Verfasst von Timo Peters am 28.11.2014

Im Zentrum des Atlantischen Ozeans

Die rote Fahne weht am Strand der Baja Nunez in Las Palmas de Gran Canaria. Vom Atlantischen Ozean aus bläst eine kräftige Brise und drückt einen Wellenberg nach dem anderen auf den goldgelben Sandstrand. Baden sollte man hier heute nicht, heute haben die Surfer die Bucht für sich. Ich habe zwar irgendwann mal einen Kurs im Wellenreiten gemacht, die Brandung ist mir aber heute eindeutig zu wild und zu hoch – ich lehne mich zurück und bestelle noch einen Cappuccino im Restaurant „Praya“ an der Strandpromenade des Stadtstrands von Las Palmas.

Cappuccino auf der Promenade und Kunststücke in der Brandung

Das „Praya“ serviert echten Espresso, was hier auf den Kanarischen Inseln keine Selbstverständlichkeit ist: Viele Bars und Cafés haben nur Instant- oder Filterkaffee auf ihrer Speisekarte. Der Preis ist in Ordnung, die Kellnerin stellt mir später sechs Euro für den Kaffee und ein Käsesandwich in Rechnung – damit kann ich leben. Bevor ich bezahle, genieße ich jedoch noch einige Minuten die heiße Herbstsonne Gran Canarias und bestaune die Wellenreiter und ihre Kunststücke in der gefährlichen Brandung.

Eine Großstadt mitten im Ozean

Ich war in den letzten Jahren immer wieder auf Gran Canaria, meist im Herbst oder zum Winterausklang – für eine kurze Flucht vor dem deutschen Schmuddelwetter sind die Kanarischen Inseln einfach ein optimales Ziel. Gran Canaria ist die Hauptinsel der Kanaren, sie hat, neben ganzjährig fantastischem Wetter und ihren Sandstränden, mit Las Palmas sogar eine richtige Großstadt zu bieten. Fast 400.000 Leute leben in der Hafenstadt mitten im Atlantischen Ozean.
Der Stadtstrand der Insel ist bei jedem meiner Besuche eine meiner ersten Anlaufstellen. Nächste Station soll das historische Zentrum von Las Palmas sein. Am westlichen Ende des Strandes befindet sich neben dem Konzerthaus „Auditorio Alfredo Kraus“ ein Einkaufzentrum, vor dem sich leicht ein Taxi finden lässt. Etwa acht Euro zahle ich für den Weg zur „Vegueta“, der Altstadt von Las Palmas.

Musiker und Markttreiben vor der „Santa Ana“

Hier angekommen lasse ich mich meist einfach treiben: Es gibt hunderte kleiner Restaurants mit den typisch spanischen Tapas, an vielen Straßenecken haben lokale Marktbetreiber ihre Stände aufgebaut. Vor der „Santa Ana“, der größten und wichtigsten Kathedrale der Insel, spielt heute eine kleine Band. Ich kaufe mir für einen schlappen Euro eine Hand voll Oliven und setze mich auf den Vorplatz der Kathedrale. Die Häppchen auf der Straße zusammen mit den Flamencoklängen lösen ein wohliges Gefühl von Urlaub in mir aus – langsam komme ich an, in Las Palmas auf Gran Canaria.

Unterwegs auf den Spuren von Christoph Columbus

Ich bin versucht, die Zeit zu vergessen und den ganzen Abend hier zu verbringen – genügend Bars gäbe es ja. Ich habe jedoch noch etwas vor heute, also breche ich auf und passiere das „Casa de Colon“ mit seinem Kolumbusmuseum. Christoph Columbus machte hier vor über 500 Jahren auf dem Weg nach Amerika Station – noch heute ist Gran Canaria der vielleicht wichtigste Stopp für Seefahrer bei der Überquerung des Atlantischen Ozeans. Also spaziere ich in Richtung Norden – zum Yachthafen. Dort befindet sich nämlich eine meiner liebsten Bars überhaupt auf der Welt: Der „Sailors Bar“. Die urige Kneipe liegt direkt an der Kaimauer und ist der Treffpunkt schlechthin für die Abenteurer unserer Zeit: die Weltumsegler.

Cognac, Seebären und „Tropical“

Schon während ich mir am Tresen ein „Tropical“ bestelle, drei Euro für den halben Liter, komme ich mit Randy und Mike ins Gespräch. Beide sind um die fünfzig, braun gebrannt und ihre Arme mit Tätowierungen übersät. Sie sind mit ihren Segelbooten hier – Kurs Amerika! Die beiden Seebären sitzen beim Cognac zusammen und freuen sich, in mir einen dankbaren Zuhörer für ihr Seemannsgarn gefunden zu haben. So lausche ich ihren Geschichten von Abenteuern auf den Weltmeeren. Immer wieder kommen die beiden auf Gran Canaria zu sprechen – für sie ist die Insel das Zentrum des Atlantischen Ozeans. Es soll nicht mein letztes Bier bleiben heute Abend, hier im Yachthafen von Las Palmas.

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