Verfasst von Nicole Aupperle am 21.07.2015

Havanna – zwischen Oldtimern, Malecón und Kolonialstilbauten

Rumba, Rum und Revolution – das sind Kuba und Havanna. Ich stehe vor dem Kapitol, dem Wahrzeichen Kubas, das nach dem amerikanischen Vorbild in Washington errichtet wurde, und komme aus dem Staunen nicht mehr heraus. Überall stehen diese prächtigen Oldtimer aus den 50er-Jahren. Riesige amerikanische Schlitten in Lollypop-Farben, von den stolzen Besitzern auf Hochglanz poliert. Es dauert nicht lange, bis ich eine Einladung erhalte, mich reinzusetzen. Zu Kuba und Havanna gehören diese Oldtimer einfach genauso wie ein Mojito oder eine Zigarre. Seit Raoul Castro im Dezember 2013 die Märkte weiter geöffnet hat, ist der Import von Neuwagen wieder möglich, wer weiß, wie lange es diese Oldtimer noch geben wird. Schließlich sitze ich in einem dieser alten Taxis und düse damit am Malecón, der berühmten Strandpromenade von Havanna, entlang. Der Fahrpreis ist individuell, er hängt vom Fahrtziel, von der Dauer, den Kilometern und von der Verhandlungstaktik ab; pro Kilometer fällt etwa ein CUC an, was rund einem Euro entspricht. Der Fahrtwind kommt durch die Fenster herein. Leider schnauft das alte Gefährt dann doch sehr bedrohlich die Straße entlang und ich mache mir Sorgen, ob der Auspuff standhält oder dass die verrosteten Türen gleich wegfallen. Aber alles hält. Der Taxifahrer verzieht indessen keine Miene. Dort am Malecón bersten die Wellen des Atlantiks zeitweilen meterhoch die Straße hoch, zerfressen den Putz der alten Hausfassaden, die sich entlang der Uferstraße aneinanderreihen.

Mit dem Oldtimer am Malecón entlang cruisen

Wir fahren vorbei am Hotel National, das einst als Jet-Set-Abstiege diente. Marlene Dietrich hat hier übernachtet und die größten Mafiabosse aller Zeiten. Bevor die Brüder Castro in Kubas Revolution das Hotel stürmten, kamen Stars und Sternchen aus aller Welt hierher. Havanna war in dieser Zeit ein Moloch aus Drogen, Prositution, Schmuggel und Glücksspiel. Das ist lange her. Heute lässt es sich im Garten des Hotel National mit Blick über den Malecón und mit einem Mojito in der Hand super entspannen.

Der Kolonialstilcharme von Havanna Vieja

Die Altstadt von Havanna zählt zum UNESCO-Weltkulturerbe. Koloniale Bauten stehen an jeder Straßenecke. Ich schlendere vom Kapitol aus in Richtung Havanna Vieja, der Altstadt. Hinunter auf einer der belebtesten Straßen, der Calle Obispo. Ein Blick in die beiden Apotheken Johnson und Taquechel ist wie eine Zeitreise in eine andere Welt. Hier stehen Arzneimitteln in deckenhohen Holzregalen in Keramiktöpfchen. Am unteren Ende der Calle Obispo finde ich das zartrosa gestrichene Hotel Ambos Mundes, in dem einst Ernest Hemingway abstieg und seinen Roman „Wem die Stunde schlägt“ verfasste. Von dort biege ich in die Calle de Mercaderes ein, die Straße der Kaufleute. Hier reihen sich Museen und kleine Geschäfte aneinander. Im Schokoladenmuseum gönne ich mir eine kalte Trinkschokolade mit kubanischem Kakao für 1 Euro. Von dieser Straße aus laufe ich direkt auf die Plaza Vieja zu, einem der schönsten Kolonialstilplätze von Kuba mit zahlreichen Restaurants und Cafés. In der Cerveceria Factoria bestelle ich mir ein Fischgericht und probiere auch eine der zahlreichen Biersorten, die hier selbst gebraut werden (Bier ab ca. 2 Euro, Essen zwischen 8 und 15 Euro).

Koloniale Paläste und ein Besuch in der Hemingwaybar

Nach meiner kleinen Mittagspause laufe ich weiter über die Plaza de San Francisco, wo sich auch das Rummuseum befindet. Von dort aus gehe ich über die Plaza de Armas und schaue mich eine Weile auf dem Bücherflohmarkt um. Bücher über den Revolutionshelden Che gibt es hier in tausendfacher Ausfertigung. Weiter geht es zum schönsten Platz von Havanna, der Plaza Catedral. Hier befindet sich die älteste und schönste Kirche von Havanna. Sie soll 1592 zu Ehren von Christoph Kolumbus, dem Entdecker der Karibikinsel, erbaut worden sein. Rund um die Kathedrale erstrecken sich Kolonialstilbauten und Paläste der spanischen Erobererfamilien. Wer Lust hat, kann sich darin ein bisschen umschauen. Von den Arkadengängen im Obergeschoss habt ihr einen guten Blick auf den Platz und die Kathedrale. Der Eintritt ist frei, erwartet wird aber ein kleines Trinkgeld in CUC (1 Euro ist ok).

Zum Abschluss des Tages will ich unbedingt noch ein paar Cocktails probieren. Ich laufe als Erstes zur Bodega del Medio, hier hat sich schon Ernest Hemingway immer betrunken und zwar solange, bis er vom Stuhl kippte. „Mein Mojito in der Bodega del Medio, mein Daiquiri im El Floridita”, soll er gesagt haben. Nach einem Mojito steigt die gute Laune, für die Kuba so berühmt ist, und die Livemusik von den Straßenmusikern tut ein Übriges, um das kubanische Lebensgefühl so richtig auszukosten. Ich halte mich hier an den guten alten Hemingway und bestelle mir gleich noch einen zweiten Mojito für ca. acht Euro – nicht ganz billig, aber das ist pures Cuba Libre!

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