Verfasst von Maike Grunwald am 23.06.2015

Kurort Marianské Lázně: Spa-Romantik in Marienbad

Wer Prag besucht, sollte unbedingt auch Marianské Lázně (Marienbad) kennenlernen. Der altehrwürdige Kurort, der im 19. Jahrhundert von Gästen wie Johann Wolfgang von Goethe, Frédéric Chopin und Mark Twain besucht wurde, ist von der tschechischen Hauptstadt mit dem Schnellzug „SuperCity Pendolino“ in gut zwei Stunden bequem erreichbar (einfache Fahrt: umgerechnet ca. 8 Euro inkl. vorgeschriebener Reservierung, Buchung einfach auf Deutsch über die Internetseite der tschechischen Bahn). Ich habe für ein langes Wochenende dort Kurluft geschnuppert – und wäre gerne noch länger in dem verträumten Badeort geblieben.

Eingebettet im Kaiserwald

Allein schon die Fahrt von Prag über Pilsen (Kulturhauptstadt 2015) durch die herrliche Gebirgslandschaft, die Marienbad umgibt, ist eine Reise wert. „Ich habe noch nie eine pittoreskere Reise unternommen“, schrieb der sonst so kritische Schriftsteller Mark Twain 1892 in seiner Reisebeschreibung „Marienbad – eine Gesundheitsfabrik“. Der Badeort liegt eingebettet in das Schutzgebiet Kaiserwald (Slavkovský les). Das angenehme Gebirgsklima gehört auch zu den gesundheitsfördernden Vorteilen von Marianské Lázně.

Ein Kurort für Dichter und Könige

Seinen Status als weltberühmter Badeort verdankt Marienbad allerdings den mehr als 40 Heilquellen, die hier in einzigartiger Dichte vorkommen. Ihretwegen wurde es 1818 offiziell zum Kurort erklärt und erblühte zu einem Mekka der Reichen und Berühmten aus aller Welt. Zu den bekanntesten Badegästen gehörten neben Goethe, der sich hier als alter Mann unglücklich in die erst 17-jährige Ulrike verliebte, auch Franz Kafka, Johann Strauss und Henry Kissinger.

Der englische König Edward VII. verbrachte zwischen 1897 und 1909 neun Sommer in Marienbad, um Heilwasser zu trinken, Moorbäder zu nehmen und mit Kurschatten zu flirten, traf hier aber auch wichtige Herrscher wie den österreichischen Kaiser Franz Josef I. „Ich habe ganz Indien, Ceylon, alle Bäderstädte in Europa besucht, aber nirgends hat mich die Poesie der wunderschönen Natur so am Herzen berührt wie hier in Marinebad“, schwärmte er.

Alte Pracht in neuem Glanz

Auch ich bin ganz verzaubert. Die mondäne Bäderarchitektur mit ihren Jugendstilfassaden im Zuckerbäcker-Stil, den großen Hotels und historischen Kurort-Kolonnaden verleiht dem Ort eine romantische Atmosphäre. Die Gebäude, die den zweiten Weltkrieg relativ unbeschadet überstanden hatten, verfielen während der Sowjetzeit, größtenteils aus Mangel an Renovierungen. Bis heute wirken einzelne der alten Prachtbauten marode, doch die meisten erstrahlen inzwischen aufwendig restauriert in neuem Glanz.

Bei einem Spaziergang durch die historischen Kuranlagen und den traumhaften Kurpark mit seinem alten Baumbestand betrachte ich die kleinen und großen Pavillons der verschiedenen Heilquellen. Jede hat ihre eigene spezielle Mineralien-Komposition und gesundheitsfördernde Wirkung. Sie helfen bei Atemwegs- und Stoffwechselerkrankungen, Verspannungen oder Schmerzen des Bewegungsapparates. Um den Effekt zu spüren, empfehlen Experten einen Kuraufenthalt von mindestens einer Woche.

Schnabeltassen für berühmte Quellen

Etliche Quellen sind eigene Berühmtheiten, wie beispielsweise die Marienquelle, der das Kurbad seinen Namen verdankt: Sie enthält viel natürliche Kohlensäure und wurde als erste für Bäder genutzt. Andere eignen sich für Trinkkuren, etwa die Ferdinandquelle, die bei Verdauungsbeschwerden empfohlen wird. Wie ihr Wasser schmeckt, konnte ich nicht feststellen: Das extrem salzhaltige Wasser darf nur mit ärztlicher Erlaubnis innerlich angewandt werden. Dafür genieße ich den Anblick der imposanten Ferdinand-Kolonnaden, die 1827 um die Quelle erbaut wurden.

