Verfasst von Cornelia Lohs am 23.07.2015

Neapel – Spaziergang durch die chaotischste und außergewöhnlichste Stadt Italiens

„Deine Stadttour beginnst du am besten mit einem Frühstück auf der schönsten Terrasse der Stadt!“, rät mir eine Freundin, die lange in Neapel gelebt hat. Die Terrasse befindet sich im 7. Stock des geschichtsträchtigen Hotels Excelsior im Viertel Santa Lucia, direkt am Lungomare. Es ist 9 Uhr und außer den Kellnern ist kein Mensch auf der riesigen, verwinkelten Terrasse.

Bevor ich mich für einen Tisch entscheide, laufe ich von einem Ende zum anderen. Von überall habe ich einen spektakulären Blick auf den Golf von Neapel, den Vesuv, den Yachthafen und das Castel dell’Ovo, das älteste Schloss Neapels auf der kleinen Insel Megaride, dessen Fundament im 1. Jahrhundert v. Chr. gelegt wurde.

Das Schloss ist durch einen Steg mit dem Festland verbunden.Ich entscheide mich für einen Tisch in der Mitte und genieße den traumhaften Ausblick, den Espresso und den großen Teller Obstsalat, der für diese herrliche Sicht jeden Cent der 10 Euro wert ist.

Mein nächstes Ziel ist die „Funicolare Centrale“, die Seilbahn in der Via Toledo, die zum Vomero-Hügel hinaufführt, von dessen höchstem Punkt, dem Castel Sant’Elmo, ich auf ganz Neapel hinunterblicke. Über die Piazza del Plebiscito, den größten Platz Neapels, der vom gigantischen Palazzo Reale dominiert wird, dem früheren Königspalast und einstigen Machtzentrum Neapels, gelange ich auf die Piazza Trieste und von dort auf die Via Toledo, die längste Einkaufsstraße der Stadt.

In einer der unzähligen kleinen Seitengassen muss ich zur Seilbahnstation abbiegen. Vorher möchte ich aber unbedingt Fotos der typischen neapolitanischen Gassen machen, die ein typisches Motiv darstellen, und verliere mich innerhalb von wenigen Minuten prompt in dem Gewirr, das von einem Gässchen ins nächste führt.

Auf beiden Seiten der Gassen stehen hohe Häuser, von denen der Putz bröckelt. Die Sträßchen sind teils so eng und die Häuser so hoch, dass nur wenig Sonnenlicht einfällt. Vor den Fenstern, teils auch zwischen den Häusern, sind Wäscheleinen gespannt, auf denen Unterwäsche und Kleider zum Trocknen hängen. Haustüren und Fenster stehen offen, sodass ich einen Blick in diverse Küchen erhasche, in denen schon am Morgen lautstark diskutiert und gestritten wird.

Ein Vespafahrer fällt mir auf, der mich immer wieder überholt, egal, in welcher Gasse ich mich gerade befinde. Ein älterer Mann kommt auf mich zu und zeigt auf den Vespafahrer. „È unladro“ („Er ist ein Dieb“), sagt er und rät mir, meine Nikon in die Tasche zu stecken. Als der vermeintliche Dieb sieht, dass ich meine Kamera wegstecke und meine Tasche so umhänge, dass er sie mir unmöglich von der Schulter reißen kann, gibt er Gas und verschwindet.

Der alte Mann erklärt mir, wie ich am besten zur Seilbahn komme, und wenige Minuten später stehe ich vor der Station. Für einen Euro fahre ich hinauf auf den Volmero-Hügel. Oben angekommen, muss ich noch ein paar Sträßchen mit leichter Steigung hinauf laufen, bis ich am Castello bin. Es hat fast 40 Grad und jeder Schritt ist mühsam. Oben angekommen, entschädigt mich der Blick für die Strapazen. Ganz Neapel entfaltet sich unter mir. Von der einen Seite sehe ich die Stadt, von der anderen das Meer.

Zurück zur Seilbahnstation verlaufe ich mich und gehe deshalb zu Fuß hinunter zur Via Toledo. Bergab ist weit angenehmer als bergauf. In einer der zahlreichen Bars unterwegs trinke ich ein großes Glas „Spremuta“, frisch gepressten Orangensaft, den ihr in jeder Bar für 1 bis 2 Euro bekommt.

Ich laufe die Via Toledo entlang bis zur Piazza Dante, einer der wichtigsten Plätze der Stadt. Hier beginnt das historische Zentrum. Auf dem Platz findet täglich ein Markt für gebrauchte Bücher statt. An Büchern kann ich nicht vorbeigehen, weshalb ich kurz Halt mache und an den Ständen stöbere. Bücher gibt es in allen Sprachen, daneben DVDs, CDs, Fotografien und Postkarten. Ich entscheide mich für ein Buch über Neapel auf Italienisch und ein paar Postkarten. Mehr passt nicht in meine Tasche.

Durch einen Torbogen gelange ich in die Via Port’Alba, eine einzigartige Straße voller Buch- und Musikhandlungen, einem Literaturcafé und zahlreichen kleinen Restaurants.
Es ist Mittag und ich bekomme langsam Hunger. In einem der Restaurants kaufe ich mir für 5 Euro Reissalat zum Mitnehmen, setze mich auf eine Bank auf der nahen Piazza Bellini und esse. Mein nächstes Ziel ist das Archäologische Nationalmuseum in der Via Castello, das größte seiner Art in Europa. Im Erdgeschoss befindet sich die Farnesische Sammlung mit der berühmten monumentalen Skulpturengruppe aus den antiken Caracalla-Thermen in Rom.

Im Mezzanin, dem Zwischengeschoss, ist das Gabinetto Segreto, das heimliche Kabinett, mit pornographischen Malereien und Statuen, darunter der Pan mit der Ziege – der Zugang für Kinder unter 12 Jahren ist ins Mezzanin daher nicht gestattet.

Im ersten Stock sind Wandfresken aus Pompeji, ein Korkmodell Pompejis sowie zahlreiche Fundstücke aus etruskischer Zeit und Artefakte aus Ausgrabungsstätten Süditaliens.

Das Wetter ist herrlich, der Himmel ist strahlend blau, deshalb zieht es mich nach dem Museumsbesuch zum Lungomare zurück, wo sich auf den Steinen am Ufer viele Einheimische und Touristen zum Sonnenbaden und Schwimmen niederlassen. Ich finde ein einsames Plätzchen und ziehe mich dorthin für den Rest des Nachmittags zurück.

Am Abend steht Pizzaessen auf dem Programm und zwar in der Pizzeria Brandi am Salita Sant’Anna di Palazzo, wo 1889 die Pizza Margherita zu Ehren der gleichnamigen Königin in den Landesfarben Grün (Basilikum) – Weiß (Mozzarella) und Rot (Tomaten) erfunden wurde.

Die nostalgisch-schöne Pizzeria gibt es allerdings schon seit 1780. Damals war die erste Pizza die Marinara, die ich mir jetzt bestelle. Sie erweist sich als die beste, die ich je gegessen habe.

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