Verfasst von Katja Wegener am 23.03.2017

Sardische Genussreise “oben ohne”

Kindheitserinnerungen schleichen sich umgehend in meinen Kopf, wenn ich an weiße Sandstrände, die von türkisblauem, glitzerndem Meer gesäumt werden, denke. Mein Traum wird wahr, als es entlang bizarrer Küsten, schlummernder Olivenhaine, imposanter Granitfelsen und mystischer Orte geht. Übertroffen wird mein Gefühl von genussvoller Freiheit nur durch den sanften Fahrtwind im offenen Cabrio. Hinter jeder Ecke versteckt sich ein weiterer “Wow”-Ausblick auf die Landschaft neben den Küstenstraßen. Manchmal erfordert die Fahrt auch etwas Mut, so steil reichen links von mir die Felsen ins Meer hinab und auch die Fahrweise der einheimischen Sarden ist teilweise sehr gewöhnungsbedürftig. Einmal hupen bedeutet offensichtlich: Achtung, hier komme ich und habe immer Vorfahrt.

Stadtbummel mit historischem Flair

Vorab aber erkunde ich Cagliari – Sardiniens Hauptstadt. Ein Bummel unter den Arkadenbögen der Via Roma im Hafenviertel verzaubert mit italienischem Flair, dass sich besonders nachts in reges Leben verwandelt.

Ich biege nach rechts oben in die Altstadt ein. Genieße auf der Piazza Costituzione im traditionsreichen Caffé Genoveses die ganz besonders schaumige Crema auf meinem Cappuccino, bevor ich meinen Weg hinauf auf die weiß strahlende Bastione San Remy fortsetze. Ausblick über die ganze Stadt und den Hafen gefällig? Hier oben kann ich mich kaum satt sehen. Schade nur, dass heute nicht Sonntag ist. Denn dann findet hier oben ein Flohmarkt statt. Mit etwas Glück lässt sich hier das ein oder andere Schnäppchen ergattern. Neben der sonnigen Bastion bietet der Botanische Garten Schatten, der ebenfalls ohne Eintrittsgebühren zugänglich ist. Ein echtes Muss, wie auch die Markthalle in der mir neben Fisch auch Froschschenkel angeboten werden. Ob ich das mag?

Oben ohne geht´s weiter

Meine “Oben-ohne”-Tour führt mich von der Landeshauptstadt Cagliari entlang der südöstlichen Küste an schier unendlich langen, weißen Sandstränden der Costa Rei vorbei. Trotz kleiner Ferienhaussiedlungen ist die Region – besonders in der Nebensaison – nach wie vor sehr ruhig und naturbelassen.

Ein leckeres sardisches Mittagessen im Restaurant Stella d’Òro mitten im aufstrebenden Örtchen Villasimius ist zwar nicht günstig, doch Pasta und Fisch schmecken in dieser familiären Atmosphäre wunderbar – gespeist wird draußen im Hof, auf dem der kleine Springbrunnen plätschert.

Auch wenn meine Tour abseits der Staatsstraße SS131, die autobahnähnlich den Norden mit dem Süden Sardiniens verbindet, wesentlich länger dauert: Sie ist auch deutlich schöner und führt mich über kurvige Pfade in wunderschöne Gebirgsregionen. Eine Kuh mitten auf der Straße ist hier übrigens keine Seltenheit.

Regelmäßig ragen die Wahrzeichen Sardiniens in der Landschaft auf. Nuraghentürme aus der Zeit 1800 v.Chr. Damals vermutlich zu Verteidungszwecken errichtet – gesichert ist ihre Bedeutung noch immer nicht –, sind die Türme heute einfach imposant. Dank der meterdicken Mauern freue ich mich über ein kühles Plätzchen in einer solchen Trutzburg.

Tipp: In Cagliari erhalten Sie im Museo delle Torri e die Castelli Sardi spannende Informationen über die Erbauer, Funktion und Geschichte der interessanten Wehrtürme. Geöffnet ist Di. bis So. jeweils von 10:30 bis 13 und 17 bis 20:30 Uhr. Alternativ gibt es auch im Landesinneren, Nahe Barumini, die Nuraghenfestung Su Nuraxi. Das UNESCO-Weltkulturerbe ist täglich geöffnet.

Vorbei komme ich dort leider nicht. Meine Cabrio-Tour führt mich hoch in den Norden, entlang der wohl schönsten Küste der Insel, der Costa Smeralda. Auch wenn ich keine Lust auf Luxus habe: Möglichkeiten, diesen hier in den entsprechenden Resorts zu genießen, gibt es hier zuhauf.

Ein Bär über der Insel

Mich hingegen zieht es weiter nach Palau, einem alten Fischerdörfchen, dessen Wahrzeichen die berühmte Felsformation Capo d’Órso (Bärenfelsen) ist. Spannend zu sehen, was die Natur mit Hilfe von Wind und Wasser über die Jahre so geformt hat. Früher diente der Bär den Seeleuten auf der Straße von Bonifacio auf der Fahrt nach Korsika zur Orientierung. Heute genieße ich den grandiosen Ausblick, den man über die Nordküste Sardiniens und das Maddalena-Archipel hat. Die Sicht ist gut und so kann ich einen Blick auf die Südspitze des französischen Korsikas erhaschen.

