Verfasst von Gabriele Duenwald am 24.04.2017

St. Peter-Ording – unendliche Weiten und Matjesbrötchen

Ich liege auf dem Rücken und blinzle in die Sonne. Unter mir fast weißer, feinkörniger, kühler Sand, über mir ein mit kleinen Schäfchen-Wolken getupfter, unendlich weiter Himmel, und direkt vor meinen nackten Füßen die rauschenden Wellen des Meeres. So kann ich den Sommer in Norddeutschland gut aushalten.

Ich schließe die Augen und überlege, wann ich eigentlich das erste Mal von St. Peter-Ording gehört habe? Es muss Mitte der neunziger Jahre gewesen sein. Die ARD-Vorabendserie „Gegen den Wind“ spielte genau da, wo ich jetzt im Sand liege. Die aus attraktiven Jungs und Mädchen bestehende Surferclique rund um Hauptdarsteller Hardy Krüger junior lebte und liebte rund um eine Holzhütte auf Pfählen, am ausgedehntesten Strand Deutschlands. Damals hätte ich nicht im Traum gedacht, dass ich mal an diesem schönen Ort meine Ferien verbringen würde. Während ich in der Sonne dösend die alten Zeiten Revue passieren lasse, fällt mein Blick nach links auf die Surfschule X H2O. Das rot angepinselte Häuschen mit den Surfbrettern davor ist dem Hauptquartier der TV-Serie nicht unähnlich. Und wenn ich mich aufraffen könnte, um Wassersport zu treiben, wäre das hier am Hauptstrand in Ording sicher die beste Adresse.

Mittagsimbiss an der Seebrücke

Da ich für Sport aber zu faul bin und mein Magen mittlerweile leise zu knurren beginnt, beschließe ich, eine kleine Wanderung zu machen, um mir ein Matjesbrötchens zu holen. Vorbei an Windmuscheln in allen Farben des Regenbogens schlendere ich den 2 Kilometer breiten Strand entlang in Richtung des Ortsteils St. Peter-Bad. Obwohl hier gerade Hauptsaison ist, verlieren sich die vielen Menschen in Badehosen in der Weite, voll kann es hier gar nicht werden. Nach rund 20 Minuten Spaziergang erreiche ich die endlose, hölzerne Seebrücke, an deren Ende eine Filiale des Fischimbisses Gosch steht. 3 Euro für einen ganz frischen, zarten Matjes in Brot mit Senfsoße erscheinen mir angemessen. Und nachdem mein erster Hunger gestillt ist, wandere ich noch ein wenig durch den von Bausünden der 70er-Jahre leider etwas verschandelten Ort. Aber die Architektur spielt hier auf der Halbinsel Eiderstedt glücklicherweise nicht die Hauptrolle.

Die Landschaft ist der Held

Die Hauptrolle gebührt ganz eindeutig der grandiosen Natur. Wer mehr wissen will über die Pflanzen und Vogelwelt, über Watt, Dünen und Salzmarschen, der macht am besten einen Ausflug zum Naturzentrum Katinger Watt, etwa 18 Kilometer südlich vom Ortskern St. Peter-Ordings – angenehm auf einer Fahrradtour in Richtung Eidersperrwerk zu erreichen. Als ich, etwas atemlos vom Radeln, den verwunschenen Garten des Lina-Hähnle Hauses betrete, begrüßen mich ein paar junge, engagierte Naturschützer. Sehr gerne lasse ich mir von ihnen das umfangreiche Konzept erläutern. Sie bieten unter anderem Führungen durchs Nordseewatt an, erklären, wo und wann welche Seevögel brüten, und lassen den interessierten Besucher durch einen mit sehr viel Liebe angelegten Lehrgarten flanieren. Besonders für Kinder ist das ein Erlebnis.

Leuchtturm und Schafe

Ein anderer schweißtreibender Fahrradausflug lockt mich genau in die entgegengesetzte Richtung, ihr könnt aber natürlich genauso gut mit dem Auto fahren. 13 Kilometer nördlich von St. Peter-Ording liegt, umgeben von endlosen Marschwiesen und bevölkert von blökenden Schafen, ein anderes Wahrzeichen der Gegend – der Westerhever Leuchtturm. Ein Ausflug zu dem rot-weiß-geringelten Turm mit seinen kleinen Zwillingsnachbarn steht in den kommenden Tagen ganz oben auf meiner Liste, auch weil ich gehört habe, dass ich dort gleich neben dem kostenpflichtigen Parkplatz (3 Euro) wunderbar unbehandelte Schaffelle kaufen kann. Die kleinen pelzigen Teppiche machen sich prächtig als Bettvorleger, auch wenn sie mit 75 Euro nicht ganz günstig sind. Aber dafür steckt auch keine Chemie drin.

