Verfasst von Nicole Aupperle am 22.06.2015

La Gomera – zwischen Märchenwäldern und surrealen Berglandschaften

Die Luft riecht nach einem Gemisch aus Lavagestein, Meer und Bananenstauden als ich im La Gomera Urlaub zum Frühstück auf die Dachterrasse meines Hotels im Valle Gran Rey trete. Die Sonne geht grade erst auf. Über allem liegt ein leichter Schleier Morgenröte und die Stille einer Insel, die touristisch deutlich weniger erschlossen ist, als Teneriffa, Gran Canaria oder Fuerteventura. Diese Insel ist Entschleunigung par excellence – das habe ich schon auf der Fähre gespürt, als wir gestern Abend von Teneriffa aus zur zweitkleinsten Kanareninsel übersetzten, dem Sonnenuntergang entgegen.

Nach dem Frühstück fahren wir mit dem Mietwagen die Serpentinen des Valle Gran Reys hinauf. Immer weiter schrauben sich die Straßenkurven die steilen Lavafelsen hinauf. Oben genießen wir die grandiose Sicht auf das Tal des Großen Königs, wie das Valle Gran Rey nach einem Ureinwohner genannt wird. Palmen, kleine Häuschen und Terrassenfelder schmiegen sich an die Hänge der Lavafelsen. Hier wachsen Avocados, Papayas und Bananen.

Die Zauberwälder im Nationalpark Garajonay

In der Mitte der Insel erreichen wir die grüne Lunge La Gomeras, den Nationalpark Garajonay. Wie ein magischer Zauberwald erscheint mir dieser Ort, der zum UNESCO Weltnaturerbe gehört. Überall hängen seltsam grüne Flechten und Moose von den Ästen der Bäume. Diese Lorbeerwälder haben die Eiszeit überdauert und konnten nur hier auf La Gomera überleben. Deswegen sind sie so einzigartig. Wir wandern ein bisschen durch den Nationalpark. Gebirgsbäche plätschern am Wegesrand vor sich hin. La Gomera ist ein erstaunliches Wanderparadies.

Nach dieser kleinen Tour durch die erfrischenden Wälder haben wir uns eine Pause in der Casa Efigenia verdient. Im Restaurant haben wir eine schöne Sicht auf die kleinste kanarische Insel: El Hierro. Donna Efigenia soll den besten Barraquito von La Gomera servieren. Dabei handelt es sich um eine kanarische Kaffeespezialität, bestehend aus Espresso, Kondensmilch, Likör und aufgeschäumter Milch mit einer Zimtschicht. Stimmt: schmeckt sehr köstlich! Donna Efigenia lässt uns auch von ihrem leckeren Kuchen mit Palmenhonig probieren. Der Palmenhonig ist eine weitere Spezialität von La Gomera. Er wird direkt aus den Palmen der Insel gewonnen und zum Süßen von Speisen verwendet. Typisch Gomera ist auch der Gomeron, ein ziemlich starker Schnaps (ca. 5 bis 10 Euro).

Surreale Aussichten vom Mirrador de los Roques

Nach dieser Stärkung geht unsere Erkundungsfahrt über die Insel weiter. Je höher wir die Serpentinen hinauf fahren, desto näher kommen wir dem Himmel. Fast fahren wir durch die Wolken hindurch! Spektakuläre, ja fast unwirkliche Aussichten offenbaren sich uns auf dem Mirrador de los Roques, auf einer Höhe von 1.168 Metern. Es scheint, als schwebten wir über dieser Welt. Von hier aus sieht man auch den Teide, den höchsten Berg der Nachbarinsel Teneriffa und von Spanien. Seine Spitze ragt aus dem Wolkenmeer heraus.

Vom Mirrador de los Roques fahren wir die Straße weiter und kommen in das Dörfchen Agulo auf der Westseite von La Gomera: angeblich das schönste Dorf der Insel. Es wirkt wie ausgestorben um die Mittagszeit. Seine pastellfarbenen Häuschen bieten einen schönen Kontrast zum Atlantik im Hintergrund. Nach einem Rundgang kehren wir wieder ins Valle Gran Rey zurück. In den 70er Jahren war das Dorf ein Paradies für Hippies. Die Einwohner La Gomeras sahen es mit Argwohn, denn die Hippies liefen nackt an den Stränden herum und ernährten sich von den Bananen. Deswegen gaben sie einer Bucht den Namen „Schweinebucht“. Noch immer leben einige Aussteiger auf der Insel. Heute sieht man sie vor allem abends am Strand vom Valle Gran Rey mit ihren Trommeln sitzen. Musik und Feuershows für ein paar Euro von den Touristen.
Ich sitze dabei, trinke ein Bier und schaue ein bisschen zu. Dann wandern mein Blick zum Himmel von La Gomera, der ein fulminantes Farbspiel präsentiert. Ich weiß nicht, ob es die Hippies mit ihren Feuerrädern sind, der Sonnenuntergang auf La Gomera oder die Tatsache, dass nirgendwo die Sterne heller leuchten als über mir und dieser kleinen Kanareninsel: jedenfalls ist das Leben grade gut so, wie es ist. Mehr brauche ich nicht, um glücklich zu sein.

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