Verfasst von Maike Grunwald am 21.10.2015

Thailand: Grüne Oasen und Göttertheater – Bangkoks idyllische Seiten

Pulsierendes Nachtleben, glitzernde Tempel, Häuserschluchten und Shopping Malls, umgeben von tosendem Straßenverkehr, den vermummte Polizisten vergeblich zu bändigen versuchen: Das ist Bangkok auf den ersten Blick – laut, voll, anstrengend, aufregend.

Eine grüne Insel mitten in Bangkok

Keine Frage: Der Tempel der Morgenröte, der Königspalast, das Nightlife am Sukhumvit – diese Attraktionen sind ein Muss beim ersten Mal in Bangkok. Aber wer die faszinierende Metropole wirklich kennen lernen will, muss auch ihre anderen Seiten entdecken – grün, ruhig, verträumt.

Mich zieht es jedes Mal, wenn ich in Thailands „Stadt der Engel“ bin, magisch zum Lumphini Park. Wie eine grüne Insel liegt er inmitten stark befahrener Straßen im Bezirk Pathum Wan, direkt an der Skytrain (Silom-Line, Station: Sala Daeng Station) oder U-Bahn (Stationen: Lumphini Station oder Silom Station). Mit seinen 57,6 Hektar ist er größer als 80 Fußballfelder, Bangkoks größter Park. Der Eintritt ist frei.

Liebespärchen, Reiher und Warane

Die in den zwanziger Jahren von König Rama VI. angelegte Grünanlage ist auch ein Lieblings-Erholungsort der Einheimischen. Im Winter lauschen sie im Palmengarten den öffentlichen Konzerten der Reihe „Concert in the Park“, unter anderem mit dem Bangkoker Sinfonieorchester. In den vergleichsweise kühlen Morgen- und Abendstunden genießen ganzjährig Jogger, Radler und Spaziergänger Bangkoks grüne Oase. Auf den Wiesen bewegen sich Thai-Chi-Anhänger wie in Zeitlupe. Freiluft-Fitnessgeräte mit Teichblick laden zum meditativen Trainieren ein.

Auf dem See schippern Liebespärchen auf Tretboten in Entenform herum (Miete: umgerechnet 80 Cent pro halbe Stunde). Ein weißer Reiher hält auf einem Wasserspiel im See nach Beute Ausschau. Am Ufer sitzt eine junge Frau auf einer Bank und schreibt SMS, als direkt neben ihr eine riesige Echse aus dem Wasser kriecht: ein Bindenwaran. Die Tiere können mehr als drei Meter lang werden. Diese riesigen Warane, die sich auch gerne schwimmend fortbewegen, sind für mich eines der größten Wunder Bangkoks: stille Urzeit-Viecher mitten in der modernen Metropole.

Ein Künstlerhaus im „Venedig Asiens“

Auf einer Khlong-Tour, einer Bootsfahrt durch die Kanäle, begegnen wir ihnen wieder, den Waranen und den Reihern. Sie sitzen auf den hölzernen Treppenstufen der Häuser, die auf Stelzen direkt am Ufer stehen, dekoriert mit kleinen Haustempeln, Wäscheleinen und Topfpflanzen. Bald sind wir ganz eingetaucht in das Netz immer schmaler werdender Kanäle. Uns „Farangs“, wie Westler hier genannt werden, scheint das „Venedig Asiens“ unendlich idyllisch.

Highlight unserer Fahrt (Preis im privat gecharterten Longtail-Boat umgerechnet etwa 25 Euro pro Stunde) ist eine traditionell-moderne Puppentheater-Aufführung im „Khlong Bang Luang Artist’s House“ am Kanal Khlong Bang Luang (Adresse mit dem Taxi: Wat Kuhasawan in der Seitenstraße Soi Phetkasem 28, ausgesprochen etwa wie „Pet-Ga-Saim“). Nur eine halbstündige Bootsfahrt vom Trubel des Zentrums entfernt herrscht hier eine Atmosphäre von meditativer Ruhe und Kreativität. Das zweistöckige Künstlerhaus enthält ein beeindruckendes Sammelsurium an Werken von zeitgenössischen Bangkoker Künstlern.

Wo sich Götter in Prinzessinnen verlieben

Mit Spannung erwarten wir die etwa halbstündige Theater-Aufführung, die täglich (außer mittwochs) um 14 Uhr im Künstlerhaus beginnt. Sie ist kostenlos, Spenden sind jedoch sehr erwünscht und wichtig für das Bestehen der Künstlertruppe, die hier seit fünf Jahren mit viel Engagement eine ganz besondere thailändische Tradition des Tanz- und Puppentheaters fortführt.

Musik erklingt, während eine Gruppe schwarz gekleideter, maskierter Tänzer den Star der Show zum Leben erweckt: Hanuman, den Affengott aus den Legenden der Ramakian, der thailändischen Adaption des indischen Nationalepos Ramayana. Ein Erzähler erläutert auf Thailändisch und Englisch die Geschichte, die sich im Figuren-Tanz abspielt: Hanuman verliebt sich in die entführte Prinzessin Benjagai. Dazu bewegen die Tänzer die wunderschönen Puppen, die kunstvoll von den Spielern selbst in Handarbeit gefertigt sind. „Hun Lakorn Lek“ nennt sich die Mischung aus traditionellem Puppenspiel und Khon, dem thailändischem Maskentanz. Um auch das junge thailändische Publikum bei Laune zu halten, hat die Truppe die alte Kunstform aufgelockert: Mit Späßen werden Zuschauer mit einbezogen.

