Verfasst von Maike Grunwald am 29.04.2015

Shopping, Schippern, Schlemmen, Staunen: Tipps für den perfekten Tag in Hamburg

Als echtes Hamburger Deern freue ich mich immer, wenn ich Freunden meine Stadt zeigen darf: ein idealer Anlass, um mal wieder am Jungfernstieg entlang zu schlendern, den Alsterschwänen „Moin!“ zu sagen und meine Lieblingsbilder in der Kunsthalle in neuem Licht zu sehen!

Start am Stephansplatz

Für das perfekte Hamburg-Wochenende hebe ich uns Elbe, Hafen und Övelgönne für den Sonntag auf und führe meinen Besuch am Samstag an die Binnenalster, wo auch die berühmtesten Geschäfte sind. Denn viele meiner Freundinnen wollen immer nur das Eine: shoppen! Ich selbst kaufe nur ungern ein, in Hamburg macht das aber nichts: Da die Hansestadt von Kaufleuten gestaltet wurde, gehen Shops und Sehenswürdigkeiten Hand in Hand – jeder kommt auf seine Kosten.

Zum Beispiel in den Colonnaden (U-Bahnhof Stephansplatz), wo ich meine Innenstadt-Tour gern beginne. Die Einkaufsstraße mit ihren prächtigen Gründerzeithäusern und den italienisch anmutenden Arkaden wurde um 1880 von Kaufleuten als Verbindung zum Jungfernstieg angelegt. Heute ist sie eine Fußgängerzone mit Straßencafés, Restaurants und edlen Fachgeschäften, die sogar Shopping-Muffel wie mich faszinieren.

Tropische Blumen und Menschenfressertomaten

Bevor wir zur Alster flanieren, machen wir einen Abstecher nach Planten un Blomen (Plattdeutsch für „Pflanzen und Blumen“), Hamburgs weltberühmten Botanischen Garten (ebenfalls U-Bahnhof Stephansplatz). Ich liebe es, durch die Wallanlagen zu schlendern. Bei Schietwetter („Mistwetter“) huschen wir ins Tropenhaus zu den Kakteenriesen, Baumfarnen aus Saurierzeiten, exotischen Blüten und tropischen Nutzpflanzen. Hier habe ich als Kind gelernt, wie Kakaopflanzen aussehen, und mich vor der „Menschenfressertomate“ gegruselt, die den Fidschi-Kannibalen als Beilage gedient haben sollen. Der Eintritt ist frei, das heißt: kein Anstehen. Romantisch sind die abendlichen Licht- und Wasserspiele am See (Mai bis August: 22 Uhr, September bis Anfang Oktober: 21 Uhr).

Matjes und Edle Pfeifen in den Colonnaden

In den historischen Colonnaden setzen wir uns dann in eins der vielen Straßencafés oder essen Matjesfilet nach Hausfrauenart im Kartoffelhaus (13,50 Euro). Dann bummeln wir die Arkaden entlang.

Beim Auktionshaus und Juwelier Edmund Arnold bewundern wir antike Silber-Teekannen und liebäugeln mit einem Art-Deco-Ring von 1920 – mit 1.700 Euro ein Schnäppchen. Vor „Pfeifen Tesch“, seit 1880 Hamburgs feinstes Tabakwarenfachgeschäft, bleiben auch Nichtraucher stehen. Kunden wie Helmut Schmidt und Peter Maffay schätzen das altehrwürdige Flair und die riesige Auswahl an Zigarren und Pfeifen, die schon mal 2.000 Euro kosten können. Schmuck- und Antiquitätenhändler, Boutiquen und Geschäfte für maßgeschneiderte Kleider oder Schuhe säumen die Straße. Mutige können sich beim Edel-Tätowierer Vaders.dye permanent verschönern. Mein Besuch zieht den Teekontor für einen Zwischenstopp vor.

Vom Jungfernstieg zum Rathaus

Dann stehen wir am Jungfernstieg. Den Blick auf die Binnenalster mit ihrer Fontäne, den Alsterdampfern, Möwen und Schwänen genießen wir bei einem Eis vom Wannecke-Kiosk auf einer der vielen Bänke, gespendet von der Reederei Blohm & Voss, oder bei Kaffee und Kuchen (Gedeck: 5 Euro) im legendären Alsterpavillon. Dann bummeln wir zu den historischen Alsterarkaden am Alsterfleet mit ihren Cafés und Geschäften. Sie entstanden nach dem Großen Brand von 1842, dem auch das alte Hamburger Rathaus zum Opfer fiel: Es wurde gesprengt, um das Feuer aufzuhalten. Das heutige Rathaus von 1897 gehört zu den prächtigsten Bauten der Stadt.

