Verfasst von Cornelia Lohs am 17.02.2015

Madeira – vier Jahreszeiten an einem Tag

„Sie möchten die Insel umrunden? Na, dann vergessen Sie Ihren Wintermantel nicht, denn hier erleben Sie sämtliche Jahreszeiten innerhalb von wenigen Stunden“, sagt die Angestellte in der Autovermietung zu mir und mustert mein ärmelloses Top. Es ist Februar. In der Hauptstadt Funchal, im Süden der Insel, ist es heute Morgen schon sehr warm. Ich bin skeptisch. Madeira ist gerade mal 57 Kilometer lang und 22 Kilometer breit und ich kann mir nicht vorstellen, dass die Temperaturschwankungen in diesen kurzen Entfernungen so groß sein sollen.

Die Heimat von Moby Dick

Ich setze mich in den kleinen Renault Clio, orientiere mich an der Straßenkarte (GPS mag ich nicht) und fahre an der Küstenautobahn in östlicher Richtung ins 30 Kilometer entfernte Fischerdorf Canical (Portugiesisch: Caniçal). Hier wurden 1956 die Walfangszenen aus „Moby Dick“ gedreht. Der Ort war einst ein bedeutender Hafen für den Walfang. Zwischen 1940 und 1981 ließen hier 6.000 Pottwale ihr Leben. Heute erinnert glücklicherweise nur noch das kleine Walmuseum „Museu da Baleia“ an diese Zeit. In Canical ist es deutlich kühler als in Funchal, obwohl es nur eine halbe Autostunde von der Hauptstadt entfernt liegt.

Bunte Madeira-Häuschen

Mein nächstes Ziel ist Santana an der Nordküste. 23 Kilometer sind es bis dorthin. Der Ort ist bekannt für die „Casas de Colmo“, die Madeira-Häuschen mit den strohgedeckten, spitzgiebeligen Dächern, die bis fast auf den Boden hinunter reichen.

Was ich sehe sind allerdings nicht die Originalhäuser, die im 15. Jahrhundert von den ersten Siedlern auf Madeira errichtet wurden, sondern Nachbauten. Die Originale sind längst verfallen. Ich betrete eines der Häuschen, das für Touristen frei zugänglich ist. Wer möchte, kann etwas in eine Spendenbox werfen, es ist aber kein Muss. Es ist ganz schön eng im Inneren und ich stelle mir vor, wie zusammengepfercht mehrköpfige Familien hier leben mussten. Santana liegt auf einem Hochplateau über dem Meer und es ist sehr kühl und nebelig. Der herbstliche Teil der Insel, denke ich und ziehe meine Strickjacke aus der Tasche.

Mittagessen mit Blick auf die Steilküste

Portugiesische Freunde haben mir zum Mittagessen das Restaurant in der Quinta do Furao (Portugiesisch: Furão) empfohlen. Die Quinta liegt zwei Kilometer außerhalb von Santana oberhalb der Steilküste auf einem Felsplateau inmitten von Weinbergen und Gärten. Steil fällt das Plateau in den smaragdgrünen Atlantik hinab. Unter mir brechen die Wellen tosend an den Felsen. Fast gespenstisch tauchen die roten Steinklippenim Nebel auf.

Die Klippen auf Madeira sind entweder aus schwarzem Vulkangestein oder rot, wie vor der Quinta do Furão. © Cornelia Lohs
Die Klippen auf Madeira sind entweder aus schwarzem Vulkangestein oder rot, wie vor der Quinta do Furão. © Cornelia Lohs
An klaren Tagen soll man bis nach Porto hinüber schauen können. Das Restaurant gehört der Madeira Wine Company. Kein Wunder, dass die Weinkarte das ganze Spektrum an Weinen der Insel umfasst. Probieren kann ich keinen, denn ich bin ja mit dem Auto unterwegs. Auf der Karte werden typische Landesspeisen angeboten, wie zum Beispiel der schwarze Degenfisch, aber (zum Glück für mich) auch vegetarische und vegane Menüs. Ich bestelle mir zur Vorspeise einen großen gemischten Salat, als Hauptgericht gegrilltes Gemüse mit Reis und zum Nachtisch Blaubeersorbet. Nicht-Vegetarier sollten unbedingt den schwarzen Degenfisch probieren, denn der ist das kulinarische Highlight der Insel, wie meine portugiesischen Freunde meinen. Ein Menü im Quinta do Furão kostet zwischen 15 und 25 Euro, je nachdem, was man isst. Ich selbst zahle mit Getränk (Mineralwasser) 17 Euro.