Ein Garten-Wohnhaus wie im Märchen

Ein weiterer Lieblingsort von mir ist das „Jim Thompson House“. Das Heim des amerikanischen Seidenhändlers, der 1967 unter mysteriösen Umständen in Malaysia verschwand, ist heute ein Museum, eine Oase der Ruhe und Kultur inmitten eines üppigen Gartens (Eintritt rund 4 Euro). Eine Museumsangestellte, schön wie eine Blume, führt uns durch das einstige Domizil des Kunstsammlers. 1959 baute er sechs verfallene traditionelle Holzhäuser am Ufer des Kanals Klong Maha Nag wieder auf und füllte sie mit Kunstschätzen aus ganz Asien.

„Die Häuser stehen auf Stelzen. Alle Wohnräume sind oben, geschützt vor Hochwasser und Schlangen“, erfahren wir bei der englischsprachigen Führung. „Sie sehen hier traditionelle thailändische Architektur in ihrer feinsten Form: Die Häuser sind ganz aus Teakholz, kein einziger Nagel wurde benutzt.“ Über den leicht schwankenden Holzboden durchschreiten wir die Zimmer. Die Türschwellen sind hoch gebaut, „damit keine bösen Geister hineinkriechen können.“ Jeder Einrichtungsgegenstand, bis hin zu den Töpfchen für die Kinder, ist schön und kostbar.

Die Katzen-Mamas an der Elefantenkopf-Brücke

Unser etwa 15-minütige Fußweg zurück zum Hotel, das direkt in der berühmten MBK Shopping Mall liegt, führt am Kanal entlang und dann über die Hua Chang Bridge (übersetzt „Elefantenkopfbrücke“). Direkt unterhalb der Brücke haben es sich auffällig viele Katzen gemütlich gemacht, schlafen in der Sonne oder beobachten Passanten.

Es sind heimatlose Kätzchen, die hier einen sicheren Hafen gefunden haben: Eine Änderungsschneiderin, die täglich unter der Brücke ihre Nähmaschinen aufstellt und Arbeiten entgegennimmt, füttert und umsorgt sie gemeinsam mit einer Freundin. Die beiden stadtbekannten Katzen-Mamas freuen sich über jede Spende für ihre schnurrenden Lieblinge.

Schlemmen am Wasser und über den Dächern der Stadt

Zum Schluss verrate ich noch zwei frisch entdeckte Kulinarik-Tipps: Das Restaurant Mango Tree auf dem neu eröffneten Yodpiman Pier direkt am Wasser ist perfekt für ein Mittagessen mit Blick auf Bangkoks Fluss-Leben. Empfehlenswert ist zum Beispiel das recht scharfe thailändische Meeresfrüchte-Pfannengericht „Phad Cha“ (umgerechnet 9 Euro).

Abends ist das edle Rooftop-Restaurant des zentralen Hotels „Siam Siam“ schön. Bekannt ist es für seine „Hot Stones“-Gerichte, die vor den Augen des Gastes frisch auf heißen Steinen zubereitet werden. Die stolzen Preise (z.B. 24 Euro für vier thailändische Riesengarnelen auf Salat) sind gerechtfertigt: Das Essen ist fantastisch – und der Blick natürlich auch. Die Dachterrasse liegt zwar „nur“ im 25. Stock, was nicht so spektakulär klingt wie die höhere Lage anderer Bars. Aber: Ihr seid dort einfach „näher dran“ – und immer noch über den Dächern von Bangkok bei Nacht.

Weitere Beiträge von Maike Grunwald

Weitere Beiträge zu Bangkok & Umgebung

Weitere Beiträge zu den Urlaubsarten: Städtereise

4 Tage in Athen

Die wichtigsten Highlights in Athen besucht Stefanie Thimm – in vier Tagen in ...

Zum Artikel

Montmartre, je t´aime!

Nicht umsonst wird Paris "die Stadt der Liebe" genannt. Besonders Montmartre...

Zum Artikel

24 Stunden in Amsterdam

In den Gesichtern der Gäste macht sich ein Lächeln breit, wenn die Kellnerin...

Zum Artikel

Frühling in Regensburg

Wir haben uns einen jener Frühlingstage ausgesucht für unseren Besuch in...

Zum Artikel

Ein Tag in Barcelona

Barcelona ist die perfekte Stadt für einen Städtetrip: schöne alte...

Zum Artikel

Viva Las Vegas!

Selbst im „Land der Superlative“ ist Las Vegas das Nonplusultra: Alles ist...

Zum Artikel

Brüssel als Comicstrip

Ich lasse mich hinüber in die Altstadt treiben, wo die Gassen schmaler und...

Zum Artikel

München leuchtet

Augenzwinkernd wird München das Millionendorf genannt. Wo, wenn nicht hier,...

Zum Artikel