Verfasst von Dirk Lehmann am 11.11.2014

Reise ins Zwischenreich

Krch. Krch. Krch. Die Ketten schlörren über den Boden, mit jedem Schritt, den die jungen Männer tun, wiederholt sich das Geräusch. Krch. Noch ein Schritt. Krch. Es ist ein langsames Schreiten, denn die Ketten zerren schwer an den Gelenken nackter Füße. Ansonsten ist von den Männern nicht viel zu erkennen. Sie tragen bodenlange, weiße Kutten, Kopf und Gesicht bedeckende weiße Kapuzen mit nur zwei Augenlöchern, und in den Händen halten sie Lanzen, auf deren Spitzen Kerzen leuchten. Was aussieht wie ein Aufmarsch von Mitgliedern des Ku-Klux-Klans, ist eines der wichtigsten Kirchenfeste auf Malta – die Osterprozession in Mosta.

Jesus hat die Brust rasiert

Der Kellner im Hotel erzählte beim Frühstück davon, dass wir uns das Fest unbedingt ansehen müssen. Und als wir nach Mosta kommen, sind wir überwältigt, wie viele Menschen den eigentlich kleinen Ort bevölkern. Sie drängen sich um die Straße, die vom Platz vor der Rotunda Santa Marija Assunta ausgeht, die Himmelfahrts-Kirche überragt mit ihrer mächtigen Kuppel die Stadt. An einigen Abschnitten wurden sogar Tribünen errichtet, dicht an dicht reihen sich die Zuschauer. Und dann beginnt die Prozession, in Weiß gekleidete Büßer tragen Kreuze, Fahnen, Votivtafeln, Skulpturen, die Lämmer darstellen, Engel, Maria und einen Jesus wie ein Model – rasierte Brust, Sixpack, muskelbepackte Arme.

Malta ist eine Welt zwischen den Welten, die Inselgruppe liegt zwischen Europa und Afrika – und zwar in jeglicher Hinsicht: kulturell, klimatisch und kulinarisch. Als wir mit dem Flugzeug einschweben, sehen wir die Großstadt Valletta, die sich wie ein Farbklecks in das hellbraune, von der Sonne ausgedörrte Land ausstreckt. Wüstenland. Als wir das Flugzeug verlassen, weht uns trockene Hitze entgegen, und wir, die wir aus dem aprilkalten Hamburg ankommen, knüpfen die Jacken auf. Als wir mit dem Mietwagen die Insel zu erkunden beginnen, genießen wir eine Küche, die arabisch ist und britisch. Das liest sich strange, schmeckt aber toll. Und während der Osterfeiertage erleben wir vor allem, wie gläubig man hier ist. Überraschend viele junge Leute beteiligen sich an der Prozession von Mosta – als Teilnehmer und als Zuschauer.

Die Auswanderer vermissen Schnee und Staus

Wir lassen das Schleifen der Ketten hinter uns und machen uns auf nach Gozo. Die Nachbarinsel ist die kleine Schwester Maltas und eine etwa halbstündige Fahrt mit der Fähre entfernt. Über windungsreiche Straßen geht es durch karges Hügelland nach Marsalforn. In dem Städtchen, das in der Nebensaison verschlafen daliegt, bieten diverse Tauchschulen ihre Kurse an. Die von extrem klarem Wasser umgebene Insel gilt als eines der besten Tauchreviere im Mittelmeer. Wir lassen uns von Heike und Thomas, zwei Deutsche, die vor 20 Jahren hierher ausgewandert sind, mitnehmen auf einen Ausflug in die Unterwasserwelt. Zwar scheint die Sonne, die Luft schmeckt wie an einem Frühsommertag am Strand, doch das Meer ist aufgewühlt. Die Sicht eher mäßig. Wir gleiten durch Kelpwälder, Fische beäugen uns.

Später sitzen wir im Café am Hafen von Marsalforn noch mit den beiden zusammen, sprechen über ihr neues Leben am Meer. Darüber, wie schwer es anfangs war, hier Fuß zu fassen. Über das, was sie manchmal vermissen – Schnee, Schwarzbrot oder einen Stau. Und wir lachen über das Leben, das einem so viel Glück bescheren kann, und dann kann man es doch nicht ganz zulassen.

Karibisch-Blau in der Golden Bay

Den nächsten Nachmittag verbringen wir an der Golden Bay. Sie gilt als einer der schönsten Strände Maltas. Der Sand hat einen Bronze-Ton, das Wasser ist fast ein karibisches Blau, eine ruhige Bucht, eingefasst zwischen Felsen. Nur wenige andere Besucher liegen hier. Wir genießen die Ruhe eines wundervollen Tages. Leise plätschert das Meer gegen den Strand und rieselt durch die Steine unterhalb des Steges, auf dem eine Pinte auf Besucher wartet. Krch. Krch. So klingt das Geräusch des durch die Felsen sich zurückziehenden Wassers. Und dazu dösen wir träge weg. Krch. Danke, Malta.

Unsere 5 Tipps für Malta:

Mosta. Während der Ostertage ist der Besuch der Stadt im Nordwesten der Insel ein Muss. Aber auch außerhalb der Feiertage ist die Rotunda Santa Marija Assunta sehenswert.

Valletta. Die Stadt beziehungsweise das Stadtgebiet ist einen eigenen Reisetipp wert. Uns hat besonders der etwas abseits gelegene Nordosten gefallen, an der St. Elmo-Bucht. Nicht so überlaufen, nette Cafés, einfache Restaurants, faire Preise.

Golden Bay. Der Strand im Nordwesten der Insel ist auch per Bus erreichbar. Besonders am späteren Nachmittag, wenn die Sonne in die Bucht scheint, entfaltet Golden Bay ihren Zauber.

Gozo. Als Reise in der Reise erlebt man den Trip nach Gozo. Die kleine Insel hat sich viel Ursprünglichkeit bewahrt, die Strände von Xwejni Bay und Xlendi sind hübsch, diverse Tauchschulen bieten Kurse an.

Küche. Unsere Favoriten sind Timpana, ein würziger Makkaroni-Nudelauflauf, die mit Hack und Ei gefüllte Roulade Bragioli und Ftira, die maltesische Pizza. Gut ist das Essen im Il-Barri und im familienfreundlichen Ta’Nenu.

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