Verfasst von Cornelia Lohs am 18.05.2015

Mexiko-Stadt – über 2.000 Jahre Geschichte an einem Tag

Ich stehe auf der Plaza Mayor, dem zweitgrößten Platz der Welt, auf dessen Fläche sicher mehr als zehn Fußballfelder unterkämen. Die Einheimischen nennen ihn Zócalo. Eigentlich hätte 1840 auf dem Platz ein Denkmal zur Erinnerung an die Unabhängigkeit aufgestellt werden sollen. Der Sockel stand, das Denkmal wurde jedoch nie gebaut. So kam der Platz zu seinem Spitznamen Zócalo, was übersetzt „Sockel“ heißt. Schon morgens um neun Uhr herrscht geschäftiges Treiben auf dem Platz. Straßenhändler haben ihre Waren ausgebreitet – T-Shirts, bunte folkloristische Kleidung, traditioneller Silberschmuck, bestickte Taschen und jede Menge Kleinkram. Daneben werden an kleinen Ständen eifrig Tortillas gebacken und frische Säfte gepresst. Auf dem Boden sitzen Jugendliche, singen und spielen Gitarre.

Der historische Kern von Mexiko-Stadt

Rund um den Zócalo stehen die wichtigsten und ältesten Gebäude der Stadt. Die monumentale Kathedrale, der Stadtpalast und der gigantische Nationalpalast, seit über 200 Jahren der offizielle Sitz der Regierung. Der Zócalo ist das historische Zentrum der Stadt, denn hier stand im 15. Jahrhundert ein Aztekenpalast. Damals hieß Mexiko-Stadt Tenochtitlán und war die Hauptstadt der Azteken. Ich mache mich auf zur Nordostecke des Platzes zu den Überresten des Templo Mayor. Mit über 60 Metern Höhe war er einst der größte Aztekentempel Mexikos. Nach der Eroberung 1521 machten die Spanier ihn dem Erdboden gleich. Eine monumentale Ausgrabungsstätte breitet sich vor mir aus. Ich wandere auf den labyrinthartigen Wegen zwischen den freigelegten Mauern und Treppen und bewundere die verschiedenen Überbauungen.

Fundstücke, die seit den Ausgrabungen 1978 immer wieder entdeckt werden, sind im dazugehörigen Museum ausgestellt. Für einen Museumsbesuch habe ich allerdings keine Zeit, denn es drängt mich nach Coyoacán, den Stadtteil, wo das Frida-Kahlo-Haus steht. Ich winke mir ein rot-goldenes Taxi auf der Straße heran und gebe dem Fahrer die Adresse. Taxifahren ist in Mexiko günstiger als in Deutschland: Für die 15-minütige Fahrt zahle ich nur 20 mexikanische Pesos. Das sind umgerechnet gerade mal 1,20 Euro.

Die legendäre Casa Azul – das Haus von Frida Kahlo

Nach dem Tod ihrer Eltern strich die berühmte Malerin ihr Elternhaus zum Schutz gegen böse Geister blau an. Als sie mit ihrem Mann Diego Rivera hier lebte, war das Haus beliebter Treffpunkt von Künstlern und Intellektuellen.

Als ich das Haus betrete, habe ich das Gefühl, als käme Frida jeden Moment zu irgendeiner der vielen Türen herein. Das liegt daran, dass seit ihrem Tod fast nichts im Haus verändert wurde. Das lichtdurchflutete Haus inmitten eines grünen Gartens ist voller Gemälde, mexikanischer Kunst aus Keramik, Pappmaché und Glas, prähispanischer Skulpturen, Skizzen, Entwürfe und persönlicher Gegenstände. In ihrem Atelier steht ihr Rollstuhl vor einer Staffelei. Ich schaue auf ein letztes angefangenes Gemälde. Sie starb, bevor sie es beenden konnte.

Im Schlafzimmer steht ihr Himmelbett mit einem Spiegel darüber, den sie zum Zeichnen brauchte. Hier verbrachte sie ihre letzten Lebensjahre, hier starb sie 1954. Am Bettende steht die Urne mit ihrer Asche – ein altmexikanischer Steintopf. Auf dem Kissen im Bett liegt ihre Totenmaske, auf einem Bügel hängt eines ihrer berühmten bunten Gewänder.

Nach der Besichtigung schlendere ich durch das wunderschöne Künstlerviertel Coyoacán mit seinen kolonialen Prachtbauten und dem idyllischen Park Jardin del Centenario.
(Info: Museo Frida Kahlo, Londres 247, Stadtteil Coyoacán. Di-So 10-17.45, Mi 11-17.45 Uhr. Eintritt ca. 5 Euro).

Wandmalereien von Diego Rivera

Mexikanische Freunde haben mir einen Geheimtipp gegeben, der in fast keinem Reiseführer erwähnt wird. Im Gebäude des Erziehungsministeriums (Secretaría de Educación Pública)befinden sich rund um den großen Innenhof auf drei Stockwerken monumentale Wandmalereien von Diego Rivera. Auch wenn es sich um ein Regierungsgebäude handelt, ist der Zugang öffentlich und kostenlos dazu. Ich winke mir wieder ein Taxi heran und lasse mich für umgerechnet weniger als zwei Euro dorthin fahren.

