Verfasst von Oliver Zwahlen am 18.01.2017

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Städtereise Funchal Madeira

Funchal: Rundgang durch die Hauptstadt der Blumeninsel

Es bleibt keine Zeit, die Kamera zu zücken. Kaum habe ich mich hingesetzt, laufen die beiden weiß gekleideten Männer bereits los. Ein geschickter Zwick an der Leine und ich schieße zwischen ihnen hindurch. Ich halte mich an der Lehne fest, während es auf meinem Korbschlitten rasant durch die engen Gassen bergab geht.

Die Abfahrt im Korbschlitten

Etwa 30 bis 40 Stundenkilometer sollen die für Funchal typischen Gefährte an den steilsten Stellen erreichen. Gefühlt bin ich aber viel rascher unterwegs. Das Fahrgefühl ist ohnehin seltsam: Die Holzkuffen des Schlittens rutschen auf dem abgewetzten Asphalt als bestünde er aus blankem Eis. Immer wieder stellen die beiden Männer das Gefährt leicht quer, um die Fahrt etwas abzubremsen.

Die „Carros de cesto“ gehören heute zu den wichtigsten Attraktionen in der Hauptstadt von Madeira. Das war nicht immer so. Als sie um 1850 aufkamen, dienten sie zunächst den wohlhabenden Bewohnern als schnelle Möglichkeit, Funchal zu erreichen. Touristen entdeckten erst viel später, wie viel Spaß die mit 30 Euro nicht ganz günstigen Abfahrten machen.

Der botanische Garten

Wer eine Fahrt mit dem Korbschlitten plant, sollte vorher unbedingt den botanischen Garten (5,50 Euro) besuchen, der ebenfalls in Monte hoch über Funchal thront. Auch ich verbrachte zuerst eine Stunde auf dem riesigen Gelände, das sich dem Besucher wohl auch nach einem ganztätigen Besuch nicht vollständig erschließt.

Mein Rundgang führt mich zuerst am Museum Monte Palace vorbei. In seinen Hallen befindet sich eine grandiose Sammlung von Skulpturen, die aus allen Teilen Afrikas stammen. Im Stock darunter schaue ich mir die „Geheimnisse der Mutter Natur“ an: Hier wurden Kristalle aus der ganzen Welt zusammengetragen. Manche davon fast so groß wie ich.

Im Zickzack folge ich einem kleinen Wasserlauf, der mich an den unterschiedlichsten Pflanzenarten vorbei zu einem kleinen See führt. Hier stehen zahlreiche Skulpturen und etwas, von dem ich später erfahre, dass es die größte Vase der Welt ist. Nur wenige Meter weiter versteckt sich das ehemalige Herrenhaus Quinta do Bom Sucuesso, in dem sich heute das sehenswerte naturhistorische Museum befindet.

Durch die Altstadt

Nun ist aber erstmal Zeit für das Mittagessen, das ich ziemlich formvollendet im Garten des „Restaurante do Forte“ einnehme. Wer will, kann hier richtig edel essen. Ich wähle auf der kleinen Mittagskarte den Risotto mit Garnelen. Der elegante Gourmettempel befindet sich im Innern eines hübschen Forts auf dem 17. Jahrhunderts, das den Hafen überblickt.

Von hier aus spaziere ich gemächlich durch die Rua de Santa Maria, die älteste Straße der Stadt. Heute ist das enge Gässlein in erster Linie wegen den zahlreichen Bars und Restaurants bekannt, die vor allem abends sehr belebt sind. Jetzt am Nachmittag ist wenig los. Der Vorteil: Ich kann mir in aller Ruhe die bemalten Haustüren anschauen.

Am Ende der Straße befindet sich der alte Bauernmarkt (Mercado dos lavradores). Den Bereich mit den frischen Schnittblumen lasse ich schnell hinter mir – schließlich habe ich am Vormittag genügend Grünes gesehen – und mache mir direkt auf den Weg, um die seltsamen tropischen Früchte auszuprobieren, für die der Markt bekannt ist. Kaufen sollte man sie wegen der überrissenen Touristenpreise aber anderswo.

Tour durch das Weingut

Ebenfalls in der Altstadt befindet sich Blandy’s Winelodge. Hier hat der wichtigste Produzent der bekannten Madeira-Weine seinen Sitz. Für 5,90 Euro gibt es eine 45-minütige Tour durch die alten Gemäuer mit einer anschließenden Degustation.

Inzwischen ist bereits später Nachmittag. Ich spaziere dem Ufer entlang Richtung Hafen. Und während ich auf der Meer schaue, fährt in der Ferne die Santa Maria vorbei – ein Nachbau des bekannten Schiffs von Columbus. Ich setze mich auf eine Bank und denke mir: Schade, dass ich nicht mehr Zeit für Funchal habe.

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