Verfasst von Claudia Ottilie am 9.06.2015

Roadtrip um Schottlands größte Insel

Für mich ist Schottland mehr als Schottenrock und Whiskey. Die Äußeren Hebriden sind mir besonders ans Herz gewachsen. In flotten vier Tagen wollen wir die Doppelinsel Lewis & Harris mit dem Mietwagen umrunden. In Ullapool nehmen wir die Fähre zur Inselhauptstadt Stornoway für 182 Euro (hin und zurück), wo wir die gelbe Fischer-Statue im Hafen grüßen und die farbenfrohen Fassaden der kleinen Stadt bewundern. Danach gönnen wir uns im Café der Stadtbibliothek ein Cheese Panini und ein Club Sandwich für 12 Euro.

Wenig besuchte Steinkreise

Wir fahren auf einem einspurigen, sogenannten Single Track durchs baumlose und flache Inselinnere von Ost nach West und manövrieren immer wieder um die Schafe, die am Straßenrand sitzen und seelenruhig an den Heidebüschen knabbern. Unser Ziel sind jedoch die Standing Stones von Callanish. Diese Steine können locker mit denen in Stonehenge konkurrieren. Keine Busladungen voller Menschen, keine Kopfhörersets, kein Eintritt – zu jeder Tages- und Nachtzeit könnten wir durchs Gatter laufen und uns zwischen die uralten Megalithen setzen. Wir sind zu fünft an diesem Nachmittag und lassen die alte Kultstätte auf uns wirken. Stundenlang könnte ich zusehen, wie die Glimmerteilchen der Granitblöcke in der Sonne funkeln.

Von unsererUnterkunft auf der Ostseite aus nehmen wir am kommenden Tag die Küstenstraße nach Norden. Heide- und Moorlandschaft sind nicht nur zu sehen, sondern auch zu riechen. Die Insulaner heizen mit Torf. Ab Tolsta geht es nur noch einspurig weiter, mit Aussicht auf goldgelbe Strände, bevor an der schmalen Carry Bridge die Straße endet. Wir spazieren zum Strand und stecken die Füße in den kühlenden Sand der Tolsta Beach. Die Ebbe hat muschelüberwachsene Findlinge und Felsnadeln freigelegt, der perfekte Szenerie für einen Strandspaziergang.

Am Butt – die nördlichste Inselspitze

Nach der erholsamen Pause düsen wir die Küstenstraße wieder gen Süden, um auf die Westseite der Insel zu gelangen. Am Butt of Lewis endet die Straße erneut nach einer Stunde Fahrt. Der kleine Leuchtturm am nördlichsten Punkt der Äußeren Hebriden dient uns als Orientierungspunkt, als wir an den stürmischen Klippen zwei Stunden entlangwandern und die tosenden Wellen des Atlantiks beobachten.

Leicht verfroren finden wir im 10 Minuten entfernten Ort Cross die Old Barn Bar. Am Torf-Kamin des unscheinbaren Schuppens lassen wir uns für 20 Euro eine unschottische Pizza schmecken und lauschen dem Akzent der einheimischen Männer am Tresen.

Alte Steinhäuser wie vor 150 Jahren

Am dritten Tag unserer Inseltour orientieren wir uns Richtung Halbinsel Uig im Westen. Nach einem Cappuccino mit Lemon Cake für 9,50 Euro zum Frühstück in der HS-1 Cafe Bar in Stornoway geht es direkt nach Gearrannan für echte Inselkultur.

Nach 45 Minuten Fahrt erreichen wir die Blackhouse-Siedlung mit den typischen Bauerngehöften der Hebriden, in denen die Insulaner bis ins späte 19. Jahrhundert lebten. Die reetgedeckten Steinhäuser von Gearrannan liegen in einer kleinen Senke und werden von einer türkisfarbenen Bucht und einem kleinen Berghang begrenzt. Wir besichtigen zwei der Häuser, die als Museum dienen, und bekommenfür 3 Pfund Eintritt den Lebensstil einer Bauernfamilie vorgeführt, wie beispielsweise das Weben von Tweed.

Auf zum König von Uig!

An der Tankstelle von Ardroil holen wir uns den Mittagssnack – Sandwiches und Obst – und tuckern zu einem kleinen Museum neben der Dorfschule. Am Eingang begrüßt uns eine riesige hölzerne Schachfigur. So falsch können wir nicht sein, denn wir suchen die Lewis Chessmen, mit denen schon Harry Potter Schach in „Der Stein der Weisen“ spielte.

78 aus Elfenbein geschnitzte Schachfiguren mit den Zügen wilder Nordmänner wurden nämlich 1831 hier an einem Strand gefunden. Natürlich sind die Figuren selbst im Museum, aber die Lewiser haben dem Fund zwei Denkmäler gesetzt. Die freundlichen Museumsinhaber weisen uns den Weg zum König: Single Track, Brücken, Dünen. Nur wenige Minuten später parken wir direkt neben der ca. 2,30 Meter hohen Holzfigur. Der König schaut erhaben auf Wiesen und Highland Cattle, seinen Rücken schützt eine Düne. In seinem Schatten halten wir unser Mittagspicknick ab und fahren dann entspannt weiter südwärts.

Harris – der bergige Süden der Doppelinsel

Über einen nebligen, hohen Bergpass kommen wir in einen ganz anderen Winkel der Insel, nach Harris. Mondlandschaf ist mein erster Gedanke. Zur Unterkunft an der Finsbay sind es nur 13 Meilen vom Hauptort Tarbert aus, in dem ich das Nationalgericht Haggis in der Hebrides Hotel Bar für 10,95 Pfund zum frühen Abendessen hatte. Statt der bekannten Golden Route zu folgen, biegen wir auf eine Nebenstraße ab. Auf der einspurigen Straße fahren wir im Slalom um zahlreiche Felsen, sumpfiges Heidemoor und jede Menge Schafe. Wenige, bunt verstreute Cottages sehen wir, Fischerboote schaukeln einsam auf den Lochs. In den Tümpeln und Buchten spiegeln sich die rot angestrahlten Wolken der untergehenden Sonne.

Am nächsten Tag umrunden wir das kleine Harris mit all seinen Fjorden auf der einzigen Küstenstraße von Süden her im Uhrzeigersinn in ganzen vier Stunden. Tarbert ist so niedlich und klein, wir haben es in 20 Minuten angesehen. Der Ausblick oberhalb des Ortes auf die auslaufende, überragende Fähre nach Skye ist nicht zu verachten. Als wir am späten Nachmittag an die Strände der Westküste zurückkehren, stoppen wir außerhalb von Brove am Strand. Im kühlen Dünengras liegend lauschen wir dem Atlantik. Er raunt uns zu, dass wir noch ein paar Tage bleiben sollen…

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