Verfasst von Claudia Böttcher am 17.02.2015

Korsika: Ausflug ins Naturparadies

Langsam schlendere ich in den frühen Morgenstunden durch die Marina von Bonifacio, der Festungsstadt am südlichsten Zipfel Korsikas. Der Naturhafen liegt still unter der steigenden Sonne. Sanft schaukeln die fest vertäuten Luxussegler nebeneinander. Noch ist kaum ein Skipper zu sehen. Hier unten, im Naturhafen, müsste ich unbedingt nach einem Ausflug zu den Iles Lavezzi Ausschau halten, wurde mir gesagt. Und tatsächlich finde ich das passende Angebot. Verschiedene kleine Veranstalter bieten Halbtages- und Tagestouren auf Ausflugsbooten an. Nur wenig später sitze ich an Bord der Gina Croisiere und bin auf dem Weg in Richtung der Lavezzi Inseln. 35 Euro kostet ein Tagestrip – inklusive der knapp einstündigen Überfahrt zu den Inseln, einem mehrstündigen Badeaufenthalt und einer Tour durch die Grotten entlang der korsischen Küste. Kinder fahren umsonst mit. Wer weniger Zeit und Geld investieren möchte, kann im Hafen aber auch Angebote für kürzere Ausflüge finden.

Iles Lavezzi: 100 Inseln entdecken

Zugegeben, nie zuvor hatte ich etwas von den Iles Lavezzi (Französisch: Îles Lavezzi) gehört, dieser, nur 4 Kilometer vom Festland entfernt in der Meerenge zu Sardinien liegenden, aus etwa 100 Inseln und Granitriffen bestehenden Gruppe, die seit 1982 unter Naturschutz steht. Bei Sturm und Nebel sind die verstreuten, flachen Felsformationen trotz des mittlerweile errichteten Leuchtturms bei Seefahrern ein gefürchteter Ort, der schon viele Schiffbrüche erlebte.

Heute aber ist das Wetter perfekt. Dann locken die unbewohnten Inseln bei strahlendem Sonnenschein Ausflugsboote und Yachten an und man kann in den kleinen Buchten schnorcheln, baden und unzählige einsame goldgelbe Strände entdecken. Selten habe ich so glasklares Wasser gesehen. Fische schwimmen um die Füße, der Sand leuchtet und mit den rundgewaschenen Felsblöcken im Hintergrund fühle ich mich eher an die Seychellen erinnert als an das Mittelmeer.

Viel zu schnell geht der Ausflug zu Ende und wir jagen zurück Richtung Bonifacio. Der Blick vom Wasser aus auf die Stadt, die wie ein Schwalbennest in den Kalksteinfelsen klebt und jeden Moment abzubrechen scheint, entschädigt dafür, das Naturparadies der Inseln wieder verlassen zu müssen.

Abenteuerliche Grottenfahrt

Zum Abschluss hat der Kapitän noch eine Überraschung für uns bereit. In vorsichtiger Maßarbeit nähert er das Stahlboot einer der Öffnungen in den Felsklippen. Das Meer wogt, die Einfahrt ist kaum größer als das Schiff. Der Motor heult auf und mit einem mutigen Sprint schießen wir in die kleine Grotte hinein, oben und an den Seiten des Schiffes höchstens eine Handbreit Platz bis zur scharfen Felskante. Ein natürliches Oberlicht leitet die Sonnenstrahlen und taucht die grün bewachsenen Felswände und das türkisfarbene Wasser in eine magische Atmosphäre. Später erfahre ich, dass diese knifflige Grotteneinfahrt zur festen Prüfung der Bootsführer von Bonifacio gehört. Lieber will ich nicht wissen, wie viele Hobbykapitäne ihre Schiffe schon an den Felswänden angeschrammt haben.

Zurück in der Marina wacht langsam der Hunger auf. Unzählige Stufen und Treppen führen vom Hafen hoch in die Oberstadt. Angekommen in der Ville haute, lasse ich mich durch die mittelalterlichen Gassen treiben. Eng rücken die vier- bis fünfstöckigen Gebäude dieser fortähnlichen Festung um die kopfsteingepflasterten Straßen zusammen. Ich fühle mich zurück versetzt in eine andere Zeit. Fast kann ich den Pulverdunst der Kanonen schmecken und das Rasseln der Waffen hören, wenn die Zugbrücke heraufgezogen wurde und die Zitadelle den Angriffen der Feinde trotzte.

Korsische Spezialitäten

An einem der vielen Aussichtspunkte finde ich mich spontan im Hier und Jetzt wieder. Zu intensiv sind die Farben und Eindrücke: das türkisblaue Meer, das tief unten in den Sandsteinklippen schäumt, die kleinen felsgesäumten Kiesbuchten mit ihrem kristallklaren Wasser und das brodelnde Leben auf der Place du Marche, die sich mit weiten Blicken hin zum Horizont öffnet.

Noch ganz benommen stolpere ich ins nächste Lokal. Ein Glücksgriff, wie sich herausstellt. Bei einem Blick in die Speisekarte fällt die Entscheidung schwer. Korsische, bodenständige Spezialitäten wie Veauxaux Olives, eine Art Kalbsragout in einer würzigen Gemüsesauce, oder Brocciu, der berühmte Käse aus Ziegenmilch, reihen sich aneinander. Das alles zu moderaten Preisen zwischen 7 Euro (Vorspeise) und 19 Euro (Hauptgericht). Lange noch sitze ich auf der Terrasse der Le Time und lasse das Leben und Treiben vor meinem Tisch vorbeiziehen. Mit einem letzten Schluck aus meinem Rotweinglas beschließe ich: Bonifacio, so schnell wirst du mich nicht wieder los.

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