Verfasst von Alex Mirschel am 24.11.2014

Es ist fast alles Gold, was glänzt

Bescheidenheit ist in den Vereinigten Arabischen Emiraten bis heute ein Fremdwort, vor allem Dubai hat in der jüngeren Vergangenheit mit gigantischen Bauprojekten und Weltrekorden regelmäßig für Aufsehen gesorgt. Doch auch Abu Dhabi, die Hauptstadt der Emirate, hat ein rasantes Wachstum hingelegt und fasziniert Besucher mit einer glitzernden Skyline aus modernen Wolkenkratzern.

Während sich die letzten Sonnenstrahlen in den Glasfassaden spiegeln, flanieren wir gemütlich über die kilometerlange Corniche, die sich wie ein grüner Park direkt an der Küste entlangschlängelt. Ruhig und besinnlich geht es zu, nur das sanfte Rauschen der Wellen begleitet unseren Weg. Das geschäftige Treiben der Innenstadt ist mit der einbrechenden Dunkelheit verflogen, auch der kleine, aber feine Stadtstrand an der Promenade ist nun menschenleer.

Zu Besuch in einer anderen Welt

Am nächsten Morgen führt unser Weg zur berüchtigten Scheich-Zayid-Moschee, die zugleich das religiöse Herzstück Abu Dhabis und den Stolz einer ganzen Region verkörpert. Schon aus einiger Entfernung erkennen wir die weißen Kuppeln und Minarette am blauen Horizont, mit leichtem Unbehagen nähern wir uns diesem islamischen Heiligtum. Als Christen gelten wir zwar gemeinhin als „Ungläubige“, doch sind wir keineswegs die einzigen westlichen Besucher an diesem Tag und unsere Unsicherheit weicht schnell der Neugierde.

Eine angemessene, respektvolle Bekleidung wird verlangt (Damen tragen Kopftuch, Herren lange Hosen), im Zweifel stehen leihweise traditionelle Abayas zum Überziehen bereit. Nur die Zeit des großen Gottesdienstes am Freitag beanspruchen die Muslime exklusiv für sich, an allen anderen Tagen steht die Moschee für Besucher von 9 bis 22 Uhr offen, der Eintritt ist kostenlos. Für uns ist es eine tolle Gelegenheit, mehr über den Islam zu erfahren und zugleich in eine orientalische Wunderwelt wie aus 1001 Nacht einzutauchen.

Abu Dhabis Moschee der Superlative

Die Scheich-Zayid-Moschee ist mehr als nur ein Gotteshaus, es ist die Selbstverwirklichung eines religiösen Herrschers und ein monumentales Gebäude der Superlative. Wir kommen aus dem Staunen nicht mehr heraus, als wir über die mit Blattgold verzierten Marmorböden schreiten und den größten Kronleuchter der Welt bewundern. Über 40.000 Gläubige finden in der Moschee Platz, die ganz nebenbei mit einem mehr als 5.000 Quadratmeter großen, handgeknüpften Teppich ausgelegt ist. Auch hier gehört es zur Ehrensache, dass es sich um den größten seiner Art handelt.

Die vielen Symbole und die Finessen dieser außergewöhnlichen Architektur erschließen sich uns nicht immer auf den ersten Blick, doch der kostenlose Audioguide hält für Besucher umfassende Informationen und Erklärungen bereit. Besonders empfehlenswert sind jedoch die ebenfalls kostenlos angebotenen Führungen mit fachkundigen Guides. Vor allem die Sunset-Tour am Abend versprüht eine außergewöhnliche Atmosphäre, denn nichts erscheint uns selbstverständlicher als dieser Prunkbau im goldenen Glanz der untergehenden Sonne.

Auf Kurzbesuch im Palast der Träume

Wer Abu Dhabis luxuriösen Verführungen nicht widerstehen kann, findet nur wenige Fahrminuten von der Moschee entfernt übrigens das fabelhafte Emirates Palace direkt am privaten Sandstrand. Dieser schillernde Palast der Träume befindet sich im Besitz der Herrscherfamilie und wird von der Kempinski-Gruppe gemanagt, er galt mit rund 3 Milliarden Dollar Baukosten viele Jahre als teuerstes Hotel der Welt.

Wir haben dem Wachpersonal mitgeteilt, eventuell eine „Tea Time“ im hauseigenen Café einnehmen zu wollen, und konnten auch ohne Reservierung problemlos passieren. Schon im Lobbybereich wird deutlich, dass es sich um weit mehr als nur ein 5-Sterne-Hotel handelt. Die meisten Mythen ranken jedoch um das achte Stockwerk des Hauses, in dem sich sechs geheime Suiten mit jeweils 680 Quadratmetern befinden sollen, die das ganze Jahr über für die Herrscherfamilien befreundeter Nachbarstaaten bezugsfertig bereitstehen.

Mit dem nötigen Kleingeld hätten wir neben der Hotel-Rezeption übrigens auch gleich das passende Souvenir an einem Automaten kaufen können: echte Goldbarren zum Mitnehmen. Willkommen in Abu Dhabi, man gönnt sich ja sonst nichts!

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