Um den 122 m hohen steinernen Bären zu besuchen, folge ich einfach ab Palau der Beschilderung Richtung Capo d’Órso bzw. Roccia dell’ Orso. Ein ausgebauter und gepflasterter Fußweg führt über lose geschwungene Windungen, durch eine von Olivenbäumen, Steineichen und Zistrosen geprägte Vegetation bis hoch zum Bärenfelsen. Viel Kondition ist für die 500 m nicht erforderlich. Der Zugang zum Roccia dell’ Orso ist vom 1. April bis 31. Oktober täglich von 9 Uhr bis Sonnenuntergang geöffnet. Eintritt: 2 Euro, Kinder 1 Euro.

Azurblaues Wasser, skurrile Felsformationen und das Gefühl, es könnten auch die Seychellen sein, auf denen ich mich gerade befinde: Einzig die fehlenden Kokospalmen lassen mir schnell klar werden, ich befinde mich in Europa. Auch wenn ich hier auf Sardinien auf einem ganz eigenen, kleinen Kontinent auf Entdeckungsreise bin. Ein echtes Bilderbuch der Gegensätze darf ich hier erleben. Da verwundert es mich nicht, dass dieses Eiland bereits die Phönizier, Römer und Spanier mit seiner vielfältigen Schönheit verführt hat.

Bunte Lebensräume auf dem Archipel La Maddalena

Ein Tagesausflug zum Nationalpark von La Maddalena übt eine magische Anziehung auf mich aus. Da ich weder ein eigenes Boot besitze noch einen entsprechenden Führerschein, buche ich mich im Hafen von Palau auf einem kleinen Fischerboot ein. Verführerisch duftet es nach einer Mischung aus immergrüner Mittelmeer-Macchia und klarem Salzwasser. Im schier unendlichen Blau des Meeres tummeln sich zahlreiche Delfine, Barsche, Seesterne, Korallen und viele andere bunte Lebewesen. Doch auch Gefahren bietet das schützenswerte Gebiet. Inselartig ragen Granitspitzen aus dem Wasser und versperren die Zufahrt zu traumhaften Sandbuchten. Ich bin froh, hier nicht selbst zu steuern, sondern einfach nur zu genießen.

Wandern ganz im Norden um den Leuchtturm

Ganz im Norden, genauer gesagt an der nördlichsten Spitze der Insel, dem Capo Testa, führt mich eine entspannte Wanderung von Bucht zu Bucht. Ausgangspunkt ist die schmale Landenge vor der Halbinsel bei Santa Teresa di Gallura. Hier parke ich mein Cabrio und folge der geteerten Straße bis vor mir der Leuchtturm weiß in den Himmel ragt. Nach gut 6 km, 4 Stunden genussvollem Wandern und der Faszination von 10 Buchten mit strahlend weißem Sand, eingerahmt von ausgewaschenen, bizarren und wild übereinander liegenden Granitfelsen, erreiche ich wieder meinen Ausgangspunkt. Warum das so lange dauert? Ganz einfach, trotz weniger Griffe laden die rauen und nicht rutschigen Felsen zum Klettern und Verweilen ein. Auch wenn mein Proviant-Rucksack leer ist, benötigt hätte ich ihn nicht. Entlang der Küste bieten kleine Bars den Touristen nicht nur Meerblick, sondern auch Cappuccino und kleine Snacks.

Für den Sonnenuntergang habe ich mir den wohl schönsten Aussichtspunkt vor dem Leuchtturm gesucht und träume noch ein bisschen von meiner Kindheit auf Sardinien.

2 Wochen Urlaub – und dann…

Knapp 14 Tage Zeit habe ich mir für diese entspannte Cabrio-Tour vom südlichen Cagliari bis in den luxuriösen Norden an der Costa Smeralda genommen. Einzelne Hotels hatte ich bereits vor Reiseantritt gebucht – wie das Hotel Collona Park, direkt in Porto Cervo. Andere Übernachtungsmöglichkeiten habe ich einfach vor Ort angefragt. Gerade in der Nebensaison stellt das überhaupt kein Problem dar. Besonders zu empfehlen sind hier die ganz ursprünglichen und familiären Agritourismos. Oftmals werden hier bei laufendem landwirtschaftlichem Betrieb Zimmer oder Appartements vermietet. Gegessen wird oftmals mit der gesamten Familie. So lerne ich Land und Leute ganz besonders gerne kennen. Doch auch das klassische Hotel, besonders an der Costa Smeralda, hat wirklich seinen Charme.

Ob mit dem Auto inklusive Fährverbindung von München in knapp 7 Stunden oder aus Hamburg per Flieger in 4 Stunden: die zweitgrößte italienische Insel befindet sich nur einen Katzensprung entfernt von Deutschland und ist doch ein kleines Paradies, weit weg vom Alltag. Wie auch immer die Anreise stattfindet, mit einem Auto – am besten einem Cabrio – lassen sich die Schönheiten der Insel erst richtig erkunden.

Tipp: Campen an Deck! Während der Sommermonate lässt sich die Überfahrt auf die Insel im eigenen Camper auch an Deck genießen. Auf einer Art Frachtfähre, die über Moby Line buchbar ist, erhalten Camper einen speziellen Platz zugewiesen. Kochen ist während der Überfahrt zwar nicht gestattet, aber der ungehinderte Ausblick auf das stahlblaue Meer vertreibt ohnehin jedes Hungergefühl.

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