Verfasst von Timo Peters am 23.07.2015

Nordsee: Rückenwind im Störtebekerland

Vor wenigen Minuten sind wir mit unseren Holland-Fahrrädern gestartet und schon zieht ein Regenschauer über unsere Köpfe und das platte Küstenland. Zum Glück sind wir darauf vorbereitet, ziehen uns schnell unsere Regenjacken über und radeln weiter.

Hier an der Nordseeküste müsst ihr auch im Juli immer mit einem Schauer rechnen. Ich bin mit einem alten Freund unterwegs im Nordsee Urlaub in Ostfriesland. Wir haben uns eine Fahrradtour durchs Störtebekerland vorgenommen und sind vor einigen Minuten in Marienhafe gestartet. Der Ort ist vor allem für den Kirchturm seiner St. Marienkirche bekannt. Er wird im Volksmund nur „Störtebekerturm“ genannt – ein kleines Museum (Eintritt: 2 Euro) erinnert daran, dass der legendäre Pirat hier Ende des 14. Jahrhunderts untergekommen sein soll.

Auf den Spuren Claus Störtebekers

Auf Störtebekers Spuren lässt es sich gut radeln, hier im platten Marschland Ostfrieslands. Wir haben eine Rundtour geplant: Von Marienhafe geht es zunächst an die Küste zum Fischerdörfchen Greetsiel. Von dort aus wollen wir am Deich entlang weiterfahren zum Strandort Norddeich, bevor es zurück nach Marienhafe geht. Insgesamt sind es etwa 45 Kilometer durchs Flachland – ein entspannter Tagesausflug.

Auf der geteerten Landstraße Richtung Greetsiel ist der Regen schnell durchgezogen und die Sonne kommt heraus. Es herrscht kaum Wind, so dass wir gut vorankommen. Was im Gebirge für Fahrradfahrer die Steigungen sind, ist hier der Gegenwind. Dementsprechend haben wir unsere Tour geplant: Die vorherrschende Windrichtung ist hier Nord-West – am Deich und auf der Rücktour haben wir also hoffentlich Rückenwind.

Windmühlen auf dem platten Land

Es herrscht so gut wie kein Verkehr, so dass wir uns auf die weite Landschaft konzentrieren können. Die Windmühlendichte ist hier enorm, in allen Richtungen sehen wir Windparks und einzelne Windkraftanlagen. Immer wieder passieren wir auch historische, typisch friesische Windmühlen, mit denen hier einst das Land entwässert wurde. Die einzigen Erhebungen in der Landschaft sind die kuriosen Spuren des Landgewinns in den letzten Jahrhunderten: Zweimal passieren wir alte Deichlinien, die mittlerweile kilometerweit im Binnenland liegen.

Wir passieren unterwegs zwei alte Deichlinien. © Timo Peters
Wir passieren unterwegs zwei alte Deichlinien. © Timo Peters
Nach etwa eineinhalb Stunden gemütlichen Radelns kommen wir in Greetsiel an. Der Ort hat einen kleinen Fischerhafen, von dem aus die ostfriesischen Krabbenfischer auch heute noch zu ihren Fangtouren aufbrechen. Das Radeln hat uns Appetit gemacht, so dass wir uns gerade vor allem für die örtliche Spezialität interessieren: Zahlreiche Restaurants und Imbisse bieten hier frisch gefangene Nordseekrabben in allen Variationen an.

Nordseekrabben frisch vom Kutter

Wir entscheiden uns spontan für den „Fischimbiss de Beer“, der direkt am Hafen liegt, und dort für den Klassiker schlechthin – ein Krabbenbrötchen auf die Hand für vier Euro fünfzig. Wir setzen uns an die Kaimauer, genießen den Ausblick auf den kleinen Hafen und beobachten die zahlreichen Seemöwen, die hier die Touristen piesacken.

Nach der Stärkung schwingen wir uns wieder in die Sättel. Für die nächsten 15 Kilometer führt der Fahrradweg immer entlang des Deiches zu unserer Linken. Unsere Kalkulation geht auf: Der Wind frischt hier direkt an der Küste etwas auf – und kommt von hinten. So geht es ohne große Anstrengung sehr zügig vorbei an den Deichschafen, die hier die wichtige Aufgabe übernehmen, die Grasnaht auf den Deichen möglichst kurz und dicht zu halten.

Zwischen Deich, Dünen und Drachenwiese

Nur eine Stunde benötigen wir, bis wir die kleinen Backsteinhäuser Norddeichs erkennen können, die sich hinter dem Deich in die Landschaft ducken. Auch Norddeich hat einen kleinen Fischerhafen, die meisten Touristen sind jedoch wegen des kilometerlangen Sandstrands hier. So richtiges Badewetter ist heute nicht, trotzdem gibt es hier zu erleben. Die nordseetypischen Strandkörbe schützen beim Sonnenbaden vor dem Wind – den wiederum machen sich auf einer Strandwiese einige Dutzend Lenkdrachen zu Nutze, ebenso die Windsurfer, die hier in der Nordseebrandung perfekte Bedingungen vorfinden.

Wir stellen unsere Fahrräder ab, machen einen kleinen Spaziergang durch die Dünen und über den Strand. Mein alter Freund und ich sprechen jetzt für einige Minuten kein Wort: Der Wind und die Weite „zwingen“ uns fast dazu, die Gedanken einfach mal schweifen zu lassen.

Irgendwann brechen wir trotzdem auf und schnappen uns wieder unsere Fahrräder. Zehn Kilometer zurück durchs Marschland liegen heute noch vor uns, bevor wir wieder am Versteck des alten Claus Störtebeker in Marienhafe ankommen. Zum Glück haben wir wieder Rückenwind.

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