Verfasst von Inna Hemme am 24.03.2015

Karibik: Strandparty, James Bond und Verjüngungskur auf Tobago

Was wir uns Mädels vor einem Strandurlaub immer verrückt machen! Keine Pizza mehr um Mitternacht in der Woche davor, schnell noch ein paar Gesichtsmasken auflegen – und sitzen die Bikinis vom letzten Jahr eigentlich noch? Auf Tobago, der kleineren Insel des vor der Nordküste Südamerikas gelegenen Inselstaates Trinidad und Tobago, erübrigen sich diese Sorgen. Vorausgesetzt, ihr beginnt eure Reise in der richtigen Reihenfolge. „Vergiss nicht das Baden im Nylon Pool“, sagt mir eine Stewardess auf dem Hinflug. „Das macht dich einer Legende nach zehn Jahre jünger“. Vergiss nicht? Ihr Ernst? Das wird der erste Punkt auf meiner Tobago-Agenda!

Verjüngungskur im Nylon Pool

Nylon Pool ist in Wirklichkeit gar kein Pool, sondern eine flache türkis-blaue Sandbank auf der Karibik-Seite von Tobago. Täglich um 11 und 14 Uhr starten Ausflüge zum „Wunder-Lifting“ mit einem Glasboden-Boot von Pigeon Point aus (ca. 15 Euro inklusive Getränke). Die Tour führt auch zu den Coral Gardens, den Korallenriffen von Buccoo Reef. Das Riff ist eines der bekanntesten Korallenriffe der südlichen Antillen, über 26 Fußballfelder groß und steht seit 1973 unter Naturschutz. Während unter meinen Füßen am Glasfenster Papageienfische und Schildkröten vorbeigleiten, habe ich nur Nylon Pool im Kopf. Und nerve alle fünf Minuten den Kapitän: „Sind wir schon daaaa?“ Als wir nach einer gefühlten Ewigkeit ankommen, ist es nicht zu übersehen: Am Nylon Pool wirkt das Wasser so unwirklich blau. Wir wollen gerade vom Bootsrand aus ins Meer springen, da brüllt der Kapitän: „Moooooment! Es gibt zwei Möglichkeiten: Wer alleine darin badet, wird zehn Jahre jünger aussehen. Wer verliebt ist und sich im Wasser küsst, wird zehn Jahre länger zusammen bleiben.“ Keine Frage, ich nehme die Nummer 1.

Treffen mit Bond und Crusoe

Nach meiner Verjüngungskur fühle ich mich am nächsten Tag bereit für ein Date mit Mr. Bond und Mr. Crusoe. Leider bin ich einige Jahrzehnte bzw. Jahrhunderte zu spät dran. Im Jahr 1659 ließ der englische Schriftsteller Daniel Defoe den berühmtesten Schiffbrüchigen der Weltliteratur, Robinson Crusoe, im Süden Tobagos stranden. Wie praktisch, dass mein Hotel genau an diesem Strand liegt. Hier brechen die Wellen immer noch so hoch, dass ich mich frage, wie Crusoe es überhaupt ans Festland geschafft hat. Etwas ruhiger hatte es dagegen der Bond-Autor Ian Fleming in seinem windgeschützten Häuschen auf Goat Island, eine halbe Stunde Fahrtzeit vom Crusoe-Strand entfernt. Auf einem Bootsausflug zu der Insel Little Tobago (ca. 80 Euro, Abfahrt um 8 Uhr bei Tobago Islandtours), einem der bedeutendsten Seevogel-Brutgebiete von Tobago, kommen wir dem Haus sehr nah. „Hello, Mr. Bond!“, winke ich rüber zu dem weißen Haus. Keine Antwort. Na ja, vielleicht bin ich nach dem Nylon Pool etwas zu jung für ihn. Eigentlich sollte auch Johnny Depp in „Fluch der Karibik” auf Tobago von Bord gehen – die Produzenten haben es sich aber in letzter Sekunde anders überlegt. Schade.

Rum oder Schokolade oder beides

Wenn es schon mit den Filmstars nicht geklappt hat, hilft am besten Rum oder Schokolade oder beides. In der südlichen Karibik sollen die feinsten Kakaobohnen der Welt wachsen, also fahren wir nach unserer Bootstour gegen Mittag zum Tobago Cocoa Estate. Seit 330 Jahren werden auf der Insel Kakaobäume angepflanzt und ihre großen Blätter bieten besonders viel Schatten. DieBohnen werden aber nicht hier weiterverarbeitet, sondern exportiert – etwa 22 Tonnen pro Jahr. Dann kommt die mehrfach ausgezeichnete dunkle Schokolade wieder zurück in die Heimat und wird mit Rum verkostet – wie auch sonst … Im Cocoa Estate schmeckt Tobago daher am süßesten.

Kreolische Garnelen auf einem Baum

Das Dessert kommt ja immer nach dem Essen, in der Karibik darf es ruhig auch andersrum sein. Nach 15 Minuten mit dem Auto sind wir schon am berühmtesten Restaurant der Insel: Jemma’s Treehouse. Wenn es ein Lokal gibt, das ihr auf Tobago unter keinen Umständen verpassen dürft – dann ist es diese Holzbude mitten auf einer Baumkrone gebaut. Gambas in kreolischer Sauce (ca. 10 Euro), Limonade mit Angosturabitter (wurde auf Tobago erfunden) und Meerblick – die perfekte Voraussetzung, um den Abend zu planen, z.B. am nur zwei Kilometer entfernten Strand von Pigeon Point.

Ab zur Strandparty oder zur Schule

Der Strand von Pigeon Point wurde zu einem der besten der Welt gewählt (Eintritt ca. 2,50 Euro, da Nationalpark), sein Steg ist der meistfotografierte weltweit. An Wochenenden steigen hier abends Partys unter den Palmen, Einheimische tanzen zu den Soca-Beats oder genießen einfach den Sonnenuntergang. Was bei uns unwürdevoll als „Abhängen“ bezeichnet wird, ist auf Tobago ein wichtiger Bestandteil der Kultur und heißt „Liming“. Limen meint das gepflegte Nichtstun und ist von der Beschäftigung der Saftpresser abgeleitet, die den ganzen lieben Tag entspannt Limetten quetschen. Ich freue mich, dass meine Lieblingsbeschäftigung auf dieser Insel so viel Anerkennung findet. Sonntags ist dann Zeit für die Schule. Die „Sundayschool“ (kostenlos) hat aber weniger mit christlicher, sondern vielmehr mit musikalischer Edukation zu tun. Es ist eine große Freiluftdisko, die jeden Sonntag auf dem Gelände veranstaltet wird, wo sonst Ziegenrennen stattfinden. „Warum denn an einem Sonntag?“, frage ich einen Steeldrum-Spieler. „An anderen Tagen ist doch sowieso schon Party!“ Klar. Du gefällst mir, Tobago!

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