Verfasst von Oliver Zwahlen am 28.11.2015

Schweizer Museen: Drei Vorschläge für eine Rundreise an Regentagen

Behutsam tauche ich den Schöpfrahmen in den Bottich. Die milchige Brühe schwappt sofort über das Holz und lässt das feine Netz verschwinden. Langsam hebe ich das Ganze wieder hoch und warte, bis das Wasser durch das Sieb abgetropft ist. Im nächsten Schritt muss ich nun den Rahmen entfernen und das Sieb fest gegen einen Filz drücken, so wurde mir das erklärt. Auf dem Blatt zeichnet sich die Kontur eines Basler Stabs ab. Soeben habe zum ersten Mal selber ein Papier mit Wasserzeichen hergestellt.

Die Basler Papiermühle

Ich befinde mich in der Basler Papiermühle. Hier, in diesem historischen Haus wird seit dem Mittelalter Papier hergestellt. Früher wurden die hochwertigen Produkte nach ganz Europa verkauft. Heute sind es Schulklassen und Touristen, welche die traditionellen Fertigungstechniken ausprobieren wollen.

Etwas überraschend hatte ich über das Wochenende Besuch aus Fernost erhalten. Nun galt es, meinen Gästen die Schweiz zeigen. Das regnerische Herbstwetter erlaubte indes nur eines: eine Tour durch die Museen der Schweiz. Die Auswahl ist riesig: Der Verband der Museen der Schweiz zählt 1146 Museen im ganzen Land. Damit hat die Eidgenossenschaft eine der weltweit höchsten Museumsdichten.

Wir gehen die Treppe hoch und kommen in eine klassische Schreibstube. Hier erfahren wir, dass ein vor Hand kopiertes Buch einst fast so viel wert war wie ein ganzes Haus. Wie wichtig die Erfindung des Buchdrucks bei der Verbreitung von Wissen war, lässt sich so leicht erahnen.

Nur wenige Meter von der Papiermühle stehen Überreste der Stadtmauer, die in Richtung Spalentor weisen, einem von drei noch vorhandenen Stadttore. Am anderen Ende liegt gleich die Anlegestelle der Rheinfähre – eine traditionelle Art, den Fluss zu überqueren. Nur wenige Schritte sind es von hier zum Traditionsrestaurant Gasthof zum Goldenen Stern mit seiner leckeren Schweizer Küche. Das älteste Restaurant der Stadt wurde 1349 zum ersten Mal urkundlich erwähnt und besticht beispielsweise mit seinen Flusskrebsen (48 Franken/40 Euro).

Adresse: Basler Papiermühle, Sankt Alban-Tal 37, 4052 Basel
Öffnungszeiten: Di bis So 11 bis 17 Uhr; Sa 13 bis 17 Uhr; Montag geschlossen
Eintritt: 15 Franken (12 Euro)

Das Verkehrshaus in Luzern

Den Nachmittag verbringen wir in Luzern. Rund eine Stunde dauert die Zugfahrt von Basel nach Luzern, danach geht’s mit dem Bus weiter vorbei an der bekannten Kapellbrücke und dem wolkenverdeckten Alpenpanorama zum Verkehrshaus.

Als kleiner Junge war dieser Ort das Ziel all meiner Träume: Flugzeuge, Dampfloks und Unterseeboote haben mich besonders interessiert und all das gibt es hier. Mit meiner Begeisterung muss ich meine Eltern wohl ziemlich genervt haben. Ich bin aber nicht der Einzige, der sich für Verkehrsmittel interessiert: Das Verkehrshaus ist nämlich das Museum mit den schweizweit meisten Besuchern. Es ist daher sinnvoll, Wochenenden zu vermeiden.

Wir machen uns auf den Weg, die Ausstellung zu erkunden. Zuerst geht es vorbei an alten Lokomotiven. Besonders eindrücklich ist, unter einem dieser Dampfrösser durchzugehen. Bereits hier kann jeder, der sich für Technik interessiert, die Zeit vergessen. Ich stelle mich im Eisenbahnsimulator an den Führerpult und fahre die Gotthardrampe hoch. Immer wieder kommen mir schwere Güterzüge entgegen. Meine Gäste sind von der Bergwelt begeistert. Lange können wir nicht bleiben, schließlich wartet ein paar Hallen weiter ein eindrücklicher Rundflug im Helikoptersimulator auf uns.

Adresse: Verkehrshaus der Schweiz, Lidostrasse 5, 6006 Luzern
Öffnungszeiten: Täglich von 10 bis 17 (Winterzeit) bzw. 18 Uhr (Sommerzeit) Eintritt: 30 Franken (25 Euro)

Das Landesmuseum Zürich

Am folgenden Tag geht es nach Zürich. Meine Gäste wollen etwas über die Geschichte der Schweiz erfahren. Welcher Ort würde sich dafür besser eignen als das Landesmuseum, das größte historische Museum der Schweiz? Allein schon wegen des Gebäudes, das mich an die Zauberschule Hogwarts aus den Harry Potter Romanen erinnert, lohnt sich der Besuch.

Durch die ersten Hallen gehen wir schnell hindurch. Sie zeigen die Besiedlungsgeschichte, erzählen davon, wie wichtig die Religion für die Menschen jener Zeit war. Was ich meinen Besuchern zeigen will, ist jedoch etwas anderes: die Entwicklung von Wohnstuben während der letzten Jahrhunderte.

Wir treten in den ersten Raum ein. Der Duft vom Holz liegt schwer in der Luft, und düster ist es, nur der weiße Kachelofen neben dem Ausgang leuchtet. So haben also die wohlhabenderen Menschen im Mittelalter gelebt? Ein paar Schritte weiter und wir sind in schon in einer Stube aus den 1960er-Jahren. Ein alter Röhrenfernseher, Sofas mit Samtüberzug. Erinnerungen an Jugendfotos meiner Eltern und die Fernseh-Serie „Mad Men“ kommen hoch.

Von hier aus geht es hoch zum Waffenturm. Ritterrüstungen und Gewehre säumen den Weg. Die Schweizer waren einst gefürchtete Söldner – worauf viele Eidgenossen noch heute stolz sind.

Der Rundgang macht durstig. Zum Glück befindet sich die Zürcher Ausgeh-Meile, das Niederdörfli, ganz in der Nähe. Hier lassen wir das Wochenende ganz Schweizerisch ausklingen: Mit einem Rivella, dem bekanntesten Softdrink der Schweiz.

Adresse: Landesmuseum Zürich, Museumstrasse 2, 8021 Zürich
Öffnungszeiten: Di bis So 10 bis 17 Uhr; Do 10 bis 19 Uhr; Montag geschlossen
Eintritt: 10 Franken (8 Euro)

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