Verfasst von Timo Peters am 17.02.2015

Lebensfreude pur auf den Kapverdischen Inseln

Tausende Menschen drängen sich durch die Altstadt von Mindelo. Sie singen und tanzen ausgelassen im Takt mit dem Klang der Trommeln, die in afrikanischem Rhythmus durch die Gassen um die Avenue Manuel Matos hallen. Zwei Männer mit Stöcken und Macheten kommen auf mich zugelaufen, doch ihre kriegerische Verkleidung trügt: Sie strahlen mich mit einem herzlichen Lächeln an, legen ihre Arme um meine Schultern und kurze Zeit später bin ich mittendrin in der riesigen Karnevalsparty auf der Kapverdischen Insel São Vicente.

In Mindelo wird der Karneval nicht nur am Rosenmontag gefeiert. Ab Weihnachten gibt es jeden Sonntag einen Umzug, auf dem die örtlichen Musikgruppen den „Ernstfall“ proben. Die Einwohner von São Vicente unterstützen sie dabei zahlreich – gerne auch wöchentlich.

Kreuzfahrtschiffe beobachten vom Strand

Schließlich verläuft sich die Karnevalsgesellschaft am Praia da Laginha, dem Stadtstrand von Mindelo. Ich mache es den Einheimischen nach und springe ins Wasser, um mich abzukühlen und mir die bunte Schminke aus dem Gesicht zu waschen. Anschließend setze ich mich ins Restaurant „La Sardinha“, unter Palmen und direkt an der Strandpromenade. Von hier aus habe ich das Treiben am Strand im Blick und kann im Hintergrund die Kreuzfahrtschiffe im nahen Hafen beobachten.
Das kleine Lokal ist typisch kapverdisch gestaltet – die Wände knallgelb gestrichen und eine offene, hellblau geflieste Küche, überall blühen Pflanzen in Holz- und Bambuskästen. Dazu läuft im Hintergrund kreolische Musik und eine Kellnerin serviert mir Feijoada. Das kapverdische Nationalgericht besteht vor allem aus Reis und Bohnen, dazu Fisch und Meeresfrüchte. Auch die Preise sind angenehm: Für das komplette Menü bezahle ich 800 Kapverdische Escudos, was umgerechnet ungefähr sieben Euro sind.

Fährausflug nach Santo Antao

Damit lasse ich diesen bunten Tag ausklingen, denn am nächsten Morgen habe ich einen anstrengenden Ausflug vor mir: Ich starte ihn vom Porte Grande, dem Hafen von Mindelo, mit einer Fährfahrt am frühen Morgen nach Porto Novo auf der Nachbarinsel Santo Antao (Portugiesisch: Antão). Pro Tag gibt es zwei Überfahrten, deren Abfahrtszeiten Tagesausflüglern wie mir angepasst sind: Die Fähre sticht für 1.000 Escudos pro Person (etwa 10 Euro) einmal früh morgens und einmal spät nachmittags in See. Während der Überfahrt genieße ich den tollen Blick auf beide Inseln.

Direkt im Hafen von Porto Novo nehme ich mir ein Taxi: Ich habe eine Wanderung geplant, will mir jedoch den anstrengenden Aufstieg sparen. Also lasse ich mich hinauffahren auf den Pico da Cruz – die Taxifahrt dauert ungefähr 45 Minuten und führt für 1.500 Escudos (ca. 15 Euro) durch eine karge, wüstenähnliche Vulkanlandschaft. Am Cova-Krater lasse ich mich absetzen. Hier ändert sich die Szenerie dann vollständig: Vor mir liegt ein tiefgrünes Tal! Ich bin angekommen auf der Wetterseite von Santo Antao – hier regnen sich die Atlantikwolken ab und schaffen so einen fruchtbaren Boden.

Wandern zwischen Bananenplantagen

Zwischen Bananen- und Zuckerohrplantagen schlängelt sich ein gepflasterter Steinweg bergab, ich passiere kleine Bergdörfchen und die Terrassen, auf denen die Bauern ihr Gemüse anbauen. Nach knapp zwei Stunden erreiche ich schließlich den Küstenort Paul (Portugiesisch: Paúl). Dort stoße ich auf eines der sogenannten Aluguers. Diese Sammeltaxis sind auf allen Kapverdischen Inseln ein beliebtes Transportmittel und eine günstige Alternative zum Individualtaxi: Die Fahrt kostet so nur einen knappen Euro.

Zuckerohrschnaps und Live-Musik

Für mich geht es zurück zum Hafen von Porto Novo: Mit der letzten Fähre fahre ich zurück nach Mindelo. Ich bin etwas müde von meinem langen Tag, doch eines will ich mir nicht entgehen lassen: Einige der Karnevalsmusiker vom Vortag spielen heute Abend noch in der Musikbar „Café Musique“. Dazu gibt es frisch gebrannten Grogue – das Nationalgetränk Kap Verdes wird aus genau dem Zuckerrohr gewonnen, durch dessen Plantagen ich noch am Nachmittag gewandert bin. Spätestens jetzt weiß ich, dass das Singen und Tanzen wohl einfach zum kapverdischen Nationalgefühl gehören.

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