Gleich kommt Goethe um die Ecke, denke ich, als ich durch den Kurpark schlendere, zurück zum Pavillon der Kreuzquelle an der zentralen Kolonnade, um auch dieses berühmte Wasser zu probieren. Profi-Kurgäste tragen dafür ihre eigenen Schnabeltassen zum langsamen Schlürfen mit sich herum. Für Anfänger wie mich gibt es Pappbecher. Kurz überlege ich, eine der hübschen Porzellantassen als Souvenir zu erstehen. Aber nachdem ich einige Schlucke Heilwasser probiert habe, lasse ich es bleiben. Jetzt verstehe ich Mark Twains ironische Bemerkungen über den Geschmack der Quellen. Um ihn wieder loszuwerden, esse ich leckeres „Trdelník“: traditionelles Gebäck aus der Slowakei, das an Ständen frisch gebacken und noch warm verkauft wird (ca. 2 Euro).

Prickelnde Bäder im Spa-Bereich

Herrlich ist hingegen die äußere Quell-Anwendung: ein Bad in warmem Mineralwasser! Ich genieße es im traditionsreichen Kurhotel „Grand MedSpa Marienbad“ (30 Minuten, 26 Euro: Spa ist in Tschechien immer noch sehr günstig). Das frühere „Hotel Casino“, das nach aufwendigen Restaurierungen und Erweiterungen heute ein Vier-Sterne-Haus der Nobel-Gruppe Falkensteiner ist, unterhält einen 2.500 Quadratmeter großen Medical-Spa-Bereich mit fünf Pools und hat eine hauseigene Heilquelle, die Alexandraquelle.

Nicht gerade einladend: Das Wasser ist schmutzig-braun, wegen des hohen Mineralgehalts. Aber eine Wohltat! Durch die reichlich enthaltene Kohlensäure fühlt sich das Wasser samtweich an und prickelt wie Champagner. Als Teil einer Kur mehrmals angewandt, soll diese seit 200 Jahren bewährte Therapie nachhaltig die Durchblutung fördern. Die entspannende Wirkung merke ich sofort.

Fuß-Massagen, Klassik – und eine singende Fontäne

Wohltuend ist auch die anschließende Fußreflexzonen-Massage (25 Minuten, 30 Euro), obwohl sie teilweise etwas schmerzhaft ist. Aber hinterher fühle ich mich großartig. Ich frage dem Therapeuten Löcher in den Bauch und erfahre, welche Zonen am Fuß auf Leber oder Magen wirken. Wir sprechen Deutsch: Das Personal ist darauf eingestellt, dass 80 Prozent der Hotelgäste aus Deutschland kommen. Dann schwebe ich im Floating-Solepool des Spa-Bereichs, gönne mir anschließend ein köstliches Abendessen mit böhmischen Knödeln im Edel-Restaurant „Johann Strauss“ – und bin bettreif.

Trotz Müdigkeit möchte ich das reiche Kulturangebot nutzen, das die Kurgäste während ihrer teils wochenlangen Aufenthalte unterhält. Ganzjährig gibt es zum Beispiel Klassik-Konzerte in der evangelischen Kirche, an deren Orgel Albert Schweitzer 1923 spielte. Ich aber bin extra zum berühmten Chopin-Festival gekommen, das jährlich in der dritten Augustwoche mit dem westböhmischen Symphonieorchester und Solisten aus aller Welt stattfindet. Als ich im opulenten Saal des alten Hotels „Casino Bellevue“ erstklassige polnische und tschechische Musiker Stücke von Chopin und Schubert spielen höre, bin ich zu Tränen gerührt.

Bevor ich ins Bett falle, sehe ich mir noch die beliebte „Singende Fontäne“ an: Jede ungerade Stunde erklingt Musik zu dem Wasserspiel im Brunnen der zentralen Kolonnade. Um 21 und 22 Uhr wird es zusätzlich bunt beleuchtet. Manch einer mag das kitschig nennen – ich finde es romantisch.

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