Verfasst von Cornelia Lohs am 14.07.2015

Ischia – einzigartige Landschaft, heiße Quellen und Filmkulisse

Unser erster Morgen auf Ischia. Wir stehen vor dem Wahrzeichen der Insel, der gigantischen Festung Castello Aragonese in Ponte. Sie thront auf einem Felsen, der 113 Meter aus dem Meer ragt. Die erste Festung entstand bereits 474 v. Chr., der jetzige Bau wurde 1441 von Alfonso I., König von Neapel, Sizilien und dem spanischen Aragonien, errichtet. Daher der Name „Aragonese“. Ein 250 Meter langer Damm verbindet den Fels mit der Insel.

Es ist Punkt 9 Uhr und das Castello öffnet gerade seine Pforten. Noch sind keine Touristen unterwegs und wir haben die Festung für uns allein. Der Eintritt ist mit 10 Euro pro Person zwar etwas happig, aber sein Geld wert, wie wir wenige Minuten später feststellen. Wir haben die Wahl: Entweder fahren wir mit dem Lift oder wir steigen die labyrinthartigen, in den Fels geschlagenen Treppengänge zum Burgberg hinauf. Letzteres erscheint uns an dem bereits heißen Morgen doch etwas zu anstrengend, deshalb entscheiden wir uns für den Lift. Oben angekommen, haben wir einen spektakulären Blick auf Ponte und die Cartaromana-Bucht.

Die Festung ist eine Stadt für sich mit zahlreichen Gebäuden, kleinen Gassen und sogar einem Hotel. Wie eine abwärtsgehende Spirale führt der Rundgang über herrliche Terrassen und Wege voller Blumen und Kakteen rings um die Festung, vorbei an kleinen Kirchen und Kapellen. Der Himmel ist herrlich blau und das einzige Geräusch, das wir hören, ist das Gekreische der Möwen.

Eine der Sehenswürdigkeiten auf der Festung ist das Nonnenkloster der Clarissen mit unterirdischer Gruft aus dem 16. Jahrhundert, in der die Nonnen aufrecht sitzend auf Steinbänken bestattet wurden. „Die spuken nachts durch das Castello!“, erklärt uns ein Einheimischer später. Der Weg abwärts bietet grandiose Blicke auf Boote, die unter uns auf dem Meer schaukeln, auf die Nachbarinseln Capri und Procida sowie auf den Golf von Neapel und den Vesuv.

Ponte und das Castello habe ich das erste Mal in dem Film „Der talentierte Mr. Ripley“ mit Matt Damon gesehen. Der Ort ist seit 1936 Set der großen Kinofilme. Hier entstand der Kolossalfilm „Kleopatra“ mit Liz Taylor und Richard Burton und die weltberühmten Regisseure Visconti und De Sica drehten hier immer wieder Filme. Die extravagante Villa „La Colombaia“ von Visconti im Steineichenwald La Guardiola beherbergt heute ein Museum sowie eine Schule für Kino und Theater. Das Grab des Regisseurs befindet sich in der Nähe der Villa im Wald.

Sant’Angelo und Limoncello

Mit dem Mietwagen, der auf Ischia pro Tag 50 Euro kostet, fahren wir zum Süden der Insel, nach Sant’Angelo. Bei einem Inselumfang von nicht einmal 40 Kilometern sind die Distanzen kurz – vor allem, wenn ihr an der Küste entlang fahrt. „Sant’Angelo ist der faszinierendste Ort der Insel, den dürft ihr keinesfalls verpassen“, hatte uns die Rezeptionistin im Hotel am Morgen geraten. Die Zufahrt für Autos ist verboten, deshalb müssen wir den Wagen oberhalb des Ortes auf einem Parkplatz stehen lassen – dieser ist mit Parkscheibe eine Stunde lang kostenlos. Länger möchten wir aber sowieso nicht bleiben.

Vom Parkplatz aus fällt uns zuerst der runde Monte Epomeo ins Auge, mit 789 Metern der höchste Gipfel der Insel. Auf dem Weg in den Ort kommen wir an einem Laden mit Spezialitäten der Insel vorbei und werden prompt zur kostenlosen Limoncello-Probe eingeladen. Es gibt mehrere verschiedene Sorten und eine schmeckt besser als die andere. Klar, dass wir eine Flasche kaufen und zudem noch verschiedene Pasta- und Pizzagewürze, die hier relativ billig sind.

Am Strand, dem „Spiaggia Gialla di Sant’Angelo“ komme ich mit dem Sonnenschirmvermieter ins Gespräch.

Ich spreche Italienisch, aber als er erfährt, dass ich Deutsche bin, zeigt er auf ein Haus auf einem Hügel, das Albergo Miramare, und erklärt mir, dass dort „La Merkel“ schon seit Jahren ihren Osterurlaub verbringt. An den Strand würde sie allerdings nie kommen, sie zieht Wanderungen auf dem Monte Epomeo vor.

Der Strand ist wunderschön und ich frage nach den Kosten eines Liegestuhls und eines Schirmes. „Derzeit 15 Euro pro Tag, im August 20 bis 25 Euro, je nachdem, ob man die Liege in der ersten oder letzten Reihe haben möchte“, erfahre ich. Gegenüber liegt der freie Strand, ohne Schirm seid ihr dort aber gnadenlos der Sonne ausgesetzt. Wir eilen zurück zum Auto, denn die Parkzeit ist fast um.