Nach dem Essen steht mir der längste und steilste Streckenabschnitt bevor.

Das Hochmoor von Paul da Serra

Ich fahre auf der Küstenautobahn nordwestlich und biege bei São Vicente ins Landesinnere ab. Das Hochmoor von Paul (Portugiesisch: Paúl) da Serra ist mein nächstes Ziel. Es liegt 1.500 Meter hoch. 50 Kilometer sind es bis dorthin. Die Straße ist kurvenreich. Je höher ich komme, desto nebeliger wird es und desto spärlicher ist die Vegetation. Nur Gräser und Farn wachsen in dem rauen Klima. Ab und zu überhole ich winterlich eingepackte Wanderer. Auf einem Parkplatz halte ich an und gehe ein Stück zu Fuß weiter. Dorthin, wo man einen Blick auf die Schlucht von Rabacal, auf Wasserfälle und die steile Westküste der Insel hat. Die Landschaft erinnert mich an die schottischen Highlands.

Der Wind bläst heftig und es ist so kalt, dass ich mir meinen Wintermantel herbeisehne. Hätte ich ihn doch bloß mitgenommen! Länger als zehn Minuten zum Fotografieren halte ich es in der Kälte nicht aus. Ich sprinte zum Parkplatz zurück, steige ins Auto und fahre über die Küstenautobahn Richtung Westen.

Lava-Schwimmbäder

Nach 30 Minuten erreiche ich Porto Moniz an der Westspitze und befinde mich nun in frühlingshaften Temperaturen. Der kleine Ferienort ist für seine Pools im Vulkangestein bekannt, die vor mehreren tausend Jahren durch vulkanische Aktivitäten entstanden sind.

Hier erinnert man sich wieder daran, dass Madeira ja eigentlich der Gipfel eines aus dem Atlantik ragenden Vulkans ist. Gerne würde ich zwischen den Lavafelsen hindurch schwimmen, aber das Wasser ist noch zu kalt, es hat nur 10 Grad. An der Westküste entlang fahre ich in die 50 Kilometer entfernte Hauptstadt zurück und lege kurz vor Funchal noch einen kurzen Stopp ein.

Camara de Lobos – Winston Churchills Lieblingsort

Das kleine Städtchen Camara (Portugiesisch: Câmara) de Lobos ist dank Winston Churchill der bekannteste Fischerort der Insel. Der ehemalige britische Premierminister zog sich regelmäßig nach Madeira zum Malen zurück und verewigte den Ort auf einem Gemälde. Eine Gedenktafel im Ortskern erinnert an diese Begebenheit. Während seiner Madeira-Aufenthalte wohnte Churchill im Reid’s Palace, heute mein letztes Ziel.

Nachmittagstee im Reid’s Palace

Die pastellfarbene Nobelherberge ist ein Klassiker unter den Luxushotels. Kaiserin Sisi sowie viele andere Berühmtheiten haben hier schon logiert. Das Hotel liegt über der Bucht von Funchal inmitten eines subtropischen Gartens. Täglich wird von 15:00 Uhr bis 17:30 Uhr auf der Terrasse Tee serviert. Ich schaffe es gerade noch rechtzeitig um 17 Uhr und trage zum Glück weder Jeans noch Turnschuhe, denn die sind hier ein absolutes No-Go. Der Kellner begleitet mich zu einem der kleinen runden Tische auf der Terrasse, bringt mir Tee in einer Silberkanne und eine Etagere mit Sandwiches, Gebäck, Kuchen und warmen Gebäckstückchen (Scones).

Der Nachmittagstee inklusive Leckereien kostet zwar 25 Euro pro Person, ihr solltet euch diese Köstlichkeiten aber unbedingt gönnen! Mit den vielen Gaumenfreuden, dem Blick auf das Meer und den tropischen Gärten fühle ich mich wie im Paradies.

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