Verfasst von Ischta Lehmann am 25.03.2015

Südafrika: Kapstadt und Umgebung erleben

Mein Mann stammt aus Kapstadt, darum sind wir so oft wie möglich zu Besuch in Südafrikas „Mother City“, wie sie bei den Einheimischen heißt. Und es wird nie langweilig! Schließlich gibt es in und um Kapstadt so viel zu entdecken. Ich stelle euch ein paar meiner Highlights vor. Tipp: Nehmt euch für die Erkundungen einen Mietwagen (ab ca. 100 Euro).

Wir schauen zuerst einmal bei der Victoria & Alfred Waterfront (kurz V&A Waterfront, oder ganz einfach Waterfront) vorbei. In dem restaurierten Werft- und Hafenviertel gibt es viele Shops, Restaurants und Cafés. Klar, die Ecke ist touristisch, aber einfach ein Muss, vor allem wenn man das erste Mal in Kapstadt ist. Schon allein, um hier ein Foto mit dem imposanten Tafelberg im Hintergrund zu machen, der das Bild der Stadt so stark prägt.

Ein Muss für Genießer: der V&A Market on the Wharf (am Nobel Square). Hier gibt es viele köstliche Dinge, man bekommt zum Beispiel frische Säfte und Smoothies oder die beliebten „Samosas“, gefüllte Teigtaschen. An der Waterfront starten auch die Fähren nach Robben Island. Auf der Gefängnisinsel, die heute als Museum dient, war Nelson Mandela über viele Jahre inhaftiert. Heute werden viele der Führungen von ehemaligen Häftlingen geleitet. Ein bedrückendes, aber interessantes Erlebnis. Rechtzeitig Tickets besorgen, man bekommt sie am Counter des „Nelson Mandela Gateway“ (Fish Quay) oder online auf der Website des Robben Island Museum (Erwachsene 21, Kinder 11 Euro). Die Touren finden mindestens viermal täglich statt. Plant dafür etwa 4 Stunden ein.

Die schönsten Aussichten

Für Touristen ist eine Fahrt mit der Seilbahn auf den Tafelberg (Table Mountain) eigentlich Pflicht. Noch schöner ist allerdings ein Ausflug zum Signal Hill, ein paar Kilometer vom Stadtzentrum entfernt – hier schaut man nicht vom, sondern auf den schönen Tafelberg.

Am besten fahrt ihr in der Dämmerung zum höchstgelegenen Parkplatz am Signal Hill (die Kloof Nek Road nehmen, dann einfach den Schildern folgen). Keine Sorge, da ist man nicht allein: Viele Einheimische nutzen die schöne Atmosphäre beim Sonnenuntergang, um sich mit Freunden und Familie zu einem kleinen Picknick zu treffen.

Ihr merkt es vielleicht schon: Ich bin ein bisschen besessen vom Tafelberg – von ihm kann ich nicht genug bekommen! Noch zwei Tipps: Auch vom etwa 669 m hohen Lion’s Head aus habt ihr einen schönen Blick auf den Table Mountain – der Aufstieg ist allerdings mit Arbeit verbunden. Den Berg erklimmt ihr nämlich in einer etwa anderthalbstündigen Wanderung, am besten am frühen Morgen (Einstieg ist auf der Signal Hill Road, am Ende der Forestry Road). Das letzte Stück ist eine kleine Herausforderung, weil man sogar ein wenig klettern muss. Aber es lohnt sich, denn von oben habt ihr – an klaren Tagen – einen wunderschönen Rundumblick auf die Stadt und die Atlantikküste.

Bequemer für einen guten Blick (und spektakuläre Fotos) sind in die Küstenorte Table View oder Bloubergstrand. Tagsüber toben sich hier die Kitesurfer aus, zum Sonnenuntergang kann man in Restaurants mit Blick aufs Meer und auf Kapstadt sitzen und mit etwas Glück tolle Aufnahmen machen, die nicht nur den Tafelberg, sondern die ganze Bergkette zeigen – inklusive Lion’s Head und Signal Hill, der quasi den „Löwenrumpf“ bildet.

An manchen Tagen ist der Tafelberg allerdings wolkenverhangen. Wenn nur ein paar dekorative Wolken oben auf dem Bergplateau liegen, spricht man von einem Tablecloth (Tischtuch). Doch zeitweise verschwindet der ganze Berg im Nebel. Dann lohnt es sich wirklich nicht, hochzufahren, denn oben ist es nicht besser! Bei schlechtem Wetter geht ihr lieber shoppen. Bekannt ist natürlich die Long Street mit ihren vielen kleinen Geschäften. Mir gefällt auch die Bree Street, ein paar Parallelstraßen weiter. Unbedingt mal bei SAM (kurz für South African Market, 107 Bree Street) vorbeischauen, das Geschäft kuratiert tolle Stücke von lokalen Künstlern und Designern – von Mode über Wohnaccessoires bis hin zur iPhone-Hülle.

Design oder Nicht-Sein

Noch ein Shopping-Tipp: Das Design-Viertel Woodstock. In der Woodstock Exchange (66-68 Albert Road) haben viele lokale Künstler und Designer ihre Ateliers und Büros, dazu gibt es auch Shops und Cafés (sonntags geschlossen). Gleich um die Ecke: Das Tagescafé „The Kitchen“ (111 The Lowry Road), wo ihr leckere Salate und das wunderbare „Love Sandwich“ (für rund 5 Euro) bekommt.

