Verfasst von Anika Landsteiner am 18.11.2014

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Städtereise München

München leuchtet

Augenzwinkernd wird München das Millionendorf genannt. Wo, wenn nicht hier, kann man also einen Tag voll kultureller Vielfalt erleben und auf lässigen Charme treffen, während man sich nie in unübersichtlichem Großstadtzirkus verliert? Mein Spaziergang durch München, eine Stadt, in die ich vor acht Jahren kam und seitdem nicht mehr weg möchte – der bayerischen G’mütlichkeit sei’s gedankt.

Auf den Spuren der Dichter und Denker

Im Café Jasmin starte ich meinen Tag. Das schmucke Kaffeehaus liegt in der Maxvorstadt, die dank ihrer ehemaligen prominenten Bewohner wie Thomas Mann und Paul Klee das „Gehirn Münchens“ genannt wurde. Im Jasmin lässt sich bei Trüffeltarte und einem Cappuccino mit feinstem Milchschaum die Atmosphäre genießen, denn das Interieur steht unter Denkmalschutz. Es ist seit 1950 weitgehend original erhalten und bewahrt sich dadurch einen heimeligen Charme, wie wir ihn eigentlich nur aus Omas Wohnzimmer kennen.

In der Maxvorstadt findet man sämtliche Hochschulen und Museen angesiedelt, daher lohnt sich ein Streifzug entlang der Pinakotheken und Galerien. Gerade sonntags, wenn der Eintritt in die Museen nur einen Euro kostet, fällt die Auswahl schwer. Ich persönlich besuche gerne das Brandhorst, weil die Ausstellungsräume überschaubar sind und es regelmäßig für Überraschungen sorgt. Gegenüber ist übrigens die beste Eisdiele Münchens zu finden, das Bala Beni. Wenn die Schlange mal wieder 50 Meter lang ist, empfiehlt es sich gerade deswegen, sich einzureihen, denn Schoko-Ingwer und Rote Früchte zerschmelzen im Mund wie sonst nirgendwo.

Meine Liebe

Für ein Eis ist es mir heute allerdings zu kalt, ich habe Hunger auf ein deftiges Mittagessen. Das Joon, nur ein paar Gehminuten entfernt, bietet eine kleine, jedoch genau deswegen schmackhafte Auswahl an Speisen. Pasta Rucola, ordentlich gepfeffert und mit Weißweinsoße angereichert, wird mit leckerem Baguette für nur 6,10 Euro serviert. Hier sitze ich gerne länger und schreibe bei einem Glas Wein, denn das Wort Joon das ist Persisch und bedeutet „Meine Liebe“ – Liebe zum Detail, die sich beispielsweiseim Holztresen widerspiegelt, der eigenhändig und nicht ganz perfekt gezimmert wurde.

Ich mache einen kleinen Spaziergang in der Nachbarschaft und laufe zum Alten Nordfriedhof. Dieser von einer roten Backsteinmauer eingeschlossene Park war bis 1939 ein Friedhof, wird heute allerdings zum Joggen genutzt, um Picknicks zu veranstalten oder mit einem Buch auf der Parkbank zu entspannen. Zu jeder Jahreszeit beobachte ich hier gerne die Münchner dabei, wie sie Ruhe und Zuflucht suchen zwischen den alten Gemäuern. Während Kinder zwischen den verwilderten Gräbern von Montgelas und anderen prominenten Beigesetzten herumspringen, laufe ich einmal quer durch den kleinen Park und fahre dann mit den Öffentlichen ans Isartor, um am Fluss entlang Richtung Süden zu flanieren.

Bücherwürmer und Cocktailgenuss

An der Reichenbachbrücke angekommen, führt mein Weg direkt in die Buchhandlung Isarflimmern, die unter Münchner Kennern als das bestsortierte Buchmekka angesehen wird. Ich lasse mich in die alten Sofas fallen und plaudere bei einem kostenlosen Kaffee mit der Geschäftsführerin über ihre persönlichen Lesetipps. Im Isarflimmern finden Belesene, was das gedruckte Herz begehrt: Statt Ramsch-Romane und Bestsellertürme gibt es hier unabhängige Verlage zu entdecken, schicke München-Mitbringsel und wunderschön illustrierte (Kinder-)Bücher.

Zum Abschluss des Tages betrete ich heute ein paar Häuser weiter das von außen unscheinbare The Flushing Meadows, ein Designhotel mit einer unverkennbaren Bar im obersten Stock. Der Betreiber, ein Münchner Urgestein in puncto Gastronomie, legt Wert auf gediegenes Ambiente, daher lohnt es sich, vorab zu reservieren.

Es ist aber glücklicherweise noch etwas frei und so fährt der Aufzug in den vierten Stock und ich nehme Platz in der stilvollen Hotelbar im Dandy-Look, lasse mir den wahrscheinlich besten Cocktail der Stadt mixen und gleichzeitig meinen Blick über Südmünchen schweifen. Dunkel ist es bereits, aber München leuchtet. Und das wusste auch schon Thomas Mann.

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