Verfasst von Nicole Biarnés am 17.06.2015

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Städtereise Helsinki Finnland

Helsinki – weiß und grün

Nach Finnland wollte ich schon immer mal fahren. Nun bin ich in Helsinki, mitten im Sommer, und strolche durch die Stadt, die irgendwie viel kleiner ist als erwartet.

Im Hafen – Kauppatori und Hakaniemen kauppahalli

Im Hafen ist richtig viel los. Hier legen nicht nur die großen Fähren aus Schweden und Estland an, sondern auch viele kleinere Boote, die zu den vorgelagerten Inseln fahren. Direkt am Kai findet täglich ein kleiner Markt statt. Da reiht sich ein Stand mit leckerem Essen an den anderen. Dazwischen gibt es Souvenirs aus Holz, Strickpullis, bunte Wollsachen und sogar Pelzmützen, die besonders von chinesischen Touristen gern eingehend untersucht werden.

Falls es mal kalt werden sollte, haben die Finnen auch noch eine Markthalle, die Hakaniemen kauppahalli. Von außen sieht sie wunderschön aus. Drinnen gibt es an den hübschen, hölzernen Marktständen aber fast nur Andenken für Touristen. Einheimische kaufen hier wohl nicht mehr ein.

Auf der anderen Seite des Hafens leuchtet eine rote Kirche auf einem kleinen Hügel. Über eine, mit Schlössern von verliebten Pärchen behangenen, Brücke steuern wir auf das Gotteshaus zu. Es ist die Uspenski Kathedrale, eine orthodoxe Kirche, die dort mit ihren Zwiebeltürmchen und goldenen Halbmond und Kreuzen thront.

Im Zentrum – der weiße Dom Suurkirkko

Von hier gehen wir über die Aleksanterinkatu Richtung Innenstadt. Nach nur ungefähr fünf Minuten Fußweg stehen wir dann vor einer anderen Kirche, Suurkirkko, dem Dom Helsinkis. Wie ein großes Zuckerbaiser ruht die perlweiße Kirche mitten in der Stadt. Auf den Stufen davor sitzen ein paar Leute, ähnlich wie bei der Sacré-Cœur in Paris, und schauen den Möwen zu, die hungrig kreischend ihre Kreise über dem Platz vor der Kirche drehen.

Direkt gegenüber der Suurkirkko liegt das Café Engel. Es sieht so einladend aus, dass wir spontan beschließen, eine kleine Pause zu machen. Wir gönnen uns ein Mittagessen für 22 Euro – zu zweit. Wasser gibt es hier umsonst in schicken Karaffen. Das Café ist altmodisch elegant, ohne dabei zu edel zu wirken. Es ist einfach nur sehr, sehr gemütlich.

Erfrischt und ausgeruht geht es gleich um die Ecke ins Stadtmuseum. Praktischerweise ist das sogar kostenlos. Das Museum ist klein, aber sehr niedlich gemacht. Ich erfahre also ein paar Dinge über die Geschichte Helsinkis, zum Beispiel, dass es hier früher ein lustiges Spielchen gab, bei dem „Meerjungfrauen“ mit Bällen beworfen wurden, oder dass es im neunzehnten Jahrhundert einen großen Brand in der Stadt gab und ein Architekt namens Engel das Stadtbild danach komplett neu geprägt hat.

Vom Bahnhof zur Felsenkirche Temppeliaukio

Am Kaivokatu treffen sich sämtliche Tram- und Buslinien der Stadt. Hier liegt auch der Hauptbahnhof. Der ist an sich keine wirkliche Schönheit, aber irgendwie schon beeindruckend pompös mit den Wächtern, die weiße Kugeln stoisch in den Händen halten.

Nur wenige Straßen weiter finden wir ein lustiges Gebäude, das wie ein orangefarbenes Ei in der Ecke des Kamppi Platzes ruht. Hektisch eilen die Leute vorbei. Wahrscheinlich kommen sie aus einem der Einkaufzentren gleich nebenan. Ich werfe einen Blick in unseren Reiseführer. Der besagt, das sei die Kamppi Kapelle, ein Raum der Stille. Eine interessante Idee. Wir gehen aber nicht rein, sondern begnügen uns mit einem Foto von außen.

Hinter dem Kamppi führt die Runebergrink zu einer weiteren Kirche. In Helsinki gibt es manchmal Felsen, die einfach so aus dem Boden ragen. Der Temppeliaukio ist in einen solchen Felsen regelrecht hineingebaut worden. Während wir uns diesem Tempel nähern, ist von weitem eigentlich nur ein Haufen Steine zu erkennen. Der Eingang der Kirche scheint in ein Bergwerk zu führen. Stattdessen geht es aber direkt in eine überraschend helle und sehr gemütliche Kirche. Über eine kleine Treppe kommen wir auf eine Galerie, von der aus wir die gesamte Kirchenhalle überblicken können. Von irgendwoher ertönt Klaviermusik. Es wird wohl gerade für ein Konzert geprobt. Wir sitzen einfach zehn Minuten ganz still und lauschen. Echt schön!

Tagesausflug nach Suomenlinna

Da Helsinki nicht groß ist und wir an einem Tag praktisch das ganze Zentrum durchstreift haben, beschließen wir am nächsten Tag, nach Suomenlinna zu fahren. Suomenlinna ist eine Festung, die vor der Stadt in der Ostsee liegt. Fähren pendeln alle halbe Stunde zwischen dem Hafen und der Insel hin und her. Mit einem Tramticket für 2,50 Euro könnt ihr diese Fähren benutzen, solange ihr die Gültigkeitsdauer der Fahrkarte einhaltet (etwa eine Stunde). Oder ihr kauft euch ein Ticket direkt an der Haltestelle der Fähre. Die Überfahrt dauert nur fünfzehn Minuten. Ein wenig erinnert mich das hier an Hamburg und die Fähre nach Finkenwerder. Nur dass Suomenlinna noch viel schöner ist.

Außer uns nutzen vor allem viele Mütter mit ihren Kindern die Fähre, um einen Tag im Grünen mit den Kleinen zu verbringen. Als wir aussteigen, bin ich zunächst überrascht. Eine Burg gibt es hier gar nicht. Es ist vielmehr ein Komplex kleiner Inseln, die insgesamt als Festung benutzt wurden. Davon sind aber nur ein paar Mauern und Kanonen übrig geblieben. Der Rest ist Park und Natur. Alles grünt, manchmal sogar noch schön wild, vor sich hin. Einen ganzen Tag lang bummeln wir auf Suomenlinna hin und her und genießen das schöne Wetter.

Kurz bevor wir wieder zurück zum Festland fahren, muss ich noch in ein total niedliches kleines Café im „Russischen Kaufmannsviertel“. Das Café Vanille hat mich schon auf dem Hinweg am Morgen begeistert. So eine Art Liebe auf den ersten Blick halt. Ein richtiges Pippi-Langstrumpf-Haus, nur eben finnisch. Draußen locken bunte Stühle, Kissen und Blümchentischdecken. Drinnen gibt es selbst gebackenen Kuchen. Antike Kaffee- und Schokoladenverpackungen und noch mehr Blümchen an den Tapeten dienen als Dekoration. Genau so gefällt es mir in Finnland!

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