Verfasst von Maria Kapeller am 24.08.2015

Sommer in Madrid: Heiße Preise, warme Tapas, kühle Verstecke

Eigentlich reise ich gut gerüstet gegen den Einkaufswahn durch die Welt. Wer viel unterwegs ist, kann eben nicht überall auf Shoppingtour gehen – das würde ein Vermögen kosten. Aber in Madrid hat’s mich erwischt. Im Sommer sind in der spanischen Hauptstadt die großen Rebajas, die Abverkäufe. Jeder noch so kleine Shop wirbt dann mit massiv gesenkten Preisen.

Ich finde ja, die Spanierinnen haben einen außergewöhnlichen, eleganten und doch legeren Stil. Den kopiere ich jetzt ganz unverblümt. Die passenden Shirts, Sandalen und Accessoires finde ich in spanischen Kaufhausketten wie Sfera oder Stradivarius (Metro: Gran Via), die es bei uns nicht gibt. Und erst die Schuhe – in Madrid stolpert ihr gefühlt an jeder zweiten Straßenecke über einen Schuhshop. Besonders beliebt sind Espadrilles. Die leichten Stoff-Sommerschuhe mit der Sohle aus geknüpften Pflanzenfasern sind zum Beispiel im traditionellen Geschäft Casa Hernanz schon ab zehn Euro zu haben.

Abkühlung mit Stil: Auf ins Museum!

So schön die Madrider Altstadt ist, so heiß ist sie im Sommer. Die Shops sind ja gut gekühlt, aber draußen halten es in der Mittagssonne nicht mal die Einheimischen aus. Deshalb mache ich mich auf, zwei der berühmtesten Museen der Stadt zu besichtigen: das Nationalmuseum Prado (Metro: Banco de España) und das neu gebaute Museum der Königin Sofia (Metro: Atocha).

Wenn ihr durch die Gänge des Museo del Prado (Eintritt: 14 Euro) schreitet, fühlt ihr euch sofort in eine andere Zeit versetzt. Die überdimensionalen Gemälde an den dunkelrot und dunkelgrün gestrichenen Wänden stammen vor allem von Künstlern der Spanischen, Italienischen und Flämischen Schule. Im Museumsshop verfalle ich abermals dem Einkaufsrausch und erstehe einen Fächer, auf dem ein Teil eines Gemäldes abgedruckt ist.

Das Museo de la Reina Sofía (Eintritt: 8 Euro; inkl. Sonderausstellung: 18 Euro) steht vor allem für moderne Kunst, außerdem werden im Sommer auf der Dachterrasse Filme gezeigt. Es passiert mir mehr als einmal, dass ich mich in den langen Gängen und verwinkelten Räumen verirre. Beeindruckend ist vor allem das Gemälde Guernica von Pablo Picasso. Es misst drei mal vier Meter und zeigt kunstvoll die Wirren in der spanischen Stadt Guernica nach einem Luftangriff.

Glaspalast, Teich und Rosengarten im Park

Schutz vor der Sonne bietet neben den kühlen Museen auch der Lieblingspark der Madrileños, der Park El Retiro (Metro: Retiro). Weil er eigentlich für den Adel geschaffen wurde, wirkt er groß und elegant. Inmitten des Parks steht der Glaspalast, in dem ich gratis die aktuelle Wechselausstellung besuche. Im Teich rudern an heißen Tagen Dutzende Leute mit kleinen Booten durchs kühle Nass.

Und der Rosengarten ist auch im Sommer – wenn nur wenige Rosen blühen – hübsch anzuschauen. Gegen den frühen Abend wird es im Park noch lebhafter, dann nehmen ihn Läufer, Inlineskater und Radfahrer für sich ein.

Habsburger bauten einst Madrids Altstadt

Abends, wenn die Temperaturen langsam sinken, scheint es keinen einzigen Einheimischen zu geben, den es nicht nach draußen zieht. Die Bars besprühen dann die Terrassen mit kühlem Wasserdampf, die Besucher sitzen im Gastgarten und schlürfen Sommerwein (Tinto di Verano).

Ich nutze die Zeit für einen Spaziergang durch die Altstadt Los Austrias, dem imposanten Habsburgerviertel. Was ich bis dato nicht wusste: Die Habsburger regierten im 16. und 17. Jahrhundert die Iberische Halbinsel. Herzstück des Viertels ist der Plaza de Mayor. Aktuell werden zwar einige der Gebäude renoviert, aber allein die Größe des Platzes beeindruckt mich (Metro: Sol).

Tapas frisch vom Marktstand

Beim Reisen will ich immer so viel von der lokalen Küche wie möglich ausprobieren. Deshalb liebe ich die Tapas-Kultur in Spanien. Zuerst koste ich mich am Markt San Miguel durch. Er liegt zentral, zwischen der Metro-Station Opera und Sol. Natürlich ist er nicht ganz billig, aber auch hier gibt’s Tapas für rund einen Euro. Das fängt bei zig verschiedenen Käse-Tapas an, geht mit Meeresfrüchten weiter und endet bei gefüllten Teigtaschen mit Pilzen.

Hochburg der Tapas-Läden ist in Madrid das Viertel La Latina, einen Katzensprung vom berühmten Plaza de Mayor entfernt. Hier reiht sich eine Bar an die andere und ich komme – was das Verkosten von spanischen Snacks angeht – voll auf meine Kosten.

Der schönste Sonnenuntergang der Stadt

Ausgerüstet mit neuen Outfits und den Magen gut gefüllt mit Tapas mache ich mich am späten Abend dorthin auf, wo angeblich der schönste Sonnenuntergang Madrids zu bestaunen ist: in den Park Parque del Oeste (Metro: Plaza de España). Dort lädt nicht nur ein für Spanien erstaunlich grüner Rasen zum Liegen ein. Auch ein an diesem Ort auf den ersten Blick etwas deplatziert wirkendes Gebäude zieht mein Interesse auf sich: Der Tempel von Debod ist ein ägyptischer Tempel, der abgetragen und in Madrid wieder aufgebaut wurde (kostenlose Besichtigung tagsüber möglich).

Als sich die Sonne langsam hinter dem Horizont verabschiedet, wird klar, warum die Madrileños diesen Ort lieben. Einerseits die orangeglänzende Sonne, andererseits der mystisch anmutende Tempel. In der Finsternis strahlt er hell erleuchtet durch die Madrider Nacht, die noch lange nicht vorbei ist.

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