Verfasst von Claudia Böttcher am 12.01.2015

Gardasee: Die Ruhe vor dem Sturm

Morgens muss es schnell gehen. Ein Cappuccino und ein Cornetto, stehend an der Bar, das muss reichen für La Colazione, das italienische Frühstück. Ich lasse meinen Blick durch die Bar Pasticceria Maroni im Zentrum Riva del Gardas schweifen. Um mich herum Einheimische, die sich lachend begrüßen und die ersten Neuigkeiten des Tages austauschen, ihren Caffè trinken und einen Blick in die Zeitung werfen.

Warten auf den König der Winde

Draußen liegt das Städtchen Riva am Nordufer des Gardasees noch fast verlassen da. Langsam schlendere ich die wenigen Meter zum Seeufer. Dicke Nebelschwaden hängen tief über dem Wasser. Noch hat der Pelér nicht aufgefrischt. Erst wenn die Sonne das Wasser des Sees bescheint, wird der König der Gardaseewinde seine volle Kraft entfesseln, Wellen und Wolkenfetzen vor sich hertreiben und ihn in das Wassersportparadies verwandeln, als das er bekannt ist.

Bis dahin gehört der See aber noch anderen. Zwei ältere Männer nutzen die Gunst der Stunde für den ersten Fischfang des Tages. Ich setze mich auf die Kaimauer und beobachte sie. Während der eine das Boot mit zeitlupenartigen Schlägen durch die spiegelglatte Oberfläche zieht, behält der andere die Angelruten im Blick. So ruhig ist diese Szene, dass sie fast meditativ wirkt.

Rasante Fahrt

Lange jedoch wird der Wind nicht mehr auf sich warten lassen und daher schwinge ich mich auf mein Fahrrad und mache mich entlang des Ufers auf den Weg zum Wassersportzentrum Sailing Du Lac. Reka, meine Segellehrerin, wartet schon auf mich und wenig später schießen wir in einer kleinen Jolle über den See, der jetzt wie ausgewechselt erscheint.

Ob Anfänger- oder Starkwind-Segelkurs, Sailing Du Lac bietet für alle Könnensstufen das richtige Programm. Wer mag, kann ab 69 Euro für zwei Stunden und zwei Personen spontan vor Ort einen Schnupperkurs buchen. Vorkenntnisse oder Ausrüstung sind nicht nötig.

Das Boot neigt sich hart zur Seite, während es in rasanter Fahrt über die schäumenden Wogen treibt. Surfer und Katamaransegler jagen an uns vorbei, am Horizont tanzen die bunten Gleitschirme der Kitesurfer und um uns herum bilden die steil aufragenden, schroffen Felsen eine majestätische Kulisse.

Gegen Mittag macht der Pelér eine kurze Pause, bis er am Nachmittag von seiner südlichen Schwester, der Ora, abgelöst wird. Ideal für einen Spaziergang entlang der Promenade von Torbole. Eng schmiegen sich die kleinen, farbenfrohen Häuser ans Seeufer. Ein paar bunte Holzboote dümpeln faul im geschützten Hafen in der Sonne. Ich genieße die Mittagspause auf einer der Terrassen entlang der Promenade.

In die Berge

Doch nur wenig später zieht es mich wieder raus, diesmal in die Berge. Arco, die kleine Stadt im Hinterland, fünf Kilometer nördlich am Lauf des Flusses Sarca gelegen, gilt als Eldorado für Bergsportler. Ob Klettern, Trekking, Rafting oder Mountainbiken, hier finden Outdoorbegeisterte alles, was das Herz begehrt. Für Klettereinsteiger wie mich bieten die Friends of Arco einen leichten Start an. Gemeinsam mit Mauro, meinem Instruktor, geht es in die schuleigenen Felsen, die bereits großzügig mit Seilen und Tritthilfen ausgestattet sind.

Dreitägige Kletterkurse können zu festen Terminen für 160 Euro gebucht werden. Wer hier keine Zeit hat, kann auf individuell zugeschnittene Programme zurückgreifen. Auf Anfrage stellen die Friends of Arco jedem den passenden Kurs zusammen, Schuhe, Seile und Sicherung inklusive.

Und während ich so meine ersten vorsichtigen Griffe und Schritte an der Wand ausprobiere, Mauro von unten Tipps und Ratschläge gibt, bin ich unerwartet schnell an der Oberkante des Felsbrockens angelangt und stelle fest: Das ist gar nicht so schwer und macht vor allem höllisch Spaß.

Cucina Italiana mit Passion

So viel Sport macht hungrig. Was würde da besser passen als ein Besuch im Leon D‘Oro in Riva. Das traditionelle Restaurant mit den geschwungenen Gewölbedecken ist für seine hervorragende norditalienische Küche bekannt. Herzlich begrüßt die Inhaberfamilie Salvaneschi jeden Gast und sorgt dafür, dass kein Wunsch offenbleibt. Ein Blick in die Küche erklärt, warum es hier so besonders hervorragend schmeckt: Hier wird eindeutig mit Passion gearbeitet. Und nur kurze Zeit später birst mein Tisch fast unter den verschiedensten Köstlichkeiten der Cucina Italiana.

Die Reise durch die italienische Küche steht nicht auf der Speisekarte, daher einfach den Kellner fragen und individuelle Gänge mit kleinen Kostproben zusammenstellen. Natürlich kann man auch ganz normal à la carte essen. Besonders empfehlenswert fand ich das Thunfisch-Tatar, die gratinierten Jakobsmuscheln und das Goldbrassefilet vom Grill. Die Preise im Leon D‘Oro sind gehoben, angesichts der außergewöhnlichen Qualität aber durchaus fair. Für ca. 35 Euro kann man ein exzellentes Menü zusammenstellen.

Zufrieden und müde mache ich mich anschließend auf einen letzten Weg durch das nächtliche Riva. Tiefschwarz und spiegelglatt liegt das Wasser da. Die letzten Gäste sind auf dem Heimweg durch die kopfsteingepflasterten Gassen. Die Luft steht jetzt still. In ein paar Stunden wird der Tag zurückkehren und mit ihm die Angler, der Wind und die Segler. Bis dahin gehört der See nur der Nacht – und sich selbst.

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