Verfasst von Lea Hajner am 18.11.2014

Hallo Brocken! Wandern im Nationalpark Harz

„Sie haben aber ganz schön viele Wanderabzeichen am Rucksack“, spricht mich die ältere Dame vom Tisch gegenüber an. Wir sitzen auf einer Alm mitten in Niedersachsen, die aufgrund der frühen Morgenstunde noch etwas leer ist. Dafür ist das Frühstücksbuffet reichlich gefüllt. Wir langen kräftig zu und kommen ins Gespräch. Anne ist aus Hannover und ein wahrer Bergfex und Harz-Fan. Für mich ist es meine erste Reise in den Harz, also lasse ich mir gerne ein paar Tipps geben. Schnell wird klar, dass Anne hier jeden Weg kennt, eine bessere Infoquelle hätte ich nicht finden können.

Dabei bin ich bei meiner Anreise am Vorabend schon in der Tourismusinfo und im Nationalpark-Zentrum in Torfhaus gewesen. Torfhaus liegt direkt im Nationalpark und ist ein idealer Ausgangspunkt für Wanderer. Die meisten Wanderer hier wollen auf den Brocken, den höchsten Berg im Norden Deutschlands. Der Fußweg ist die sportliche Variante des Aufstiegs. Für weniger ambitionierte Naturfreunde oder für Eisenbahnliebhaber fährt die Harzer Schmalspurbahnen von Drei Annen Hohne an der Harzquerbahn über Schierke zum Brocken. Am Ende der Strecke fährt die dampfbetriebene Bahn eine Spirale und umrundet so den auf 1.142m gelegenen Gipfel eineinhalb Mal. Die letzten Meter geht man dann zu Fuß. Vom Gipfel könnt ihr bei guter Sicht sogar bis zum Großen Inselsberg in Thüringen oder auch zum Petersberg bei Halle an der Saale sehen.

Die Fahrt kostet für Erwachsene 23 Euro; wer auch wieder bequem mit der Bahn hinunterfahren möchte, zahlt für das Kombi-Ticket 35 Euro. Sicherlich ein tolles Erlebnis, mich schreckt allerdings der Preis etwas ab. Und schließlich sind es nur 500 Höhenmeter von meiner Unterkunft auf den Gipfel über den Goetheweg.

Warum denn eigentlich Brocken?

Der Berg erinnert mich zwar ein wenig an einen Brocken, aber so steil und herausragend ist er nun auch wieder nicht. Anne erklärt mir, dass es keine „richtige“ Herleitung des Namens gibt. Sie findet die Idee schön, dass der Name von „Blocksberg“ abgeleitet wurde, einem Hexenversammlungsplatz.

Mit einem Blick aus dem Fenster auf die grünen Spitzen der Fichtenwälder und das saftige Grün, über dem der morgendliche Nebel sich gerade lichtet, kann ich mir das auch gut vorstellen. Es ist ein mystischer Platz in der Natur, Hexen hin oder her. Seit 2006 sind der Brocken und die Wälder und Moore ringsum länderübergreifend als Nationalpark geschützt. Die gesamte Nationalparkregion mit Umgebung zählt bis zu 9 Millionen Besucher jährlich. Ein beliebtes Ausflugsziel, an dem jeder auf seine Kosten kommt. Besonders beliebt ist die Region auch bei Mountainbikern, die hier nicht auf unüberwindbare Höhenunterschiede stoßen.

Wanderung auf den Brocken

Bei der Wanderung ist aber Ausdauer gefragt. Über 20 Kilometer ist die Strecke von unserem Ausgangspunkt lang, dafür gilt es, nur rund 500 Höhenmeter zu bewältigen. Früh starten ist durchaus eine gute Idee, vor allem im Herbst, wo es schon am späten Nachmittag dämmert. Insgesamt sind für die Wanderung sechs Stunden veranschlagt. „Ach, du mit deinen flotten Wanderschuhen schaffst das locker in fünf“, meint Anne und schiebt mir ein kleines, flaches Geschenk über den Tisch. Das solle ich mitnehmen. Eigentlich wollte sie es ihrem Enkel schenken, aber jetzt freut es sie mehr, wenn ich es bekomme, verrät sie mir. Aufmachen darf ich es allerdings erst später, am Ende des Tages, nach der Wanderung.

Ich bedanke mich herzlich und wünsche ihr auch einen schönen Tag. Dann schultere meinen Rucksack und nehme einen letzten Schluck Kaffee. Auf geht’s auf den Gipfel des Brocken, schließlich muss ich das,was ich unter dem Geschenkpapier bereits ertasten kann, erst einmal verdienen, damit ich es in Zukunft mit Stolz am Rucksack tragen kann.

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