Verfasst von Jutta Ingala am 24.04.2015

Ostsee: Von Lübeck nach Laboe

Streng genommen liegt Lübeck natürlich nicht am Meer, sondern ein Stück landeinwärts. Schippert man allerdings die Trave hinauf, die hier in der alten Hansestadt Kapriolen schlägt, sich verzweigt und aus dem Festland einen Inselteppich macht, wird man schon nach wenigen Kilometern in die Weite der Ostsee gespült.

Holstentor und Liebesschlösser

Die See lockt, aber ich bleibe lieber noch auf festem Boden und in der gemütlichen Enge von Lübecks Altstadt, schlendere am Flussufer entlang und vorbei an den mittelalterlichen Salzspeichern.

Dort wird auch heute noch gehandelt. Statt Salz in Säcken gibt es nun Gold und Silber in schmucken Boutiquen. Gleich gegenüber erhebt sich eines der Wahrzeichen der Stadt: das imposante Holstentor.

Selbst nach heutigen Maßstäben ist es riesig und wirkt wie eine dickbauchige Kogge auf stürmischer See: Das Tor wurde auf Sumpf gebaut und hat Schlagseite. Ein Holstentor für die Hosentasche bekomme ich wenige Meter weiter bei Yvonne Sterly (An der Obertrave 13) in Form von witzigen Büroklammern. In ihrer Goldschmiede graviert sie auch „Love Locks“, die Verliebte gleich vis-à-vis an der Lübecker Liebesbrücke anbringen können. Wer den Schlüssel in die Trave versenkt, dessen Liebe hält ewig!

Lübecks Gänge und Höfe

Vom Fluss spaziere ich hinüber in die Altstadt, durch krumme, schmale Gassen. Ein schmiedeeiserner Drache grüßt vom Giebel des Figurentheaters. Ich lasse mich durch die Breite Straße zum Markt mit dem von Türmen geschmückten Rathaus treiben, weiter zu Thomas Manns Buddenbrookhaus, um mich dann im Gewimmel der Stadt, in den kleinen Gängen und Höfen, die so typisch für Lübeck sind, zu verlieren. Hinter den prachtvollen Fassaden der Julius-Leber- und Glockengießer-Straße, der Fischer- und Engelsgrube öffnet sich eine geheime Welt aus winzigen, schief-schönen Häusern, vor deren Fenstern bunte Blumen aus ebenso bunten Töpfen grüßen. Einst für Witwen und Waisen gebaut, heute romantische Wohnungen für jedermann. Die Eingänge sind gut versteckt und manchmal muss ich mich bücken, um durch einen der niedrigen Torbögen zu schlüpfen.

Tee und Marzipan

Auch kleine Entdeckungsreisen machen hungrig. Höchste Zeit also für eine Pause, die ich mir im traditionsreichen Schnabbelhaus (Mengstraße 48) gönne. Trotz nordischem Interieur wird italienische Küche serviert. Ich nehme am schwedischen Kachelofen Platz, über mir Stuck und goldverzierte Kronleuchter. Hier wurden einst die leckeren „Hanseaten“, Gebäck mit Konfitüre-Füllung und Zuckerglasur, erfunden. Kaufen kann man sie leider nicht mehr. Dafür kann ich bei Niederegger (Breite Straße 89) im Marzipan-Himmel schweben. Im Café begrüßen zwölf lebensgroße Marzipan-Figuren die Gäste. Mir genügt etwas Kleineres als Souvenir, Marzipan-Kartoffeln, und einige Häuser weiter im Lübecker Teekontor (Nummer 62) kaufe ich noch schnell eine kräftige Teemischung, bevor ich Abschied nehme von der Hansestadt.

Die Küste entlang

In der Lübecker Bucht reihen sich charmante Badeorte wie die Perlen an einer Schnur: Timmendorfer Strand, Scharbeutz, Grömitz mit ihren einladend weißen Stränden und gemütlichen Strandkörben, in denen es sich so gut Faulenzen und mit den Zehen im Sand buddeln lässt. Angler in Neoprenanzügen paddeln in Kajaks hinaus aufs Wasser. Sie fangen Ostseedorsch, Flunder und Makrele. Kreischende Möwen machen ihnen die Beute streitig.

Als ich die Idylle verlasse, geht die flache Küstenlandschaft in die sanften Hügel der Holsteinischen Schweiz über. Kurz hinter Lütjenburg nehme ich einen Abzweig hinauf zum Hessenstein, einem neugotischen Turm, den man für 1 Euro erklimmen darf. Der Sonnenuntergang von hier oben ist atemberaubend! Am Horizont kann ich die Ostsee sehen, sogar Fehmarn und einige dänische Inseln.

Ostseedorsch und „Holler Schampus“

Vom Hessenstein sind es nur noch drei Kilometer durch den Wald bis nach Panker.

Rund 80 Bewohner zählt der Ort, dessen Namensgeber das herrschaftliche Gut mit der weitläufigen Pferdekoppel ist. Hier ist die Zeit stehen geblieben. Osterglocken wippen in der lauen Luft, auf der Koppel grasen Trakehner, irgendwo schnattert eine Gans. Im Restaurant Ole Liese wartet ein gedeckter Tisch auf mich: Ostseedorsch, frisch gefangen für rund 25 Euro. Dazu gibt es „Holler Schampus“ für 7,50 Euro, hausgemachten Holunderblütensirup mit perlendem Champagner aufgegossen. Zwei Eiswürfel klingen im Glas, während die letzten Sonnenstrahlen die Baumwipfel küssen. Dahinter die See. Und Laboe, mein Ziel für morgen.

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