Verfasst von Oliver Zwahlen am 17.01.2017

Lissabon: Auf der Suche nach der perfekten Aussicht

Als ich aus dem Elevador de Santa Justa trete, überkommt mich für den Bruchteil einer Sekunde ein Schwindel. Ich befinde mich etwa 45 Metern über dem Boden. Vor mir ein leichtes Gitter, durch das ich auf Lissabons Dächer herabblicken kann. Hinter mir ein Fahrstuhl von der Größe einer Baubaracke, aus dem weitere Besucher drängen. Auch sie wollen die Aussicht genießen.

Fahrstuhl mit Aussicht

Der Stahlturm wurde vor über hundert Jahren errichtet, um die Unterstadt mit der Oberstadt zu verbinden. Wer einfach den Höhenunterschied überwinden will, wählt den Verbindungssteg, der atemberaubende Blicke in den Convento do Carmo erlaubt – ein ehemaliges Kloster, das beim Großen Erdbeben 1755 schwer beschädigt wurde und bis heute kein Dach mehr hat.

Das wahre Highlight ist jedoch das obere Aussichtsdeck, das ich über eine waghalsige Wendeltreppe erreiche. Während ich auf der Plattform meinen Blick zwischen dem Rossio-Platz zu meinen Füßen und der Maurenburg über mir wandern lasse, fasse ich den Entschluss: Ich will den besten Aussichtspunkt der Stadt finden. Dazu habe ich gerade einmal einen Tag Zeit und mit dem bekannten freistehenden Fahrstuhl habe ich die Latte bereits hoch angesetzt.

Der bekannteste Miradouro Lissabons

Nachdem ich mir um die Ecke in der Eisdiele Amorino für 3,50 Euro die angeblich beste Eiscreme der Stadt gegönnt habe, steige ich in die nächste Straßenbahn der Linie 28E ein. Kaum habe ich in dem historischen Waggon einen Sitzplatz gefunden, rattern wir schon durch die engen Gassen der Alfama hoch. Nach wenigen Minuten erreichen wir meinen nächsten Stopp: Den Miradouro de Santa Lucia.

Den Namen hat der Aussichtspunkt von der unscheinbaren Kirche Santa Lucia, die mich mit ihrer strahlend weißen Fassade und den mit Stadtansichten bemalten Kacheln anlächelt. Von hier habe ich eine wunderbare Aussicht über die Alfama und den Tejo – ein Blick, den ich schon von Postkarten kannte. Wer das Panorama etwas länger genießen will, erreicht über ein paar Treppen zahlreiche kleinere Cafés, die oft über eigene Aussichtsplattformen verfügen.

Camara Obscura in der Burg

Von der Kirche Santa Lucia ist es ein Fußmarsch von wenigen Minuten zum Castelo de São Jorge hoch. Die alte Maurenburg überblickt das historische Lissabon, und die massiven Festungswälle sind praktisch von überall zu sehen. Ob sich der schönste Aussichtspunkt Lissabons wohl hier oben befindet?

Eine erste Kostprobe bekomme ich bereits auf dem Vorplatz: Vor hier gibt es einen gewaltigen Ausblick über die Stadt. Noch besser wird es im Innern der alten Burg: Einer der früheren Wehrtürme ist in eine Camara Obscura verwandelt worden.

Hier versammeln wir uns um etwas, das wie ein überdimensionierter Tisch mit einem weißen Tischtuch aussieht. Sobald das Licht ausgeht, zeichnen sich darauf Szenen aus der Stadt ab. Über mehrere Seile bedient unser Guide die Kamera: schwenkt einmal nach links, dann wieder nach rechts und zoomt schließlich ein. Dazu erzählt er uns die Geschichte der Stadt. Ich bin froh, dass ich etwas länger gewartet und eine englischsprachige Tour gewählt habe.

Blick auf den bekanntesten Turm

Die letzte Station für heute ist Belem. Vom bekannten Stadtteil, das sich in etwa 20 Minuten mit der historischen Straßenbahn erreichen lässt, starteten einst die großen portugiesischen Seefahrer, um ihrer Heimat Reichtum und Ehre zu verschaffen.

Das Tram rattert die Küste entlang. Als wir unter der Brücke des 25. Aprils durchfahren, steige ich kurz aus, um ein paar Fotos zu schießen. Über die eindrückliche rote Hängebrücke war ich ein paar Tagen zuvor selber mit dem Auto gefahren. Mich erinnert die Konstruktion stark an die Golden Gate in San Franzisco.

Das Wahrzeichen von Belem ist der Torre de Belem. Leider ist er geschlossen, so dass ich ihn nur von außen anschauen kann. Das macht nichts. Die bessere Aussicht bietet sich ohnehin vom etwas höheren Denkmal der Entdeckungen (Padrão dos Descobrimentos), das sich in ganz in der Nähe befindet.

International bekannt ist der Stadtteil übrigens vor allem wegen den Pasteis. Das sind Blätterteigtörtchen mit einer leckeren Puddingfüllung. Ihren Ursprung haben sie vermutlich im sehenswerten Kloster Mosteiro dos Jerónimos, wo sie einst Mönche zubereitet haben sollen. Wer die Süßspeise heute versuchen will, geht am besten ins benachbarte Casa Pasteis de Belem. Das Besondere an der Patisserie: Hier können Besucher bei der Zubereitung der angeblich leckersten Pasteis des ganzen Landes zusehen.

Und der Gewinner ist…

Während meines viel zu kurzen Aufenthalts in Lissabon habe ich von den unterschiedlichsten Ecken auf die Stadt herabgeblickt – und schön ist die Stadt von überall. Mein persönlicher Favorit ist am Ende aber der Ort geblieben, wo die Suche begonnen hat: Der Aussichtsplattform auf dem Elevador de Santa Justa.

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