Verfasst von Susi Maier am 15.07.2015

Eine andere Seite von Amsterdam: unterwegs in der Haarlemmerbuurt

Amsterdam ist für mich ein wunderschönes Gewirr aus Gassen, Grachten und Brücken, spannenden Leuten und Cafés, Flohmärkten und Museen. Gerade die Altstadt fühlt sich stellenweise an wie ein Freiluft-Vergnügungspark mit historischem Ambiente für Touristen jeglicher Couleur. Umso überraschter bin ich, als mich meine Entdeckungstour über den Kanal „Singel“ westlich des Hauptbahnhofs führt. Ich überquere eine Brücke mit einem Stand frischer Heringe – und auf einmal fühlt es sich so an, als sei ich den Touristenmassen entkommen und in einem lärmgeschützten Dorf mitten in der Stadt gelandet.

Die Haarlemmerstraat: das charmante Herz des Stadtviertels

Ich befinde mich am Eingang der Haarlemmerstraat, das Herz eines kleinen Stadtviertels namens „Haarlemmerbuurt“, das nur aus wenigen Straßenzügen zwischen Singel, Brouwersgracht und Haarlemmerplein besteht. Eingerahmt von alten hübschen Gebäuden, erstreckt sich vor mir eine sehr lange Straße mit über 200 kleinen Geschäften. In der Haarlemmerstraat und ihrer Verlängerung, dem Haarlemmerdijk, findet ihr weder die großen Ketten und bekannten Marken, die ihr aus jeder Innenstadt kennt, noch Souvenirshops, sondern kleine, unabhängige und lokale Shops – vom Vintage-Laden bis zur kleinen Boutique, vom Feinkost- zum Bioladen, aber auch Straßencafés und kleine Bars und Restaurants. Im Gegensatz zu anderen Gegenden der Altstadt befindet ihr euch hier auf einmal unter Einheimischen, die ihren täglichen Besorgungen nachgehen, beim Käsehändler einkaufen oder sich noch schnell mit Freunden auf einen Kaffee treffen. Natürlich, wie in Amsterdam üblich, mit dem Fahrrad.

Shoppen und Schlemmen in lokalen, unabhängigen Geschäften

Ich schlendere los und bleibe gleich am Anfang der Haarlemmerstraat schon in einigen schön gestalteten Geschäften hängen: Bei „Het Grote Avontuur“ („das große Abenteuer“), ein wunderschöner, nostalgisch anmutender Laden, gibt es ausgefallene Vintage-Möbel und Accessoires wie alte Landkarten zu entdecken, mit altem Geschirr gedeckte 50er-Jahre-Esstische oder hübsche Karten aus alten Porträt-Fotos, die mit Farben und Collagen-Elementen nachbearbeitet wurden. In der Boutique „Luba“ gegenüber gibt es ausgefallene Kleidung von verschiedenen kleinen, auch lokalen Labels – schön bunt und nach Farben sortiert, mit hübschen Details und zu moderaten Preisen.

Danach stöbere ich bei „Rumors Vintage & Design“ in ausgewählten Stücken aus den 50er- bis 90er-Jahren wie Kleidern, Schmuck oder Schuhen. Weiter hinten, wo die Haarlemmerstraat schon in den Haarlemmerdijk übergegangen ist, entdecke ich noch „Marbles Vintage“, ein ansprechend gestalteter, gut sortierter Vintage-Laden auf zwei Ebenen mit günstigen Preisen und superfreundlichem Personal.

In der Haarlemmerbuurt gibt es aber nicht nur solche Shops, sondern auch individuelle Cafés und Restaurants. Auch Läden des täglichen Bedarfs wie Bäckerei oder Biosupermarkt sind hier zu finden, was der Straße ein lebendiges und authentisches Flair verleiht. Ich bin mittlerweile dazu übergegangen, mich durch einige der internationalen Delikatessen-Shops des Viertels zu probieren – von holländischem Käse im „Kaasland“ über luftgetrockneten spanischen Schinken im „Ibericus“. In der portugiesischen Patisserie „Casa Bocage“ nehme ich mir lecker aussehende kleine Törtchen für später mit, bevor ich mich auf die Suche nach einem passenden Spot fürs Mittagessen begebe.

Im „Stout“, einem kleinen Restaurant in einem schönen alten Haus an einer Straßenecke der Haarlemmerstraat, stehen ausgefallene Sandwiches, Salate und Suppen mit europäischen und asiatischen Einflüssen auf der Speisekarte – alles frisch, bio, regional und saisonal. Hier setze ich mich an einen Tisch im Freien, beobachte das Treiben und stärke mich mit einem leckeren vegetarischen Flammkuchen, für den ich inklusive Getränk weniger als 15 Euro bezahle.

Idyllische Gässchen und ein Plätzchen an der Gracht

Gestärkt und mit meinen portugiesischen Leckereien von meiner Shoppingtour bewaffnet, streife ich anschließend durch die ruhigen, idyllischen Seitengässchen der Haarlemmerstraat. Hier sieht Amsterdam so aus, wie ich es mir vorstelle: Dicht an dicht schmiegen sich die typischen alten Häuser, vor deren Vorgärtchen bunte Hollandräder parken.

Mich zieht es weiter, hinunter zur wunderschönen Brouwersgracht, an dessen Ufer ich mir ein schönes Plätzchen in der Sonne zum Füßebaumelnlassen suche. Dort lasse ich meinen Blick über die Gracht vor mir mit ihren alten Brücken, Häuschen, Fahrradfahrern und vorbeifahrenden Booten schweifen, neben mir Einheimische, die in ihrer Mittagspause dasselbe machen, beiße in mein portugiesisches Törtchen und freue mich, dass ich die Haarlemmerbuurt entdeckt habe.

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