Verfasst von Jana Zieseniß am 20.08.2015

Marokko: Marrakesch zwischen lebhaften Souks und Oasen der Ruhe

Neugierig beobachte ich das Treiben auf dem Djemaa el Fna, dem großen Platz im Zentrum von Marrakesch. Ich habe mir einen Tisch in der ersten Reihe in einem der schönen Restaurants mit Dachterrasse ausgesucht, die mir eine fantastische Rundumsicht ermöglicht. Die Sonne geht langsam unter und ein kühler Wind weht um meine Nase. Ich bin ganz froh, den Trubel dort unten aus einigem Abstand beobachten zu können. Denn gerade vollzieht sich das allabendliche Spektakel: Die Gaukler und die Verkäufer des leckeren Orangensaftes (unbedingt probieren!) weichen Hunderten von Garküchenständen, die den Platz in ein riesiges Freiluftrestaurant verwandeln.

Abendessen auf dem Djemaa el Fna

Nummer 14 soll der beste Stand auf dem ganzen Platz sein, hat mir am Vortag meine Reisebekanntschaft aus dem Flieger erzählt. Und deshalb genieße ich hier auf der Dachterrasse lediglich einen frischen Pfefferminztee, den ihr in Marokko übrigens mit viel Zucker genießt, und freue mich schon darauf, mich wieder ins Getümmel zu stürzen.

Als die Sonne vollends hinter dem Atlas-Gebirge verschwunden ist, mache ich mich auf die Suche nach dem hochgelobten Stand. Glücklicherweise fällt dank der praktischen Nummerierung die Orientierung leicht. Und so ignoriere ich alle Rufe der anderen Anbieter und steuere zielgenau auf den einzigen Verkäufer zu, der nicht um meine Aufmerksamkeit buhlt. Vor dem Stand hat sich bereits eine riesige Traube von Einheimischen gebildet, die auch die schmalen Tische und Bänke rechts und links bevölkern.

Als mich der Besitzer sieht, lässt er die Essenden zusammenrücken, um Platz zu schaffen. Als ich mich setze, stehen bereits Fladenbrot und ein paar duftende Dips vor meiner Nase. Dazu bestelle ich „mit Händen und Füßen“ frittierte Tintenfischringe und gebratenen Fisch. Alles sieht sehr frisch aus. Meine Reisebekanntschaft hat mir die Unbedenklichkeit der Speisen auch für den empfindlichen europäischen Magen versichert. Und so sitze ich in all dem Gewusel von Einheimischen und lasse mir mein Essen schmecken, für das ich hinterher umgerechnet keine fünf Euro zahle.

Einkaufsbummel in den Souks

Vom Djemaa el Fna führen mehrere kleine Gassen in das Labyrinth der sogenannten Souks, einem Verbund aus Verkaufsständen, fast wie eine gigantische Markthalle. Jetzt, in der Dunkelheit, würden mich keine zehn Pferde dort hineinbringen, denn ich würde mich hoffnungslos verlaufen. Aber am Tag ist der Bummel vorbei an den Auslagen ein absolutes Muss. Nirgends sonst bekommt ihr so günstige Ledertaschen und andere schöne Mitbringsel für die Daheimgebliebenen. Die wichtigste Regel beim Einkauf in den Souks lautet: Je tiefer ihr hineingeht, desto günstiger ist der Preis. Daher habe ich am Vormittag die aufdringlichen Händler mit einem deutlichen „Nein“ abgewiesen und stattdessen im Inneren des Labyrinths zugeschlagen.

Dem ein oder anderen hartnäckigen Händler oder selbsternannten Touristenführer muss ich entschieden einen Korb geben. Doch ansonsten kann ich mich als alleinreisende Frau in Marrakesch erstaunlich sicher und frei bewegen. Die Einheimischen begegnen mir freundlich und hilfsbereit – von Unruhen und Touristenfallen keine Spur. Ich bin froh, dass sich meine Bedenken, die ich hinsichtlich der Reisesicherheit vor meiner Abreise hatte, so schnell in Luft auflösen.

Ruheoase Maison de la Photographie

Ganz zufällig bin ich auf meinem Einkaufsbummel an der Maison de la Photographie, dem Fotografiemuseum der Stadt vorbeigekommen. In einem alten Riad (marokkanisches Haus mit Innenhof) untergebracht, ist es ein Ruhepol mitten in den Gassen der Medina, der Altstadt von Marrakesch. Das Museum vermittelt mit einer wechselnden Fotoausstellung Eindrücke des alten Marokko aus der Pionierzeit der Fotografie.

Nach der bildreichen Zeitreise lässt es sich herrlich auf der hauseigenen Dachterrasse entspannen, auf der noch dazu gutes Essen serviert wird. Mein Tipp: Probiert unbedingt für circa fünf Euro eine Tajine, ein traditionelles marokkanisches Ofengericht, das in speziellen, gleichnamigen Tongefäßen zubereitet wird.

Wüste oder Strand

Nach drei Tagen im Stadtdschungel sehne ich mich nach ein bisschen Ruhe und Natur. Nichts leichter als das: Für umgerechnet rund 40 Euro buche ich mir einen Tagesausflug zur Wüstenstadt Ait Ben Haddou, die seit 1987 zum Weltkulturerbe zählt und als Drehort von Filmen wie „Gladiator“ oder der Serie „Game of Thrones“ international berühmt wurde. Schon die Anreise lohnt sich, denn die 100 Kilometer lange Fahrt führt mich über den Tizi n’Tichka-Pass im Hohen Atlas, der zu den spektakulärsten Strecken Marokkos gehört.

Wer dagegen das Meer bevorzugt, ist in zweieinhalb Stunden in der atlantischen Hafenstadt Essaouira. Der erste Bus fährt für umgerechnet rund 6 Euro bereits um 8:30 Uhr, so dass genug Zeit bleibt für einen entspannten Stadtbummel und ein erfrischendes Bad im Atlantik, bevor es abends zurück nach Marrakesch geht.

Für mich steht fest: Die Mischung aus exotischer Kultur, Strand, Wüste und Stadttrubel macht Marokko beziehungsweise Marrakesch für mich zum perfekten Reiseziel für einen Kurzurlaub – gerade im Winter. Denn während Freunde, Kollegen und Familie bei Minusgraden frösteln, warten in Marokko Mitte März bereits herrlich angenehme 20 bis 25 Grad. Und was gibt es Schöneres, als dem Winter mal für ein paar Tage zu entfliehen – und das ohne lange Flugzeit!

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