Natur und Essen, eine unschlagbare Kombi

Langweilig wird mir in diesem Urlaub ganz sicher nicht und verhungern muss ich auch nicht. Überhaupt scheint eine der Besonderheiten dieser Gegend zu sein, das Erleben der einzigartigen Landschaft mit Kulinarik zu verbinden. Ein weiteres Beispiel für diese unschlagbare Kombination wurde mir neulich von einer leidenschaftlichen Kiterin empfohlen, die jede freie Minute in St. Peter-Ording auf dem Wasser verbringt. Susanne ist ein kleines Trüffelschwein, wenn es ums Aufspüren versteckter Juwelen geht. Der Hochdorfer Garten ist so ein kleines Juwel: ein 1764 angelegter, 5 Hektar großer Barockgarten, gelegen im kleinen Dorf Tating im Hinterland, welches übrigens auch ganz praktisch mit der Bahn zu erreichen ist. Der Garten steht bei meinem Besuch in voller Blüte und ich bin überwältigt von so viel Schönheit und Anmut. Ein kleines weißes Holzbrückchen biegt sich elegant über einen Teich. Und als wenn es nicht schon schön genug wäre, liegt am Ende einer Lindenallee auch noch ein weißes Herrenhaus mit blau lackierter Haustür, was in dieser Gegend Schleswig-Holsteins Haubarg genannt wird. Ich flaniere die Allee zurück in Richtung Straße und laufe geradewegs aufs Schweizer Haus zu. Schweizer Haus? Dieses für die Gegend ungewöhnliche Holzhäuschen diente ursprünglich als Sommerhaus für die feinen Herrschaften im Herrenhaus und wurde vor ein paar Jahren in ein Café verwandelt, welches mit einer opulenten Kaffeekannensammlung glänzt. Wie von meiner Freundin Susanne empfohlen, bestelle ich die Eierlikörtorte. Oh Gott, danach kann ich eigentlich für den Rest des Tages nichts mehr essen, obwohl die gute Seeluft doch so hungrig macht. Was mach’ ich denn jetzt mit der Reservierung für mein Abendessen?

Dinner am Strand

Wann immer ich am Meer bin, egal wo auf dieser Welt, möchte ich am liebsten mit Blick aufs Wasser zu Abend essen. Das sollte an dieser endlosen Nordseeküste kein Problem sein. Mein Tipp für ein gepflegtes Dinner ist Axels Strandhütte. Das schlicht eingerichtete Restaurant – die Hauptrolle spielt schließlich die Aussicht – liegt in einem der schon erwähnten Pfahlbauten am ruhigen Südstrand. Ich parke mein Auto direkt am Deich und nehme den regelmäßig pendelnden Bus runter zum Strand. Nachdem ich die steile Holztreppe zur Terrasse hinaufgeklettert bin, freue ich mich über den weiten Blick auf das Meer. Genau so hatte ich mir das vorgestellt. Die Speisekarte weicht von den an touristischen Orten im Norden so beliebten Klassikern ab. Backfisch werde ich hier vergeblich suchen. Gebratenes Meeräschenfilet aus der Nordsee auf Süßkartoffel-Püree und roter Zwiebelmarmelade (25 Euro), um nur eine Spezialität zu nennen, lässt erahnen, dass hier auf besonderem Niveau gekocht wird. Ist das köstlich! Morgen werde ich wohl oder übel ein paar Kilometer mit dem Rad gegen den Wind fahren müssen. Bei dieser ganzen Schlemmerei passe ich sonst am Ende meines Urlaubs nicht mehr in den Badeanzug.

Noch ein paar Tipps

Die Gemeinde St. Peter-Ording erhebt Kurtaxe, 3 Euro pro Tag und Person, und das Parken auf den Strandparkplätzen schlägt mit 6 Euro, pro Tag und PKW zu Buche. Fahrräder leihen könnt ihr direkt im Ort. Für ein Tourenrad zahlt ihr rund 7 Euro pro Tag und Person.

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