Verfasst von Claudia Ottilie am 9.06.2015

Istrien: Beschaulichkeit in allen Gassen

Als ich über die Schnellstraße an Rijeka vorbeirausche, sehe ich erste Palmen, Zypressen und weiße Häuschen mit Terrakotta-Schindeln auf den Dächern. Italienische Klischees schleichen sich in meinen Kopf: mediterran, pittoresk – und wo geht’s denn hier zum Hinterland? Ich nehme die Ausfahrt nach Buzet und dann bin ich mittendrin im Hinterland.

Bergdörfer mit mediterranem Charme

Grüne Wälder und Klatschmohnwiesen säumen die Landstraße – eine Augenweide! Aber jetzt muss ich mich auf die Serpentinen zur Altstadt hinauf konzentrieren. Durchs Vela Vrata, das alte Stadttor, kurbele ich das Lenkrad ganz nach links, dann bin ich im Kern des kleinen Bergdorfes. Durch die Kastanien neben der alten Stadtmauer flimmert die Abendsonne, während ich mir auf der gegenüberliegenden Terrasse des Hotels Vela Vrata eine getrüffelte Entenbrust für 18 Euro gönne und vom ebenfalls mit schwarzem Trüffel veredelten Nachtisch hin und weg bin: Ravioli mit weißer Schokoladenfüllung (5 Euro). Ich trainiere das Mahl bei einem Spaziergang durch die hügelige Altstadt ab.

Es mutet nicht zu Unrecht alles etwas italienisch an: Die heute kroatische Halbinsel Istrien war schon bei den Römern beliebt und gehörte Jahrhunderte lang zu Venetien. In Buzet sind es vor allem der Kirchturm im venezianischen Stil, ein Rokoko-Brunnen und die mittelalterlichen Stadttore auf engstem Raum, die es so beschaulich mediterran machen.

Roadtrip durch Wein- und Ölberge

Tags darauf steuere ich schwitzend das Auto durch die engen Gassen, übers Holperpflaster und vor allem im Slalom an den hübschen Geranientöpfen vorbei. Auf der Straße nach Rovinj passiere ich Weinberge und Olivenhaine. An einem Straßenstand erwerbe ich mein erstes Souvenir, das hier häufig angebaute und für die Gegend berühmte Frantoio-Olivenöl (10 Euro).

Altstadtbummel durch Rovinjs Gassen

Angekommen in Rovinj stürme ich sofort zur Marina. Von dort aus habt ihr den besten Ausblick auf den hügelig angelegten Altstadtkern. Die ersten Touristen sind schon da, aber noch sind die Cafés an der Strandpromenade nicht überfüllt. Ich gönne mir einen Cappuccino für 1,20 Euro im Volta, das sich im Seitenbogen einer Gasse verbirgt. Mit Blick auf die behangenen Wäscheleinen der Nachbarn und umgebenden Lokale schlürfe ich Energie für den weiteren Weg durchs Gassenwirrwarr.

Die Häuser sind schmal und hoch, die Fenster dennoch tief genug, um problemlos im Vorübergehen einen Blick in die Galerien und Geschäfte zu werfen. Ich beobachte, wie die Mode-Designerin Katja Pucic in ihrem Atelier Fil Rouge in der Ulica Zdenac ein T-Shirt bemalt, von Hand versteht sich. Ihre Motive sind hippe Mode-Accessoires und jedes Shirt ist ein Unikat. Einige Abbiegungen weiter bewundere ich die Ruhe einer Dame, die in der Ulica Grisia Holzfische zu spaßigen Sardinen anmalt. So ein Magnetfisch für 3 Euro muss mit ins Gepäck. Oben angekommen, stehe ich vor der Kirche der heiligen Euphemia und dem venezianischen Campanile als Kirchturm.

Von der Stadtmauer gleich unterhalb des Kirchgartens schaue ich aufs Blau der Adria, irgendwo am Horizont links muss Venedig sein, aber wer braucht das hier schon? Ein wenig die Mauer entlang komme ich zum Ancora, wo ich mir, typisch kroatisch, einen Teller Cevapcici für 10 Euro zum Mittagessen gönne, natürlich auf der Terrasse, die über den Felsen direkt am Mittelmeer angelegt ist. Die Tischnachbarn machen sich gerade über einen Berg Miesmuscheln her.

Pulas Alternative zum Kolosseum

Für den Nachmittag nehme ich mir einen Ausflug entlang der fast 2.000 Jahre alten Via Flavia nach Pula vor. Die heutige Landstraße E75 verläuft auf Kaiser Vespasians alter Handelsstraße. In einigen Olivenplantagen fallen mir hin und wieder kleine runde Steinhäuschen mit spitzen Dächern auf. Trulli in Kroatien? Sie ganz so aus… In Vodnjan nehme ich scharf rechts die Ausfahrt zu einer ganzen Ansammlung solcher Häuschen. Kažun nennen sie sich. Das winzige kostenlose Freilichtmuseum erklärt den Aufbau der traditionellen Hirtenhütten, in denen auch die Tiere bei Sturm einkehrten.

Heute dienen sie hauptsächlich als Blickfang.

Von den kleinen Rundhütten sind es nur noch 10 Minuten bis zu den großen Steinblöcken und dem Amphitheater von Pula. Es ist sicher kein Geheimtipp. Aber genau wie Rovinj ist auch Pula eine Alternative zur großen Schwester in Rom. Wer braucht Millionen andere Besucher um sich, wenn er auf dem Boden der Geschichte stehen und große Schlachten und Theaterstücke vor seinem inneren Auge aufführen möchte? Pulas Arena mag nicht an die wuchtigen Ausmaße des Kolosseums heranreichen, dafür ist es aber auch nicht überlaufen. Ich sitze eine ganze Weile auf den Stufen und betrachte die Bögen der Außenmauer, die zur selben Zeit gebaut wurden wie die in Rom. Die Adria ist von hier aus zu sehen und viel Grün, eine Bootsfahrt in den Sonnenuntergang wäre jetzt der krönende Abschluss des Tages.

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