Verfasst von Jana Zieseniß am 15.07.2015

Kärnten: mehr als nur Skifahren – Winterurlaub auf der Turracher Höhe

Es sieht wie ein Kinderspiel aus, wie die geübten Skifahrer den Hang hinabgleiten. Mühelos gelingt ihnen jede Kurve – egal wie steil der Hang auch sein mag. Meine Schwünge dagegen sind zaghaft, zu steile Hänge machen mir Angst und vorbeirauschende Möchtegernprofis erst recht. Davon gibt es hier glücklicherweise nicht so viele. Denn statt der Skihochburgen wie Sölden, St. Moritz und Co. habe ich mir ein familiäres Skigebiet für meinen „Durchbruch“auf zwei Brettern ausgesucht: die Turracher Höhe.

Skifahren für (Wieder-)Einsteiger

Und so begegnen mir statt betrunkener Kamikazefahrer eine bunte Mischung aus Skiprofis, Familien mit Kindern, Skibegeisterten älteren Semesters und eben auch ein paar Pistenneuligen, wie ich es bin, die sich noch im Erwachsenenalter zum ersten Mal oder seit langem wieder auf die Skier trauen. Niemand guckt hier blöd, wenn ich meine ersten Übungsschwünge am Kinderhang absolviere. Von den 38 präparierten Pistenkilometern gibt es auch für Anfänger jede Menge Auswahl an blauen (13 Kilometer) und leichteren roten (22 Kilometer) Abfahrten.

Ich bin an diesem Tag mit Sandra unterwegs. Sie führt gemeinsam mit ihrem Freund und Freeridingprofi Florian Köfer die Skischule Snowlove.at. Bereits für 55 Euro können hier erwachsene Einsteiger und Wiedereinsteiger einen Schnuppertag auf den Skiern verbringen – der sich bei Gefallen auch auf eine ganze Woche ausweiten lässt. Da es bereits mein zweites Mal auf Skiern ist, darf ich nach den ersten zaghaften Schwüngen am Übungshang rauf auf die Piste. Den dafür nötigen Skipass gibt es für 29 (halbtags) bis 43 (ganztags) Euro. Trotz Wochenende ist es auf den Pisten angenehm leer. Wartezeiten am Lift? Fehlanzeige! Die wenigen Skifahrer verteilen sich gut auf die breiten Pisten und so fühle ich mich nicht wie mit einem VW Käfer auf der Autorennstrecke.

Langlaufen auf und um den Turracher See

Während ich konzentriert meine Schwungtechnik zu verbessern versuche, kann ich die herrliche Landschaft um mich herum kaum richtig genießen. Eigentlich schade – denn die Turracher Höhe hat trotz Skipisten ihren ursprünglichen Charakter behalten. Hässliche Bausünden, breite Zufahrtsstraßen und große Partytempel suche ich hier (glücklicherweise) vergeblich.

Wer hier nur zum Skifahren hinkommt, verpasst etwas. Und so tausche ich am folgenden Tag die Abfahrts- gegen Langlaufski. Wird der Langlaufsport in vielen Skigebieten eher als ungeliebtes Stiefkind behandelt, so gibt es auf der Turrach – so nennen sie die Einheimischen liebevoll – gleich ein ganzes Streckennetz an Loipen aller Schwierigkeitsstufen. Die einfachste führt über den zugefrorenen Turracher See, andere dagegen machen mit rasanten Aufs und Abs fast der Skipiste Konkurrenz. Und wer noch gar keine Erfahrung hat, kann sich für 50 Euro die Stunde einen Privatlehrer nehmen.

Auf der Drei-Seen-Runde durch das Winterwunderland

Doch egal, wie schön der Winter auf zwei Brettern auch ist, an einem perfekten Wintertag mit Unmengen Neuschnee und herrlich blauem Himmel ziehe ich oft die eigenen Füße dem Wintersport vor. Anders als auf Skiern kann ich zu Fuß die herrliche Winterlandschaft regelrecht in mich aufsaugen, anstatt mich nur darauf zu konzentrieren, einigermaßen „galant“ über die Loipe zu gleiten oder die Piste hinabzukommen. Mein Tipp: Die Drei-Seen-Runde ist eine der zahlreichen als Winterwanderwege ausgewiesenen Rundtouren der Region und kann mit sieben Kilometern Länge und nur 200 Höhenmetern auch von Ungeübten ohne Wanderführer gegangen werden. Auf gut ausgeschilderten, breiten Pfaden führt sie rund um den Turracher See, Grünsee und Schwarzsee fernab von allem Trubel durch die idyllische Winterlandschaft.

Ob auf Skiern oder zu Fuß: Nach einem aktiven Wintertag gibt es doch nichts Schöneres, als die müden Muskeln bei einem entspannten Bad im See zu entlasten. Im See? Ja, richtig gehört. Auf der Turrach kann ich nicht nur im Pool, sondern in einem der schicken Hotels sogar in einem beheizten Naturseebad abtauchen.

Als ich am Abreisetag schließlich die Serpentinenstraßen hinab ins Tal kurve und die Schneehöhe Meter um Meter abnimmt, kann ich verstehen, dass viele Stammgäste die weite Anfahrt aus Deutschland jedes Jahr in Kauf nehmen. Immerhin 300 Kilometer müssen aus München zurückgelegt werden – aus anderen Teilen der Bundesrepublik entsprechend mehr. Schließlich befindet sich die auf über 2.000 Metern gelegene und damit schneesicherste Gegend Kärntens versteckt zwischen den sogenannten Nockbergen an der Grenze zur Steiermark. Doch ich finde: Jeder einzelne Kilometer ist es wert. Und so schaue ich trotz Sommer, Sonne und Sonnenschein vor meinem Fenster bereits heimlich nach Angeboten für die kommende Wintersaison. Vielleicht wird aus mir ja doch irgendwann noch einmal ein echter Wintersportfan.

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