Römischer Weinkeller und die heißen Sorgeto-Quellen

Auf Ischia gibt es 100 Thermalbäder, deshalb ist die nahe Sorgeto-Bucht am Punta Chiarito unser nächstes Ziel. In der Bucht sind natürliche Becken entstanden, in denen sich das 90 Grad warme Thermalwasser mit dem Meereswasser vermischt. Als wir das Auto oberhalb der Bucht abstellen, entdecken wir die Azienda Agricola Ruffano. „Hier seht ihr den ältesten Weinkeller der Insel. Er stammt noch aus der Zeit der Römer“, erzählt Nicola, der Besitzer, und lädt uns auf eine Weinprobe ein.

Im Keller ist es angenehm kühl und wir verlassen ihn mit zwei Weinflaschen, zwei Gläsern Orangen- und Mandarinenmarmelade und einem Glas Honig. „Alles aus meinem biologischen Anbau!“, sagt Nicola und erklärt uns, wie wir zu den Quellen hinunterkommen. Wir verstauen die Sachen im Auto und steigen gefühlte tausend Treppenstufen zur Sorgeto-Bucht hinab. Die Benutzung der Thermen ist kostenlos. Das Wasser ist angenehm und trotz der gnadenlos herabbrennenden Sonne nicht zu warm. Ein Bad in der Quelle soll bei Rückenbeschwerden helfen. Wir bleiben eine halbe Stunde in dem Steinbecken sitzen. Als wir heraussteigen, sind meine lästigen Beschwerden an der Lendenwirbelsäule tatsächlich weg. Ob die Kurzkur anhält?

Mittagessen mit Blick auf die Bucht von Citara

Wir fahren Richtung Forio und entdecken unterwegs das Restaurant Oasis, das majestätisch auf einem Hügel über der Bucht von Citara thront. Von innen ist es gigantisch. An den Tischen sitzt niemand, und wir fürchten schon, dass es um 14 Uhr zum Mittagessen schon zu spät ist.

Ist es nicht, versichert uns der Kellner und führt uns zu einem Tisch auf der riesigen Terrasse, von der wir einen herrlichen Blick auf die Bucht von Citara und den Strand haben.

Das Essen schmeckt lecker und für Pizza, Pasta, Wasser und Wein zahlen wir zu zweit um die 30 Euro.

Bar Internazionale di Maria

In Forio halten wir kurz an, um in der Bar Maria einen Espresso zu trinken. In den 50er- und 60er-Jahren war die Bar Treffpunkt internationaler Künstler und Filmleute, darunter Truman Capote, Pablo Neruda, Liz Taylor und Visconti. Wände und Decke zeugen von der Vergangenheit der Bar, über die auch ein Buch geschrieben wurde. Vor der Bar spielt eine Jazzband und wir verweilen ein wenig.

Mit dem Schnellboot zu den Grotten

Am Nachmittag wollten wir eigentlich mit dem Boot um die Insel fahren. Als wir jedoch hören, dass das Boot in Sant’Angelo, wo wir am Morgen ja erst waren, eine Stunde Aufenthalt hat, überlegen wir es uns anders und erkundigen uns im Hotel nach einer privaten Tour. Die kostet zwar 100 Euro, aber zwei weitere Gäste sind auch daran interessiert, so zahlen wir nur 50. Teurer als die 15 Euro für die Rundfahrt mit dem großen Schiff, aber mit dem kleinen haben wir den Vorteil, dass wir zumindest ansatzweise in die Grotten hineinfahren können. Wir treffen den Skipper auf der Mole vor unserem Hotel in Porto.

Kurz hinter dem Castello Aragonese, das wir nun vom Wasser aus auch von hinten sehen, liegt die Grotta del Mago – die Grotte des Zauberers. Der Legende nach lebte ein alter Mann mit einem langen weißen Bart in der Grotte. Wir können nicht ganz hineinfahren, da es windig ist. „Zu gefährlich“, meint der Skipper. Das Boot wackelt ganz schön und Wasser schwappt an Bord. Das nächste Ziel ist die Grotta Verde, die Grüne Grotte. Um hineinzukommen, müssten wir unter einem Felsen hindurchtauchen. Darauf verzichten wir, denn Badesachen hat keiner von uns an.

Ein Stück weiter liegt unterhalb einer Felswand das Restaurant Le Cave, das nur mit einem Boot erreicht werden kann. Der Skipper hält immer wieder an, um uns Sehenswürdigkeiten zu erklären. In eineinhalb Stunden haben wir die Insel umrundet und kehren an unseren Ausgangspunkt in Porto zurück.

Knoblauch, Öl und Tomaten

„Aglio, Olio e Pomodoro“ heißt das Restaurant im historischen Zentrum von Ponte, in dem wir zu Abend essen. „Es gehört zu den besten der Insel und ist der Geheimtipp der ischitanischen Gastronomie“, habe ich in einem italienischen Reiseführer gelesen. Es ist noch sehr warm, wir sitzen draußen und studieren die Speisekarte. Die Pasta kostet zwischen sechs und acht Euro. Ich hatte zwar erst Pasta zum Mittagessen, kann den Penne all’Arrabbiata aber nicht widerstehen und bekomme die besten serviert, die ich je gegessen habe.

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