Das Innere des Rathauses beeindruckt mit Säulen, Reliefs, Gemälden, Glasfenstern und schweinsledernen Tapeten des Künstlers Georg Hulbe. Möglich ist die Besichtigung nur mit Führung (40 Minuten, 4 Euro) und nur, wenn der Senat oder die Bürgerschaft die Räume nicht nutzen. Immer und auch ohne Führung zugänglich ist der Innenhof mit seinen reich dekorierten Fassaden im Stil der norddeutschen und italienischen Renaissance und dem großen Hygieia-Brunnen.

Shops und Schwäne mit VIP-Status

Shopping-Fans stürmen das berühmte Alsterhaus, die Edel-Läden und Einkaufspassagen der Große Bleichen, das Hanse-Viertel, die Europa Passage, Mönckeberg- und Spitaler Straße. Ich sitze lieber am Alsterfleet und sehe den Schwänen zu. In Hamburg haben die stolzen Vögel, früher Statussymbol des Adels, seit Jahrhunderten eine besondere Bedeutung: Solange Schwäne auf der Alster sind, bleibt Hamburg eine freie und blühende Hansestadt, heißt es. Seit mehr als 400 Jahren stehen sie per Mandat unter Schutz und werden auf öffentliche Kosten betreut und gefüttert. Die älteste Behördenplanstelle der Stadt ist die des Schwanenvaters, der die Tiere alljährlich ins Winterquartier bringt: Seit 1674 gibt es das Amt. Die Vögel gucken, als würden sie ihren VIP-Status kennen.

Schön schippern wie damals

Eine Fahrt mit dem Alsterdampfer finde ich immer wieder schön. Je nach Zeit und Lust schippern wir vom Jungfernstieg in sechs Minuten für zwei Euro zum gediegenen Hotel Atlantic, der Residenz von Udo Lindenberg. Das liegt an der großen Außenalster, auf der sich die Segelschiffe tummeln. Von dort sind wir in fünf Gehminuten an der Kunsthalle. Noch romantischer ist eine Rundfahrt mit dem historischen Dampfer „St. Georg“ von 1876, Teil der weltweit ältesten Dampfschiff-Flotte. Die Runde vom Jungfernstieg über die Außenalster auf dem liebevoll restaurierten Schiff dauert 45 Minuten (12,50 Euro). Dann spazieren wir in zehn Minuten entlang der Binnenalster zur Kunsthalle.

Gemälde zum Träumen

So oder so: Die weltberühmten Werke der Hamburger Kunsthalle solltet ihr euch nicht entgehen lassen. Während der Sanierung des historischen Gebäudes (bis Frühjahr 2016) könnt ihr die Highlights sogar in Rekordzeit sehen: „SPOT ON – Meisterwerke der Hamburger Kunsthalle“ heißt die Ausstellung im Sockel der Galerie der Gegenwart gleich nebenan (Eintritt: 8 Euro). Auf kleinstem Raum sind dort Bilder von Weltrang aus sieben Jahrhunderten versammelt: Sakrale Malerei der Alten Meister wie Meister Francke, Rembrandt und Rubens, Bilder von Caspar David Friedrich, Max Liebermann, Manet, Monet, Rodin und Philipp Otto Runge, Werke von Lovis Corinth, Max Ernst, Paul Klee, Pablo Picasso und vielen mehr. In einer halben Stunde ist das machbar. Ich staune über die Wirkung der Spotlight-Beleuchtung auf eins meiner Lieblingsbilder, „Wanderer über dem Nebelmeer“ von Caspar David Friedrich. Allein schon, um das zu sehen, lohnt sich ein Besuch in Hamburg.

Zum Schluss Dim Sum

Wenn ihr gern chinesisch essen geht, empfehle ich zum Abschluss das „Dim Sum Haus Restaurant ‘China’“ in der Kirchenalle 37, fünf Gehminuten von der Kunsthalle. Hamburger und Hongkonger, traditionell durch den Hafen vereint, lieben das 1964 eröffnete Restaurant, das inzwischen in dritter Generation kantonesische Gerichte (um 12 Euro) sowie eine große Auswahl an „Dim Sum“ (um 5 Euro) serviert.

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