Nicht erst seit Kapstadt 2014 zur Welt-Designhauptstadt gekürt wurde, haben die Menschen hier ein Auge und ein Händchen für die schönen Dinge. Jedes Jahr im Februar findet die Design Indaba statt, eine Messe rund um Mode und Design aus Südafrika. Sie bündelt die Neuigkeiten aus Kunst, Mode und Lifestyle an einem Ort und man kann auch gleich shoppen. Und auf dem Gelände der Old Biscuit Mill (375 Albert Road, sonntags geschlossen) gibt es jede Menge kleiner Shops, in denen ihr hübsche Mitbringsel kaufen könnt – für euch selbst oder Eure Freunde. Vor allem samstags ein „place to be“, denn jeden Samstag von 9 bis 15 Uhr findet hier der Neighbourgoods Market statt, ein riesiges Foodfestival, bei dem ihr frische Austern schlürfen, südafrikanisches Biltong (Trockenfleisch) oder Boerewors Rolls (Bratwurst-Brötchen), aber auch Spezialitäten aus aller Welt probieren solltet. Da ist immer viel los, also am besten früh kommen!

Auf dem Gelände der Old Biscuit Mill (im obersten Stockwerk des ehemaligen Getreidespeichers) befindet sich eins meiner absoluten Lieblingsrestaurants in Kapstadt: The Pot Luck Club. Hier ist nicht nur das Interieur modern, sondern auch das Essen. Die Karte ist eingeteilt in verschiedene Geschmacksrichtungen (süß, sauer, bitter, umami etc.). Die Portionen sind nicht sehr groß (tapas style, nennen sie das), so dass man viele verschiedene Gerichte probieren kann (die Preise liegen bei 3 bis 9 Euro pro Gericht). In der Showküche, in der Mitte des Raumes, kann man den Köchen bei der Arbeit zusehen. Alles, was ich hier bislang probiert habe, war lecker, etwa die Fish Tacos oder das Rind mit Trüffel-Café-au-lait-Soße. Auch die Desserts sind ein Gedicht.

Von Kapstadt aus Südafrika erkunden

Wenn noch Zeit bleibt, solltet ihr ruhig über Kapstadts Stadtgrenzen hinausschauen. Zum Beispiel nach Muizenberg fahren, dem an der False Bay (am Indischen Ozean) gelegenen östlichen Vorort. Wer mag, nimmt an der so genannten „Surfer’s Corner“ ein paar Surfstunden – oder flaniert einfach an den hübschen, bunten Badehäuschen vorbei – ein beliebtes Motiv für Fotografen (und Modeproduktionen).

Muizenberg hat übrigens auch einen sehr netten Foodmarket: den Blue Bird Garage Food and Goods Market (Freitag 16-22 Uhr). Kleiner als der in der Old Biscuit Mill, dafür sehr familiär. Hier gibt es neben Pizza, Cupcakes und indischem Essen auch Kleidung und handgemachten Schmuck.

Das Wasser an Kapstadts Stränden ist ja leider recht kalt, aber wenn ihr etwa anderthalb Stunden auf der R27 die Westküste hochfahrt, könnt ihr im West Coast National Park (täglich 8-19 Uhr, 5 Euro für Erwachsene, 2,5 Euro für Kinder), der in der Langebaan-Lagune liegt, wunderbar baden, weil das Wasser hier im südafrikanischen Sommer über 20 Grad warm ist.

Der Park ist auch ideal für Vogelbeobachtungen. Etwa 250 verschiedene Arten leben in diesem Naturreservat. Da läuft einem dann auch schon mal ein ausgewachsener Strauß über den Weg.

Entspannte Küstenstädtchen

Am besten bringt man sich für den Besuch im Nationalpark ein Picknick mit. Ihr könnt aber auch Snacks im Café des Geelbek Informations- und Bildungszentrums kaufen. Es liegt am südlichen Ende der Lagune, etwa 10 km vom Langebaan-Eingang entfernt. Wer noch etwas mehr Zeit in der Gegend an der Westküste verbringen will, sollte eine Übernachtung in Langebaan oder Paternoster einplanen. Hier verbringen auch die Capetonians gern ihre Wochenenden.

Das Fischerörtchen Paternoster erreicht ihr nach etwa anderthalb Stunden Fahrt – von Kapstadt aus Richtung Norden, entlang der Küste. Es ist herrlich verschlafen. Ihr solltet unbedingt auf der Terrasse des Voorstrandt Restaurants direkt am Strand essen. Die Sonnenuntergänge und der Fisch sind spektakulär. Als Dessert empfehle ich den hervorragend gemixten Don Pedro, eine Art Milkshake-Cocktail mit Kaluha (rund 3 Euro). Wer es etwas experimenteller mag: Im Restaurant „Oep ve Koep“ serviert Kobus van der Merwe Kreationen wie Dünenspinat, eingelegte Waterblommetjies (die Blüten der Wasserähre, einer Pflanze, die es fast nur in Südafrika gibt) oder Seeigel. Ansonsten vertreibt man sich die Zeit mit Strandspaziergängen und Nichtstun.

Apropos Alkohol: Weinliebhaber haben es von Kapstadt aus auch nicht weit in die „Winelands“. Das etwa 60 Kilometer östlich von Kapstadt gelegene Weinanbaugebiet, unter der Drakenstein-Gebirgskette, ist bekannt für seine vielen hervorragenden Weine.

Wichtigste Stadt ist Stellenbosch, das auch eine eigene Universität hat. Hier wird viel mehr Afrikaans gesprochen als in Kapstadt, aber natürlich versteht auch fast jeder Englisch. Unbedingt die Dorpstraat entlang flanieren und mal bei Oom Samie se Winkel („Onkel Sams Laden“, Dorpstraat 84) reinschauen. In dem Trödelladen findet ihr skurrile Sachen aus alten (Buren-)Zeiten, vom Butterfass bis zur Stoffpuppe, aber auch köstliche Marmeladen, Süßigkeiten und natürlich gute Weine.

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