Verfasst von Lea Hajner am 20.11.2014

Kunst, Kultur und eine Melange, bitte!

„Herr Ober! Ich hätt’ gern eine Melange. Und ein Stück Sachertorte, danke.“ Ich lehne mich zurück und schaue aus dem Fenster. Das Café Drechsel am Wiener Naschmarkt ist eines meiner Lieblings-Cafés in ganz Österreich. Hier kehre ich immer wieder gerne ein, wenn ich auf Heimatbesuch in Wien bin. Es dauert nicht lange, da kommt der Kellner mit meinem Kaffee: einer Melange, wie sie hier so schön heißt. Das ist ein Espresso mit Milch und Milchschaum, keinesfalls aber Sahne. Die würde hier außerdem Schlagobers heißen. Und das will ich höchstens neben meinem Stück Torte sehen. Die Sachertorte ist zwar auch ohne Sahne schon saftig genug, aber wenn ich schon mal in Wien bin, will ich mir schließlich auch etwas gönnen.

Multikulti am Naschmarkt

Draußen vor dem Fenster des Kaffeehauses herrscht reges Treiben am Naschmarkt. Hier fängt der Balkan an, sagt man. Zumindest kulinarisch, denn zwischen den bunten Verkaufsständen haben sich orientalisch inspirierte Cafés durchgesetzt. Nach dem Frühstück schlendere über den Markt, verkoste Oliven und kann mich nur schwer selbst davon abhalten, die leckeren Datteln mit Schafkäse und Speckmantel zu kaufen. Die wären jetzt unpraktisch im Gepäck, denn heute steht ein Museumstag in meinem Kalender.

Gustav Klimts „Der Kuss“

Eine halbe Stunde später stehe ich vor dem Eingang des Oberen Belvederes (Prinz Eugen-Straße 27) in einer Traube aufgeregter Japaner. Wir wollen alle das Gleiche: Tickets kaufen und die Ikone des Wiener Jugendstils, Gustav Klimt, sehen. Die Karte nur für das Obere Belvedere kostet 11 Euro für Erwachsene (bis 18 Jahre gratis Eintritt) und gewährt einem Zutritt zu mehren Ausstellungen. Aber die meisten Besucher wollen ohnehin nur eines sehen: das berühmte Gemälde „Der Kuss“. Der ist auch sehenswert. Und in echt wirken Gemälde, die man schon tausendmal abgebildet gesehen hat, dann doch jedes Mal anders. Mein Klimt-Lieblingsbild hingegen heißt „Judith“, die kecke halbnackte Dame mit den schwarzen, toupierten Haaren und dem goldenen Hintergrund. Es ist die größte Klimt-Sammlung weltweit, die es hier zu sehen gibt. Darüber hinaus gibt es hier aber auch jede Menge anderer Meisterwerke internationaler Künstler, wie Werke von Claude Monet, Edvard Munch oder Vincent van Gogh.

Egon Schiele im Leopold-Museum

Inspiriert von schönen Bildern, floralen Jugendstilmustern und leicht belustigt über die Japaner, die immer noch mit dem Museumswärter diskutieren, wohin sie ihre Kamera nun mitnehmen dürfen und wohin nicht, verlasse ich das Museum wieder und spaziere durch den Schlosspark abwärts.

Für den Nachmittag hatte ich eigentlich einen Besuch in der Albertina geplant. Aber so sehr ich das Museum auch schätze, irgendwie fühle ich mich immer etwas überfordert von der schier nicht enden wollenden Anzahl an Ausstellungsräumen. Außerdem meldet sich eine Studienfreundin bei mir und lädt mich ein auf einen Kaffee im MQ – dem Museumsquartier.

Im Museumsquartier-Komplex ist immer was los. Im Leopold Museum gibt es gerade die größte Egon-Schiele-Ausstellung der Welt zu sehen. Der war übrigens ein Schüler von Klimt. Hier bin ich abends im Museums-Café auch gern mal auf einen „weißen Spritzer“ (die Weißweinschorle in Wien). Gegenüber im MUMOK (Museum Moderner Kunst) gibt es Werke moderner und zeitgenössischer Kunst zu sehen, unter anderem Werke von Andy Warhol, Joseph Beuys und von Künstlern des Wiener Aktionismus.

Vermeer im Kunsthistorischen Museum

„Lea, hier sind wir!“ Anja, meine Freundin, winkt mich freudig zu sich her. Gemeinsam mit anderen Freunden sitzt sie auf den sogenannten Enzis – den bananenähnlichen Sitzbänken, die quer über den Hof verteilt stehen und jedes Jahr in einen anderen Farbtopf getaucht werden. Hier lässt es sich gemütlich in der Sonne sitzen. Die Getränke holen wir uns von den Bars und Cafés ringsum.

Kurz vor 17 Uhr verabschiede ich mich und breche zu meinem letzten Museumsbesuch auf. Direkt gegenüber vom MQ befindet sich das Kunsthistorische Museum, für das ich eine Jahreskarte besitze. Es beherbergt unter anderem eine umfassende Gemäldegalerie (Peter Paul Rubens, Albrecht Dürer, Pieter Bruegel d.Ä. etc.), für die mir heute – das Museum schließt um 18 Uhr – keine Zeit mehr bleibt. Als wäre es ein alter Bekannter, statte ich Vermeers Bild „Die Allegorie der Malerei“ einen Besuch ab. Nun ist mein Wien-Kulturausflug perfekt. Bis bald, mein liebes Wien. Bussi und baba!

Weitere Beiträge von Lea Hajner

Weitere Beiträge zu Wien & Umgebung

Weitere Beiträge zu den Urlaubsarten: Städtereise

4 Tage in Athen

Die wichtigsten Highlights in Athen besucht Stefanie Thimm – in vier Tagen in ...

Zum Artikel

Montmartre, je t´aime!

Nicht umsonst wird Paris "die Stadt der Liebe" genannt. Besonders Montmartre...

Zum Artikel

24 Stunden in Amsterdam

In den Gesichtern der Gäste macht sich ein Lächeln breit, wenn die Kellnerin...

Zum Artikel

Frühling in Regensburg

Wir haben uns einen jener Frühlingstage ausgesucht für unseren Besuch in...

Zum Artikel

Ein Tag in Barcelona

Barcelona ist die perfekte Stadt für einen Städtetrip: schöne alte...

Zum Artikel

Viva Las Vegas!

Selbst im „Land der Superlative“ ist Las Vegas das Nonplusultra: Alles ist...

Zum Artikel

Brüssel als Comicstrip

Ich lasse mich hinüber in die Altstadt treiben, wo die Gassen schmaler und...

Zum Artikel

München leuchtet

Augenzwinkernd wird München das Millionendorf genannt. Wo, wenn nicht hier,...

Zum Artikel