Verfasst von Clemens Sehi am 11.03.2015

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Städtereise Tschechien Prag

Prag: Von Kafka, zünftigem Essen und urigen Kaffeehäusern

Sightseeing, Antiquitäten-Shopping oder doch lieber in ein Kaffeehaus? Prag bietet Besuchern ein so großes Potpourri an möglichen Unternehmungen, dass man kaum weiß, wo man anfangen soll. Das Beste an der Stadt aber ist: man kann alles prima miteinander verbinden.

Es ist 8 Uhr morgens und ich entscheide mich erst mal für was ganz Banales: einen Kaffee. Die Lokalität, in die mich mein morgendlicher Durst treibt, ist jedoch alles andere als gewöhnlich: das Café & Restaurant Slavia in der Smetanovo nábřeží 1012/2 ist eines der altehrwürdigsten, klassischen Kaffeehäuser der Stadt.

Obwohl schon hunderte Jahre alt, haben die Räumlichkeiten nichts an Charme verloren. Im Gegenteil, schon beim Betreten hat man das Gefühl, in ein anderes Jahrhundert zu stolpern – nämlich das der großen Denker und Dichter wie Kafka, Nezval und Rilke. Der Cappuccino für nur knapp zwei Euro entspricht hingegen auch den modernsten Ansprüchen.

Erst Moldau, dann Gulasch

Nach der kleinen Stärkung geht es für mich an der Moldau entlang und weiter zum Altstädter Ring mit dem großen Rathaus und der berühmten astronomischen Uhr. Ganz beschwingt vom Sightseeing bei strahlendem Sonnenschein schlendere ich weiter über das alte Kopfsteinpflaster hinüber zum Kafka-Denkmal – dorthin, wo die Straßen Dušní und Vězeňská aufeinandertreffen. Der wohl berühmteste Jüdische Friedhof der Welt ist nicht weit, also nehme ich auch diesen noch mit und werde von einem unglaublich urigen Friedhofgarten überrascht, der vor Grabsteinen nur so wimmelt. Das liegt daran, dass man die Verstorbenen aus Platzmangel in bis zu zwölf Schichten begrub.

Danach führt mich mein Heißhunger ins nahegelegene Kolkovna, einem gut bürgerlichen Restaurant mit wahrhaftig herzhafter Küche an der Kolkovně 8. Nach einem riesigen Teller mit klassisch tschechischem Gulasch bin ich froh, mich wie die Tschechen an den Nebentischen, trotz der noch frühen Stunde, für ein frisch gezapftes lokales Pilsner Urquell für nur 1,80 Euro entschieden zu haben. Das habe ich jetzt dringend nötig.

Hinein ins alte Prag: Karlsbrücke und Prager Burg

Gut gestärkt kann es dann also weitergehen: auf zur Karlsbrücke! Diese kenne ich schon von zig Fotos und Filmen. Und während ich meinen Blick beim Spaziergang über die sachte daher fließende Moldau schweifen lasse, komme ich mir ein wenig vor, wie Tom Cruise im ersten Teil von Mission Impossible. Auf der anderen Seite des Flusses angekommen, schleppe ich mich mit vollem Bauch in etwa 20 Minuten hinauf zur Prager Burg, welche auf einem Berg über der Stadt thront und alternativ auch mit Bussen (etwa 40 Cent z.B. ab dem Rathaus) zu erreichen ist. Neben dem imposanten Veitsdom und einem wirklich sehenswerten Museum, das einen tollen Einblick in die Geschichte der Burg und der Stadt Prag gibt, ist der Blick von hier oben einfach unschlagbar. (Tickets für 13 Euro gibt es direkt am Schalter oder im Informationszentrum der Prager Burg auf dem dritten Schlosshof)

Durch Weinreben zurück in die Stadt

Für den Weg nach unten empfiehlt sich der Panoramaweg, der durch Weinreben und verwinkelte Gassen führt und gleich auf mehreren Seiten der Burg an nicht zu übersehenden Schildern ausgewiesen wird.

Auf dem Weg zurück in die Altstadt stolpere ich – zu meinem Glück – über einen kleinen Antiquitätenladen namens Bric à Brac in der Tynská 627/7. Was im Schaufenster noch eher wie ein Sammelsurium aus belanglosem Krimskrams aussieht, entpuppt sich schnell als echte Fundgrube. Dreißig Minuten später komme ich heraus als stolzer Besitzer mehrerer uralter Schwarz-Weiß-Postkarten für wenige Cent und bekomme vor lauter Shopping tatsächlich wieder Appetit.

Also laufe ich hinüber zum Café Savoy, ebenfalls im Stadtteil Újezd und ebenso ein weiteres Altprager Kaffeehaus, das 1893 eröffnet und vor gut zehn Jahren nicht nur vollständig renoviert wurde, sondern auch noch sehr liebevoll. Hier versacke ich eine volle Stunde bei Kuchen, Kaffee und WLAN (Kaffee und Kuchen gibt es für je ca. 2,50 Euro; Internetzugang sogar kostenlos.)

Auf dem Weg zurück auf die andere Seite der Moldau setzt bereits die Dämmerung ein und die Karlsbrücke erleuchtet in einem wundersamen, gelb-orangenen Licht. Während ich mich so durch die japanischen Touristenmassen schlängle, kommt mir Kafka in den Sinn, der einst in sein Notizheft schrieb: „Prag lässt nicht los. Dieses Mütterchen hat Krallen.“ Recht hat er, dieser Kafka, denk ich mir. Und ja, ich komme wieder, auch ohne Krallen.

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