Verfasst von Anne Steinbach am 29.04.2015

Ein Streifzug durch den Norden von Kuba

Ich leere mein Mojito-Glas, während die Salsa-Musik immer lauter wird. Ist das nicht „Chan Chan“ von den Altmeistern des Buena Vista Social Club? Der Platz füllt sich mehr und mehr mit Leuten: Einheimische und Touristen genießen den Moment, in dem die Stadt noch pulsierender wirkt, als sie sowieso schon ist. Havanna ist nicht nur die größte Stadt der Karibik, sondern auch eine der romantischsten und ansteckendsten.

Ich sitze vor der Catedral de San Cristóbal de la Habana in der Nähe vom Placa de Armas und dem Second Hand Buchmarkt unter freiem Himmel und lasse mich von dem verzaubern, was Havanna so besonders macht: Alte Kolonialhäuser säumen den Platz, vor ihnen parken Oldtimer, die schon lange nach Werkstatt schreien, und zwischendrin wuseln die Habaneros und organisieren ihren Alltag.

Habana Vieja – die Altstadt von Havanna

Kurz vor dem Sonnenuntergang, genau dann, wenn die ersten Habaneros schon das Tanzbein schwingen, schlendere ich durch die versteckten Gassen von Havanna. Rechts und links befinden sich kleine Cafés, die fast alle Livemusik spielen. Havanna ist ein einziger, wenngleich charmanter Mix aus Zerfall und Schönheit. Viele der einst sehr ansehnlichen Kolonialhäuser wurden bereits während der Revolution schon nicht mehr renoviert.

Die Wände sind verziert mit Zeichnungen aus der Revolution. Vor den Fenstern sind Gitter angebracht, durch die ich einen Einblick in die Wohnzimmer der Habaneros bekomme. Ich fühle mich, als würde ich durch eine Filmkulisse laufen, als sei die Zeit stehengeblieben, und es gefällt mir.

Malecón – romantischer geht es nicht

Einen festen Plan für meinen Abend in Havanna habe ich nicht und das ist auch gut so, denn wer in die kubanische Hauptstadt reist, braucht keinen Plan, sondern lässt sich einfach treiben – bis auf eine Ausnahme: Den Sonnenuntergang verbringe ich am Malecón, denn hier trifft sich ganz Havanna am Abend.

Die sieben Kilometer lange Uferpromenade ist das Wahrzeichen von Havanna und der Ort, an dem sich abends Paare treffen und Habaneros ihre neuesten Geschichten austauschen. Die ehemalige Prachtstraße führt von der Altstadt bis hin zum Rio Almendares.

Während sich der Himmel von Orange in Knallrot färbt, schlagen die Wellen an die Betonmauer. Ich suche mir ein trockenes Plätzchen, bevor ich auf die Suche nach einem Restaurant in den Gassen von Havanna gehe. Mit ein bisschen Zickzack durch die kleinen Straßen finde ich nach ein paar Minuten das Restaurant „La Guarida“. Knapp 15 Minuten laufe ich, bis ich mich fühle, als säße ich mitten in der Geschichte Kubas: Die Tapete blättert schon leicht von den Wänden ab und ist vom Zigarrenrauch ganz gelb, auf den Tischen stehen alte Rumflaschen mit Kerzen und im Hintergrund läuft Salsa. Ich blättere durch die Karte und entscheide mich für ein typisch kubanisches Gericht: Reis, schwarze Bohnen und dazu Thunfisch für rund 15 CUC (ca. 14 Euro) und genieße von meinem Tisch aus den perfekten Blick über die Dächer von Havanna.

Von den Gassen Havannas in die Tabakfelder von Viñales

Um 8:40 Uhr mache ich mich auf zum Busbahnhof, kaufe mir ein Ticket für den Viazul Bus und fahre für umgerechnet rund 12 Euro von Havanna nach Viñales. Schnell lasse ich den Trubel Havannas hinter mir und fahre durch das fast schon verlassen wirkende „Hinterland“ von Kuba. Nach vier Stunden komme ich in Viñales an und spüre einen ganz anderen Charme: Das kleine, verschlafene Städtchen ist das Zentrum der Tabak-, Gemüse- und Obstfarmen.

Ein kubanischer Reiseguide führt mich und eine kleine Gruppe für umgerechnet rund 15 Euro auf einer 6-stündigen Tour durch die Täler und Felder von Viñales.

Während ich durch die vielen Plantagen und Felder mit Bananen, Kaffee, Mais und Manjok laufe, vergesse ich voll und ganz die Zeit und habe mich schon längst an das tropisch-feuchte Klima gewöhnt.

Am späten Abend nach der Tour öffnet Adolfo die Tür. „Mojito?“, fragt er freudestrahlend und ich kann dieses Angebot definitiv nicht ablehnen. Adolfo besitzt zusammen mit seiner Frau Maria eine kleine Farm mitten im Hinterland von Viñales. Hier bauen die beiden Tabak an und Minze, machen ihren eigenen Rum und kümmern sich um durstige Touristen wie mich, die sich ab und an mal hier verirren. Zu unserer Tour gehörte ein Stopp bei Adolfo und Maria dazu.

Dank Adolfo weiß ich jetzt, wie eine echt kubanische Zigarre gedreht wird und dass selbst gemachter Mojito einfach viel besser schmeckt als alles, was ich bisher in den Bars getrunken habe.

Sonne, Strand und Meer in Varadero

Ich möchte mir noch einen Tag am Strand von Varadero gönnen – also fahre ich mit dem Bus wieder zurück nach Havanna, von wo aus ich einen zweiten Viazul Bus für etwa 10 Euro nach Varadero nehme. Nach knapp 1,5 Stunden stehe ich am bilderbuchartigen Strand von Varadero und blicke auf die Weiten des Meeres.

Varadero ist der größte Touristenort Kubas und befindet sich auf der 20 Kilometer langen Halbinsel Hicacos. Ich breite mein Strandtuch aus, lege mich in den Sand und lasse mir einfach nur die Sonne auf den Bauch scheinen und die letzten Tage Revue passieren.

Kuba, das sind nicht nur die alten Häuser und Autos, die von den Spuren der Revolution gezeichnet sind. Nein, Kuba, das ist ein Land, das es schlagartig in die Top 10 meiner Lieblingsdestinationen geschafft hat. Ich werde noch lange von Kubas Charme, den glücklichen und vor allem tanzbegabten Menschen und von der Einmaligkeit jeder einzelnen Ecke träumen.

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