Verfasst von Jana Zieseniß am 26.02.2015

Rio von oben – die schönsten Aussichten der Millionenmetropole

Langsam setze ich einen Fuß vor den anderen. Wandern bei 35 Grad verlangt dem Körper einiges ab. Doch ich will mir den Ausblick verdienen, den Ausblick auf eine der schönsten und fotogensten Metropolen der Welt, Rio de Janeiro. Jeder Schritt führt mich tiefer in den Dschungel hinein und bringt mich meinem Ziel näher: dem berühmten Zuckerhut.

Kaum zu glauben, dass ich noch vor wenigen Minuten mitten im Großstadtrubel losgegangen bin. Jetzt ist um mich herum nur noch dichtes Grün. Natürlich könnte ich auch mit der Seilbahn auf den 396 Meter hohen Gipfel gelangen, aber irgendwie ist es doch so wie mit vielen Dingen im Leben: Man kann sie nur wirklich genießen, wenn man sie sich selbst erarbeitet hat.

Zu Fuß auf den Zuckerhut

Der Zuckerhut liegt im Stadtteil Urca und lässt sich per Bus erreichen. Überhaupt sind Busse in Rio das beste und günstigste Fortbewegungsmittel. 3,50 Brasilianische Real (BRL, rund ein Euro) kostet eine Fahrt. Es gibt zwar eine Metro, allerdings nur mit zwei Linien, so dass der größte Teil der Stadt tatsächlich nur per Bus oder Taxi erreichbar ist.

Die Busse halten unweit von der Seilbahnstation entfernt, in der ich mir zunächst ein Ticket besorgen muss. Denn bis auf den Gipfel gelangen nur geübte Kletterer. Auf den Morro da Urca dagegen, auf dem auch die Mittelstation der Seilbahn liegt, kann jeder wandern, der einigermaßen gut zu Fußist und Lust auf ein kleines Rio-Abenteuer hat. Ein wenig ärgert es mich, dass ich trotzdem den vollen Preis bezahlen muss, auch wenn ich einen Teil der Strecke laufe. Denn die Fahrt mit der Seilbahn, die bereits 1912 von einem deutschen Architekten gebaut wurde, ist keine günstige Angelegenheit: 62 BRL, also umgerechnet gut 20 Euro, werden für die kurze Fahrt bis zur Spitze und zurück fällig.

Nach circa einer Stunde erreiche ich den Urca-Gipfel, der allerdings nur ein kleiner Vorgeschmack auf das ist, was mich später auf dem Zuckerhut erwartet. An der Mittelstation stelle ich mich in die Schlange der Seilbahn, die mich in nur wenigen Minuten den steilen Berg hinauf bringt. Oben angekommen, schlägt mir angenehm kühle Luft entgegen. Die fantastische Aussicht lässt alle Mühen schnell vergessen.

Für mich ist und bleibt Rio die Stadt der unglaublichen Ausblicke. Das merke ich vor allem jetzt, wo sie mir zu Füßen liegt. Von allen Seiten ist Rio umringt von bis zu 1.000 Meter hohen Bergen. Auf einem der berühmtesten befinde ich mich gerade. Doch der wahre Star in der Manege ist und bleibt wohl aber der Corcovado mit seiner 38 Meter hohen Christusstatue, die zu den sieben Weltwundern der Neuzeit zählt.

Das Weltwunder hautnah

Natürlich kann ich nicht in Rio gewesen sein, ohne den Cristo Redentor (Christus, der Erlöser) aus nächster Nähe gesehen zu haben. Nachdem ich mich von meinem Zuckerhutabenteuer erholt habe, bin ich erneut per Bus unterwegs zum Fuße des Berges, von dem eine Zahnradbahn (Kostenpunkt: ebenfalls 62 BRL) gemütlich durch die Tijuca-Wälder auf die über 700 Meter hohe Spitze tuckert. Fast jeder Rio-Besucher macht sich wenigstens einmal auf den Weg dorthin. Um die Menschenmassen auf dem Corcovado weitestgehend zu vermeiden, habe ich mich erst am Spätnachmittag auf den Weg gemacht. Da sind die Bahnen und der Gipfel nicht mehr so überfüllt wie am Tag. Außerdem taucht die Stadt die Nachmittagssonne in ein goldenes, warmes Licht.

Natürlich bin ich im Bus trotzdem nicht die einzige Touristin mit diesem Ziel. Und so weist uns der Busfahrer ganz freundlich darauf hin, als wir die entsprechende Station erreichen. Überhaupt haben sich die Brasilianer ihren Ruf als freundlichste Nation redlich verdient. Ob im Bus oder an der Haltestelle: Jeder hilft mir mit Händen und Füßen weiter, auch wenn ich kein Wort Portugiesisch kann.

Geheimtipp: Die schönste Aussicht auf Ipanema

Eins merke ich in Rio ziemlich schnell: Brasilien ist nicht so günstig wie man denkt und Rio setzt dem Ganzen – nicht erst seit der Fußballweltmeisterschaft – die Krone auf. Für alle Sparfüchse unter euch habe ich deshalb noch einen kleinen Geheimtipp, der garantiert in keinem Reiseführer steht: Zwischen den beiden Traumstränden Copacabana und Ipanema gibt es einen kleinen Hügel, der einem den schönsten Ausblick auf die Küste Rios beschert. Hier kann ich in Ruhe Fotos machen, ohne andere Touristen auf dem Bild zu haben, und die Aussicht ganz für mich alleine genießen. Und das völlig kostenlos.

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