone

Mit einem leckeren Mango-Eis aus dem Zelatto setze ich mich auf eine schattige Bank zwischen Palmen und bronzene Windhunde auf dem Plaza Mayor. Prächtige Paläste und Villen, die im 18. und 19. Jahrhundert von Zuckerbaronen errichtet wurden und heute meist als Museum dienen, säumen den Platz. An der Nordseite steht die turmlose Iglesia Parroquial de la Santísima Trinidad, die einzige fünfschiffige Kirche Kubas. Wir besuchen für knapp 1 Euro das Museo Romántico daneben. Das Museum gibt einen Einblick in das Leben der Zuckerbarone und zeigt neben Möbeln viele Gegenstände aus dem alltäglichen Leben der Familien. Vom Balkon im zweiten Stock schauen wir über den eleganten Platz und auf El Convento San Francisco mit seinem Glockenturm.

Speisen in einem Antiquitätenladen

Doch nicht nur die Stadt sieht wie ein riesiger Antiquitätenladen aus, auch die Restaurants gleichen einem Museum. Als wir am Abend das an der Südseite des Plaza Mayor gelegene Paladar Sol Ananda betreten, sind die Tische herrschaftlich mit Porzellan, Tafelsilber und Kristall gedeckt. Im Kerzenschein genießen wir bei Live-Musik mit einem Curry und Pakoras die internationale Küche.

Salsa und Cuba Libre

Nach dem Abendessen suchen wir das Epizentrum der abendlichen Unterhaltung auf. Auf der Freitreppe, die von der Calle F. H. Echerrí zur Casa de la Música hinaufführt, haben es sich Einheimische und Touristen bequem gemacht, um bei karibischer Musik einen Cuba Libre zu genießen. Unter dem Sternenhimmel tanzen wir in die Nacht, bis das Live-Programm mit afrikanischen Sklaventänzen und Rumbatrommlern endet. Wir ziehen weiter. Gegenüber vom Museo Romántico drängen sich die Menschen in einer namenlosen Bar. Wieder spielt eine Son-Band. Und wieder rühren wir in einem Cuba Libre und saugen den Geschmack des ursprünglichen Kuba auf.

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