Verfasst von Dirk Löw am 14.07.2015

Faultiere und Schokolade: Zwei Ausflugstipps für Costa Ricas Karibikküste

Johnny Depp blinzelt mich verschlafen an. Es ist heiß, es ist tropisch schwül, und was soll er da nachmittags schon anderes machen als dösen? Dann schlingt er seine Arme um seine Freundin Melissa, und beide schlafen weiter, mich ignorierend. Johnny Depp und Melissa sind Faultiere. Beide sind sie Bewohner im Faultier-Rettungszentrum nördlich des Ortes Puerto Viejo an der costaricanischen Karibikküste.

Faultiere, Krokodile und bunte Vögel

Puerto Viejo ist der touristische Mittelpunkt an Costa Ricas atlantischer Küste und bietet neben dem Faultier-Zentrum noch einige weitere sehr lohnenswerte Ausflugsziele (u. a. die ehemalige Hippie Commune Cahuita, die Partymeile in Puerto Viejo, die tollen und kaum besuchten Strände, der Cahuita Nationalpark) an. Wer hätte gedacht, dass es über Faultiere so viel zu erfahren gibt, obwohl die Wissenschaft so wenig weiß über sie: Wie alt werden sie, wie ziehen sie ihre Jungen auf, wie interagieren die Geschlechter miteinander?

Diese und andere Fragen über die Faultiere werden mir im Faultier-Schutzzentrum („Sloth Sanctuary“) ausführlich (in Englisch)beantwortet. Das Sanctuary ist in einem naturbelassenen, von Wasserarmen durchzogenen Stück Küstendschungel gelegen. Ein Besuch im Schutzzentrum beinhaltet deshalb auch eine kleine Bootstour über die schattigen Kanäle, und ihr gleitet auf Pirogen lautlos durch den in tausenden Grüntönen erblühten Dschungel. Mit etwas Glück könnt ihr Krokodile, Greifvögel, Fledermäuse und hunderte von bunten Vögeln antreffen – sehr lohnenswert für alle Hobbyfotografen!

John Depp bleibt ein Leben lang im Schutzzentrum

Das Sanctuary bietet ca. 150 Faultieren Schutz und medizinische Behandlung und wildert die wiederhergestellten Baumbewohner auch wieder aus. Faultiere sind in erster Linie Opfer der Zivilisation: Hunde, Autos, Strommasten sind gefährlich für die pelzigen Kletterer.

Johnny Depp und seine Melissa werden den Rest ihres Faultierlebens im Schutzzentrum bleiben müssen, sie wurden beide als Babys eingeliefert, und niemand kann ihnen beibringen, wie sie sich erfolgreich in der Wildnis behaupten können. Auch deshalb haben sich die ansonsten als Einzelgänger lebenden Tiere zusammengetan.

Das Sloth Sanctuary ist alles andere als ein Touristennepp, es ist ein ernst zu nehmendes Naturschutzprojekt, welches mit seiner Arbeit auch den Eintrittspreis von 30 US Dollar pro Person rechtfertigt. Zu erreichen ist es über die Küstenstraße von Puerto Viejo nach Limon. Und ja, ihr bekommt auch die Baby-Faultiere zu sehen!

Im Kakaomuseum: von der Kakaobohne zur Schokolade

Ob Faultiere Schokolade mögen, weiß ich nicht, aber die meisten Menschen mögen das Kakaoprodukt sehr! Doch wie wird überhaupt aus der Kakaopflanze Schokolade? In Costa Ricas „Museo del Cacao“ nahe dem Örtchen Hone Creek, ebenfalls nördlich von Cahuita, wird diese Frage kenntnisreich beantwortet.

Im Kakaomuseum, in einer kleinen Kakaoplantage gelegen, können die Besucher alles über die Manufaktur von Schokolade von der Bohne bis zur fertigen Tafel lernen. Das Museum ist eigentlich mehr ein tropischer Garten, die Touren finden unter freiem Himmel statt. Da Kakaobäume eine ganz spezielle Mückenart zur Bestäubung benötigen, ist es für den Besuch im Kakaodschungel tatsächlich sinnvoll, Sonnen- und Mückenschutz mitzubringen!

Eigene Schokolade aus der Dschungelküche

Aus der Kakaofrucht werden für die Schokolade nur die Bohnen aus dem Inneren der Frucht benötigt. Die Bohnen werden fermentiert und geröstet und schmecken dann schon ziemlich schokoladig. Alle Herstellungsschritte können die Teilnehmer auf der kleinen Dschungelrunde erfahren und erschmecken. Teilweise wird sogar Deutsch gesprochen.

Zum krönenden Abschluss wird dann in der offenen Dschungelküche der Herd angeworfen, und die Besucher können ihre eigene Schokolade herstellen.

Zu erreichen ist das Museo del Cacao über die Küstenstraße von Cahuita nach Limon, auch mit dem Bus ab Puerto Viejo oder Cahuita. Eine der sehr charmanten 45minütigen Touren kostet 15 US-Dollar pro Person. Ich finde, das Kakaomuseum ist gerade für Familien mit Kindern abwechslungsreich und spannend, es werden auch Gruppenführungen angeboten.

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