Verfasst von Lea Hajner am 24.03.2015

Österreich: Tagesausflug in den Nationalpark Hohe Tauern

An einem normalen Tag im August wäre ich noch lange nicht wach gewesen. Doch heute steht eine Wanderung zum Fuße des Gletschers unterhalb des Großvenedigers, des fünftgrößten Bergs in Österreich, auf dem Programm. Also starte ich bereits um halb 7 Uhr morgens und fahre mit dem Auto bis zum Matreier Tauernhaus. Der riesige Parkplatz, gleich neben der Hauptstraße, direkt nach der Mautstelle am Felbertauern, ist noch fast leer.

Wanderung zum schönsten Talschluss Osttirols

Das wunderschöne Gschlößtal, das ich heute zu Fuß erwandern möchte, liegt im Nationalpark Hohe Tauern. Der größte Nationalpark in Österreich ist bekannt für seine ausgedehnten Gletscherfelder, saftigen Almen und urigen Hütten. Ich lasse die Forststraße links liegen und biege auf den kleinen Almweg ein, der sich durch den Wald bergauf schlängelt. Mein erstes Ziel ist die kleine Ortschaft kurz vor Talende namens Innergschlöß, die viele Besucher auch mit dem Bummelzug oder der Pferdekutsche erreichen, denn die Forststraße ist für den öffentlichen Verkehr gesperrt. Ich lasse mir die schöne Wanderung aber nicht nehmen und stapfe entlang des Flusses vor mich hin. Am Weg gibt es viel zu sehen. Reißende Wasserfälle, grasende Kühe, eine Herde Ziegen und bunte Blumen zieren den Wegrand.

Direkt auf meinem Weg liegt auch der sogenannte Frauenbrunnen, wo – wenn man den alten Erzählungen glaubt – das heilende Wasser fröhlich vor sich hinplätschert. Sicherheitshalber trinke ich gleich noch einen Schluck davon. Kann ja nicht schaden.

An der Felsenkapelle vorbei

Dann geht es weiter zur Felsenkapelle, die die Einheimischen in einen großen Felsen gehauen haben, nachdem frühere Kapellen immer wieder von Lawinen erfasst und zerstört wurden.

Im sanften Morgenlicht wirkt sie ein wenige wie aus dem Land der Hobbits gestohlen. Ich überquere den Fluss bei der kleinen Holzbrücke und pflücke einige Heidelbeeren am Wegrand. Sie schmecken süß und saftig und meine Hände sind im Nu blau gefärbt. Gott sei Dank ist es nicht weit zum Gasthof Venedigerhaus in Innergschlöß, wo ich mir die Hände wasche und einen heißen Kaffee bestelle. Rund eineinhalb Stunden habe ich mit mehreren Stopps bis hierher gebraucht, die 180 Höhenmeter sind dabei kaum der Rede wert.

Über das Talende auf den Gletscher

Der kleine Ort Innergschlöß kommt mir vor wie das Bullerbü der Alpen. Rechts und links vom rauschenden Bach stehen um die 20 hunderte Jahre alte Bauernhäuser. Dazwischen wachsen farbenprächtige Blumen und duftende Kräuter. Beim Stall kann man abends frische Milch und Käse erstehen.

Im Gasthof tummeln sich Tagesbesucher und Bergsteiger. Für einige Bergsteiger ist es die letzte Rast, bevor sie über die Neue Dresdner Hütte auf den Großvenediger steigen. „Schau, da hinten siehst du ihn schon, den Gletscher!“, sagt einer der Alpinisten zu mir und deutet in Richtung Talschluss. Noch erscheinen mir die Eismassen endlos weit entfernt.

Bis zum Ende des Tals sind es rund 30 Minuten entlang des flachen Baches. Nun geht es steil bergauf über viele gut befestigte Stufen entlang des Wasserfalls. Oben angekommen, wartet ein kleines Naturwunder auf mich: das Auge Gottes. Ein kleiner See, der so mit Gras zugewachsen ist, dass er von oben wie ein Auge aussieht.

Ein Gletscher zum Anfassen nah

Eine halbe Stunde später erreiche ich den Gletscher. Das Eis leuchtet blau, tropft und manchmal kann man die Bewegungen der Eismassen hören. Das Gletscherlehrpfad-Büchlein, dass ich für 12 Euro im Gasthof Innergschlöß gekauft habe, erklärt mir die Natur und die Pflanzenwelt. Eine sinnvolle Investition, denn am Wegesrand gibt es Nummernmarkierungen. Entstehung und Entwicklung des Gletschers kann ich begleitend nachlesen. Deutlich erkenne ich anhand der Markierungen, wie viel der Gletscher in den letzten Jahrzehnten zurückgegangen ist.

Mein Magen knurrt bereits, als ich weiter dem Rundweg folgend den Rückweg einschlage. Nun geht es bergab, vorbei an einer Schafherde, die die Kunst des Kletterns perfekt beherrscht, springe ich über Stock und Stein, bis ich wieder im Tal beim Venedigerhaus angekommen bin. Mit diversen Foto-Stopps sind es nun doch vier Stunden geworden und die 600 Höhenmeter gehen auch nicht ganz unbemerkt an meiner Beinmuskulatur vorbei.

Abschließend gönne ich mir eine wohl verdiente Portion Schlutzkrapfen (Teigtaschen mit Kartoffelfülle in brauner Butter), ein Radler und eine Portion Mannerschnitten zum Nachtisch (rund 20 Euro). Meine müden Beine verlangen außerdem nach einer Taxifahrt ins Tal und so komme auch ich noch in den Genuss einer Pferdekutschenfahrt. Ein richtig schöner Wandertag in einer wilden und wunderschönen Naturlandschaft!

Wissenswertes über die Wanderung

Die Wanderung vom Matreier Tauernhaus nach Innergeschlöß (circa eine bis eineinhalb Stunden pro Richtung) ist für die gesamte Familie und auch mit Kinderwagen machbar. Für rund 5 Euro pro Person kann man sich auch ineine der beiden Richtungen auf der Forststraße ein Shuttletaxi (Bummelzug, Großraumtaxi oder Kutsche) nehmen. Für den Gletscherlehrpfad sollte man etwas Kondition, Bergausrüstung (Wanderschuhe, feste Regenjacke, Stöcke, Wasserflasche, Jause) und gute Trittsicherheit mitbringen. Dauer: etwa 4 Stunden.

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