Vor dem Ministerium stehen bewaffnete Polizisten, die mir freundlich zunicken, als ich durch das Tor trete. Was ich an den Wänden sehe, ist gigantisch. So viel Diego Rivera auf einmal und dann gleich auf mehreren Etagen. Den Innenhof kenne ich aus dem Film „Frida“. Die Szene, in der Frida als junge Studentin erstmals auf Rivera trifft, wurde hier gedreht.

(Info: Secretaría de Educación Pública, Calle Republica de Argentina 28. Die Innenhöfe sind Mo-Fr von 10-18 Uhr frei zugänglich).

Teotihuacán – Wo der Mensch zu Gott wird

Ich möchte heute unbedingt noch die berühmten Pyramiden vor den Toren der Stadt sehen. Es ist Mittag, mein Magen knurrt. Auf dem Weg zur Metro-Station am Zócalo kaufe ich mir an einem Stand ein paar vegetarische Tortillas für umgerechnet 20 Cent das Stück, die ich unterwegs esse. Ich fahre zum ersten Mal mit der Metro in Mexiko und wundere mich über den niedrigen Preis für mein Ticket, das umgerechnet nicht einmal 10 Cent kostet. Ziel ist der Busbahnhof Central del Norte, wo Busse in alle Richtungen des Landes fahren. Ich nehme die Linea 2 und fahre drei Haltestellen bis zu Hidalgo, steige um in die Linea 3 bis nach La Raza und steige dort in die Linea 5, mit der es nur noch eine Haltestelle bis zum Busbahnhof ist. „Steck deine Kamera in die Tasche“, sagt eine ältere Frau, die neben mir steht. „Hier wimmelt es von Taschendieben.“ Gewohnheitsmäßig hatte ich meine Kamera über die rechte Schulter gehängt und überhaupt nicht an Taschendiebe gedacht. Die Frau nickt freundlich, als ich sie wegpacke. Am Busbahnhof marschiere ich ans Ende der Halle zum Schalter „Autobuses Teotihuacán“. Busse fahren alle 30 Minuten. Die Fahrt zu den 50 Kilometer entfernten Pyramiden dauert knapp eine Stunde, das Ticket kostet umgerechnet 5 Euro. Der Bus mit bequemen Polstersitzen ist voller Touristen aus aller Welt. Als wir in Teotihuacán ankommen, ist es bereits Nachmittag und die Sonne brennt heiß.

Wie aus dem Hochglanzreisemagazin liegen die Pyramiden aus dem 4. Jahrhundert vor mir. Besiedelt wurde das Tal bereits 1500 vor Christus. Als die Azteken die Ruinenstadt im 14. Jahrhundert entdeckten, hielten sie diese für einen mystischen Ort und gaben ihr den Namen Teotihuacán, was übersetzt „wo der Mensch zu Gott wird“ bedeutet. Hauptattraktion ist die Sonnenpyramide, die drittgrößte Pyramide der Welt. Steile 248 Stufen sind es hinauf bis zur Spitze.

Der Weg ist mühsam. Ganz besonders in der sengenden Hitze und mit den falschen Schuhen. Dummerweise trage ich Ballerinas. Immer wieder rutsche ich ab und muss mich an den Stufen festhalten. Ich frage mich, wie die Azteken damals wohl in ihren selbst gemachten Sandalen hinaufkamen. Oder gar barfuß!

Der Blick von oben über die anderen Pyramiden und die weite Landschaft ist spektakulär und entschädigt für die Strapazen des Aufstiegs. Hinunter gehe ich seitwärts, um nicht auszurutschen. Unten brauche ich erst einmal etwas zu trinken – zum Glück gibt es hier jede Menge Marktstände. Der nächste Bus nach Mexiko-Stadt fährt erst in 30 Minuten. Unschlüssig stehe ich herum, als mich zwei Italienerinnen ansprechen und fragen, ob ich auch nach Mexiko-Stadt zurückmöchte und wenn ja, ob wir uns ein Taxi teilen könnten. Da ich keine halbe Stunde in der Hitze warten möchte, sage ich ja. Die Taxifahrt zurück zum Busbahnhof dauert 45 Minuten. Umgerechnet zahlt jede von uns 12 Euro.

Abendessen mit Margaritas und Mariachi-Musikern

Mexikaner essen erst spät zu Abend. Gegen 21 Uhr bin ich mit Freunden in der legendären „La Opera Bar“ verabredet, die es schon seit 1876 gibt. Dort hat der Freiheitskämpfer Pancho Villa während der Mexikanischen Revolution 1910 ein Loch in die Decke geschossen, das immer noch zu sehen ist. Der Kellner zeigt es mir freudig, ist es doch die Sensation des Restaurants. Auf der Speisekarte sehe ich nur Fleischgerichte, aber der Küchenchef ist bereit, mir ein vegetarisches Menü zuzubereiten.

Als wir nach dem Essen bei leckeren Margaritas sitzen, kommen Mariachi-Musiker, die typisch mexikanische Musikformation, mit Gitarre, Geige und Trompete an unseren Tisch. Für ein paar Pesos spielen sie mein mexikanisches Lieblingslied „Perfidia“. La Opera Bar gehört zwar zu den etwas teureren Restaurants in der Hauptstadt, ist aber ein absolutes Highlight. Mehr als umgerechnet 20 Euro zahle ich nicht für Essen, Wein und den Margarita-Cocktail.

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