Verfasst von Anne Steinbach am 26.02.2015

Hurghada: Sonne, Strand und Pharaonen

Verschlafen stapfe ich aus meinem viel zu bequemen Bett und kämpfe mich langsam zum Fenster vor. Ich wurde von den Sonnenstrahlen geweckt, die sich durch den Spalt der dicken Vorhänge bis auf meine Nase vorgearbeitet haben. Jetzt stehe ich am Fenster und wage es: Vorhänge auf, hallo Meer, hallo Ägypten – salem aleikum, Hurghada.

Das verschlafene Fischerdorf wird zum Touristenzentrum

Hurghada hat sich in den letzten Jahren vom traditionellen Fischerdorf zu einem echten Touristenzentrum mit orientalischem Charme entwickelt. Ich habe mir vor meinem Urlaub fest vorgenommen, Ägypten aus allen Perspektiven kennenzulernen, denn das Land der Pharaonen und Pyramiden lockt mit phantastischer Kultur.

Die Strände von Hurghada

Mit Sonnenhut und Strandtuch laufe ich zum Strand: blaues Meer, weißer Sand und Ruhe. Was nach einem Bilderbuch-Klischee klingt, ist hier die tatsächliche Wahrheit. Hurghada, du hast mich jetzt schon begeistert. Viele Strände in Hurghada gehören direkt zu den Hotels – das hat zwei große Vorteile: Ich brauche nur knappe 2 Minuten von meinem Hotelzimmer bis zum Strand und ich komme in den Genuss zu sagen, dass ich einen eigenen Strand habe.

Die Strände in Hurghada haben eine Gesamtlänge von 20 Kilometern, die sich entlang des Roten Meeres ziehen. Der Großteil davon liegt im Süden und stellt ein wahres Aktivitäten-Mekka dar. Aufgrund der vielen Korallenriffe reisen jährlich Tausende Tauchbegeisterte an die ägyptische Küste des Roten Meeres.

In den Gassen von El Dahhar

Nach einem ausgiebigen Strandtag möchte ich den lebendigen Stadtteil Hurghadas, El Dahhar, kennenlernen. Die Altstadt Hurghadas ist der pulsierende Mittelpunkt des ägyptischen Marktlebens. Die einheimischen Märkte, Soukhs und das sympathische Chaos entlocken mir ein wahres Shoppingbedürfnis.

Ich schlängele mich durch die engen Gassen und lausche den Rufen der Händler „Yes, cheap, cheap!“ „Kommen Sie herein!“ „Schnäppchen!“, während der Geruch von Gewürzen sich in meiner Nase ausbreitet.

Bevor ich allerdings auch nur ankommen kann, sitze ich schon auf dem kleinen Hocker und verhandle mit dem Händler den Preis für Teegeschirr, das ich mir kurz vorher nur einmal hastig angeschaut habe.

Richtig feilschen

Verhandeln ist ein gutes Stichwort. Ihr werdet auf den Basaren angesprochen, müsst feilschen und wisst am Ende nie, ob ihr übers Ohr gehauen wurdet oder nicht. Beim Feilschen gibt es ein paar Grundregeln, die den Tag auf dem Basar einfacher machen: Je touristischer das Produkt ist, desto geringer sollte der Preis sein. Drückt den ausgerufenen Preis um 50 Prozent, um euch dann in der Mitte zu treffen. Wenn ihr das Produkt eigentlich nicht kaufen wollt, dann spart euch das Handeln, denn ihr könnt häufig eine knappe Stunde in einem Marktstand verbringen, bis es zu einer Einigung kommt.

Ich sitze immer noch auf meinem Hocker und habe bereits den zweiten Tee getrunken. Trotzdem, geeinigt haben wir uns immer noch nicht. Es geht dem Händler um zwei Euro und mir ums Prinzip. Ich bestelle mir noch einen Tee und hoffe, dass dies den sehr sturen Händler endlich überzeugen würde.

