Verfasst von Madlen Brückner am 24.08.2015

Namibia – zwischen kolonialem Erbe, Wüsten und Savannen

Es ist ein lauer Abend, an dem wir bei einem Sundowner Drink auf der Terrasse der 100 Jahre alten Heinitzburg stehen und über Windhoek schauen. Aus der afrikanischen Weite Namibias ragen auf 1.700 Metern deutsche Burgen, neobarocke Kirchtürme, Hochhäuser und die Bergketten des Auas- und Eros-Gebirges heraus.

Koloniales Erbe in Windhoek

Den nächsten Morgen beginnen wir mit einem kurzen Spaziergang durch das Stadtzentrum. Nach nur zehn Minuten erreichen wir die Christuskirche. Die bekannteste Sehenswürdigkeit der Stadt liegt auf einer Verkehrsinsel. Dahinter befindet sich das ehemalige Verwaltungszentrum von „Deutsch-Südwest-Afrika“, das heutige Parlamentsgebäude. Vor dem auch als Tintenpalast bekannten Gebäude picknicken Einheimische auf einer weiten Grünfläche. Wir legen noch einen Stopp im Namibia Craft Centre ein, wo wir nach einem Gemüsestrudel für umgerechnet 2,50 Euro und Erdbeershake für 1,30 Euro auf der Terrasse des alten Brauereigebäudes eine handgeschnitzte Giraffenmaske für 21 Euro für das heimische Wohnzimmer kaufen.

Der rote Sand der Kalahari

Wir verlassen mittags Windhoek und fahren auf der schnurgeraden Straße B1 durch Berglandschaft und Sandfelder in den Süden. In nur drei Stunden erreichen wir die Kalahari Wüste.

Mit einem Plan in der Hand machen wir von der Kalahari Anib Lodge aus eine Wanderung. Drei Strecken stehen zur Auswahl. Wir entscheiden uns für den 7,3 Kilometer langen Weg. Es dauert nicht lange, bis wir Springböcke, Oryx-Antilopen und Strauße in der blutroten Buschlandschaft entdecken. Dass hier auch schon Leopardenspuren gesichtet wurden, verrät unser Ranger erst auf dem abendlichen Sundowner-Drive. Im Scheinwerferlicht huschen immer wieder Tiere über den Weg, Springböcke hüpfen in die Höhe. Links grasen Zebras und Gnus in einem Flussbett, während sich zwei Giraffen in graziler Pose am Blattwerk eines trockenen Baums bedienen.

Auf einsamen Straßen zum Namib-Naukluft-Nationalpark

Am nächsten Tag steuern wir den westlich gelegenen Namib-Naukluft-Nationalpark an. Hinter dem staubigen Ort Maltahöhe geht die Teerstraße C19 in eine Schotterpiste über. Ganze vier Autos begegnen uns in den nächsten zwei Stunden auf 170 Kilometern. Links und rechts schauen wir in die monotone Weite, die nur von Zäunen etwas gestört wird.

40 Kilometer vor dem Ort Solitaire erheben sich bis zu einer Höhe von 1.900 Metern die Naukluft Berge. Ein Stück weiter hinten verschwimmt im zarten Rotton eine 65 Meter hohe versteinerte Dünenlandschaft.
Nach einer weiteren Stunde auf der C27 erreichen wir mit der Sossusvlei Desert Lodge das Tor zur Namib-Wüste mit den berühmtesten Fotomotiven des Landes – Düne 45, Sossusvlei und Deadvlei. Nach dieser Fahrt sind wir hungrig und suchen das reichhaltige Buffet der Lodge auf, an dem von Springbock, Zebra bis Gnu alles geboten wird.

Namibias skurrile Landschaften – Düne 45, Sossusvlei und Deadvlei

Am nächsten Morgen brechen wir noch vor dem Sonnenaufgang auf, um pünktlich zur Öffnungszeit um 6 Uhr am Parktor Sesriem Gate zu sein. Hier zahlt ihr pro Tag und Person 5,80 Euro Parkgebühr.
Auf dem Weg zu den noch 65 Kilometer entfernten Salz-Ton-Pfannen, auch Vlei genannt, tauchen im warmen Licht der aufgehenden Sonne Ballons am Horizont auf.

Am Fuße der 150 Meter hohen Düne an Kilometer 45 parken bereits zahlreiche Fahrzeuge. Auf dem Rücken der wohl bekanntesten Düne bewegen sich in der Ferne emsig Menschen.
Nach 20 weiteren Kilometern endet auch unsere Fahrt. Nun sind wir die kleinen Punkte, die sich mühsam am tiefen, feinen Sand von Big Daddy abarbeiten, um eine der höchsten Dünen zu erklimmen. Von oben blicke ich über das schier endlose rote Sandfeld, das sich mit weißen Pfannen mischt.

Die abgestorbenen Akazienbäume des Deadvlei setzen malerische Akzente in der unwirtlichen Landschaft, die kaum Leben zulässt. Im benachbarten Sossusvlei baut unser Guide den Picknicktisch unter einem Kameldornbaum auf. Ein Schakal liegt faul im Schatten und schaut uns bei unserem Frühstück in der Wüste zu. Morgen tauschen wir die Wüste gegen den Atlantik ein – in der „deutschesten” Stadt Namibias, Swakopmund.

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