Verfasst von Nicole Biarnés am 12.05.2015

Neapel: Bummeln, entdecken und genießen

In der Altstadt Neapels geht es bunt zu. In einer der kleinen Gassen lacht mich eine lebensgroße Figur des Pulcinello an, diese weiße, maskierte Figur, die so typisch für die jahrhundertealte Theatertradition der Stadt ist.

Außer Pulcinella und den klassischen Theatermasken gibt es in Neapel erstaunlich viele Krippen in allen Größen. Alles von Hand gearbeitet! Obwohl Weihnachten noch in weiter Ferne liegt, gibt es eine ganze Straße, die Via San Gregorio Armeno, in der ausschließlich Krippenfiguren zum Verkauf angeboten werden! Das Besondere an den Figuren ist, dass vor allem Handwerker und kleine Leute dargestellt werden. Die Heilige Familie gibt es natürlich auch, aber viel spannender finde ich es, die Gemüsehändler, Metzger, Bäcker, Lehrer, den Doktor oder den Kneipenwirt zu bestaunen, die so detailgetreu dargestellt sind, dass es mir wie ein Fenster in ein vergangenes Jahrhundert vorkommt. Besonders angetan bin ich von einem kleinen Pizzabäcker, der seine Pizza in einen Holzofen schiebt. Den würde ich am liebsten mitnehmen.

Santa Chiara

Wir bummeln ein paar Straßen weiter zur Kirche der Santa Chiara. Gerade findet ein Gottesdienst statt, daher bleiben wir draußen und schauen durch die Glastür in das Kirchenschiff. Die Kirche ist schon sehr alt und erstaunlich schmucklos. Mir gefällt diese Schlichtheit.

Hinter der Kirche liegt ein Kloster mit einem wunderschönen Kreuzgang. Der Eintritt kostet sechs Euro. Dafür kann man den Kreuzgang und das Museum besuchen. Völlig unterwartet leuchten aus dem grün bepflanzten Zentrum des Klosterhofs gelbe Säulen und Bänke hervor. Farblich passend dazu gibt es sogar ein paar Zitronenbäume. Durch den Kreuzgang gelangen wir in das kleine Museum. Es ist nicht groß, aber dafür besteht ein Teil der Anlage aus einer archäologischen Ausgrabungsstätte, einer alten Thermalanlage, die noch aus römischer Zeit stammt. Das Museum ist ganz nett, aber der Kreuzgang mit den Säulen ist besser. Bevor wir das Kloster verlassen, sehe ich mir die Bänke noch einmal genauer an. Wunderschön!

Quartieri Spagnoli

Ein Teil des Centro Storico, nur wenige Gehminuten von der Kirche Santa Chiara entfernt, besteht aus besonders engen, kleinen Gassen, die Quartieri Spagnoli. Damals, als Neapel von spanischen Königen regiert wurde, waren in dieser Gegend die spanischen Soldaten untergebracht, so ähnlich wie in einer großen Kaserne. Heute leben natürlich keine Soldaten, sondern ganz normale Neapolitaner in diesen Häusern. Nur noch die Straßennamen erinnern an die Zeit der spanischen Herrschaft, wie zum Beispiel die Via Toledo, die Haupteinkaufsstraße der Stadt. Ich genieße es, durch diese Gassen zu spazieren. Auf den Balkonen wehen frisch gewaschene Wäschestücke wie bunte Fähnchen im Wind. In den unteren Stockwerken preisen Fisch- und Gemüsehändler ihre Ware an. Hier ist Neapel mehr Dorf als Großstadt.

Gambrinus

Direkt neben dem eher einfachen Viertel Quartieri Spagnoli verläuft die bunt glitzernde Via Toledo mit ihren eleganten Boutiquen und Geschäften. Dort liegt, praktisch gleich um die Ecke, das Gran Caffè Gambrinus, eines der berühmtesten Cafés der Stadt. Angeblich kommt der italienische Präsident jedes Jahr an Neujahr hierher, um den ersten Kaffee des Jahres zu trinken.

Das Gebäude verströmt den Charme der Belle Époque. Alles wirkt richtig elegant. Wir bestellen uns einen Kaffee und dazu muss ich unbedingt eine dieser süßen Leckereien probieren, die mich von der prall gefüllten Auslage her anlachen. Wie gut das alles duftet! Ich entscheide mich für eine sfogliata, ein fächerartig gefaltetes Gebäckstück mit einer Cremefüllung. Wie in fast allen Cafés in Italien muss man erst an der Kasse bezahlen und kann mit dem Kassenbon dann den Kaffee und das Gebäck am Tresen abholen. Während die vornehm gekleideten Kellner in ihren weißen Uniformen fleißig hin und her flitzen, genießen wir in aller Ruhe unsere kleine Pause.

Il Gobbetto

Am Abend sind wir richtig hungrig und gehen mit neapolitanischen Freunden in die Osteria „Il Gobbetto“ in der Via Sergente Maggiore. Das Restaurant ist klein und familiär. Unsere Freunde waren schon öfter hier und schwärmen schon vorher von dem guten Essen. Der Chef begrüßt uns persönlich. Während wir auf einen freien Tisch warten, wird uns ein Glas köstlicher italienischer Rotwein eingeschenkt, einfach so, um uns die Wartezeit zu versüßen. Schließlich ist unser Tisch frei und Gennaro erzählt, welche Spezialitäten seine Frau heute in der Küche zubereitet hat. Wir bestellen die obligatorischen Antipasti und Spaghetti-Vongole. Allein die „kleinen“ Vorspeisen füllen schon den kompletten Tisch. Das Essen ist ein Gedicht. Während wir uns unterhalten, kommt Gennaro immer wieder vorbei, um nach dem Rechten zu sehen. Die Atmosphäre ist sehr heimelig und leger, als ob wir zur Familie gehörten. Als wir gerade überlegen, ob wir noch Platz für ein Dessert haben, fordert Gennaro mich zu einem kleinen Tänzchen auf. Das macht er mit allen weiblichen Gästen. Gekonnt drehen wir zu den Klängen neapolitanischer Schlager eine kleine Runde zwischen den Tischen. Dann ist die nächste Dame dran. Es ist wirklich unglaublich nett und gemütlich. Für die zahlreichen Vorspeisen, die Pasta, Wein und Wasser zahlen wir am Ende rund 40 Euro (für zwei Personen), aber der Abend selbst ist einfach unbezahlbar.

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