Tee gilt hier als wahres Verhandlungsmittel. Wer Tee annimmt, der ist automatisch einen Schritt näher an dem Händler dran. Es zeigt dem Händler, dass wir ihm Vertrauen schenken und uns auf die Kultur einlassen. Auch den dritten Tee habe ich getrunken, ein paar Witze in den Raum geworfen, denn Freundlichkeit zieht, und immer wieder „La“ (arab. „Nein“) gerufen – und siehe da: Mein neuer Freund vom Soukh in El Dahhar packt mein Teegeschirr ein und verkauft es mir zu meinem Preis.

Auf den Spuren der Pharaonen durch Kairo

Mitten in der Nacht geht es für mich dann weiter nach Kairo. Ich habe direkt im Hotel eine Tagestour für rund 60 Euro nach Kairo inklusive Besuch der Pyramiden und Eintritt im Ägyptischen Museum gebucht und stehe jetzt völlig verschlafen an der Rezeption. Mein Bus fährt gegen 1:00 Uhr los, um sich an einem Sammelpunkt mit anderen Reisebussen zu treffen und dann im Konvoi nach Kairo zu fahren.

460 km und 6 Stunden später wache ich vom Hupen und vom stetigen stop-and-go auf und erblicke die ersten Eindrücke von Kairo: Es ist geschäftig, es ist laut und es hat Flair.

Trubel vor dem Ägyptischen Museum

Schon nach wenigen Minuten in Kairo hält der Bus und ich stehe mitten in der Menschenmenge vor dem Ägyptischen Museum und schlängele mich durch die verschiedenen Touristengruppen aus allen Ländern der Welt, die gespannt ihren Guides lauschen. Mein erster Schritt in das Ägyptische Museum macht mich sprachlos: Die riesige Halle, die ca. 160.000 Schätze beherbergt, wirkt wie eine reale Version von dem Geschichtsbuch aus der Schule – ich bin überwältigt!

5.000 Jahre Geschichte ziehen hier an mir vorbei, während ich mich gerade einmal durch die erste Etage arbeite. Doch eine ganz besondere Sache liegt noch vor mir: Am Ende des Raumes führen Treppen in das nächste Stockwerk, wo sich der wohl berühmteste Ägypter der Welt befindet: Tutanchamun. Der erstrahlt hier in purem Gold und präsentiert stolz seine Grabbeigaben. Das Museum hat täglich von 9:00 bis 19:00 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet rund 7 Euro (LE 60) bzw. 12 Euro für den Mumienraum.

Pyramiden von Gizeh

Nach zwei Stunden geht es für mich bereits weiter zum nächsten großen Highlight: den Pyramiden von Gizeh. Mein Reisebus schlängelt sich gekonnt durch die engen Gassen und die dicht befahrenen Straßen von Kairo. Aus dem Bus heraus sehe ich zahlreiche Marktstände, Kamele am Straßenrand, Moscheen und den ganz normalen Alltag einer Großstadt. 30 Minuten dauert die Fahrt vom Zentrum von Kairo bis zu den Pyramiden von Gizeh. Ich dachte immer, dass sich Pyramiden mitten in der Wüste befinden. Das ist in Kairo anders. Hier stehen die Pyramiden mehr oder weniger am Straßenrand.

Ich kann es kaum glauben: Eben noch mitten im Chaos von Kairo und jetzt, 30 Minuten später, stehe ich vor den Cheops- und Chephren-Pyramiden und sehe zum ersten Mal den Sphinx. Mein deutscher Guide führt mich durch die vielen Reisegruppen in einen kleinen Gang der Chephren-Pyramide und erteilt mir spannenden Geschichtsunterricht, während sich mehrere Eimer voller feinem Wüstensand in meinen Schuhen sammeln.

Die Pyramidenbesichtigung ist ebenfalls Teil der Busreise, die mich von Hurghada nach Kairo gebracht hat. Täglich sind die Pyramiden von 9:00 bis 17:00 Uhr geöffnet und es können jeweils 150 Karten um 8:00 Uhr und 150 Karten um 13:00 Uhr verkauft werden. Die Tickets kosten rund 7 Euro (LE 60).

Eine Stunde lang führt mich mein Guide von Pyramide zu Pyramide und erklärt mir ruhig alles, was ich über diese antiken Stücke wissen muss, bis ich völlig erschöpft und glücklich in den Reisebus zurück nach Hurghada sitze und 6 Stunden Fahrt vor mir habe. Inschallah!

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