Verfasst von Jana Zieseniß am 21.11.2014

Ein Roadtrip durch die Bretagne

Ich stehe am Leuchtturm des Pointe de St-Mathieu im Westen der Bretagne. Brausend schlagen die Wellen gegen die Felsen, der Wind weht mir um die Ohren und die Luft schmeckt nach Salz. Hier, wo die Welt fast zu Ende zu sein scheint, beginnt meine Reise durch die Bretagne, die mich zu den schönsten Orten der rauen Küstenlandschaft führt. Während ich so dastehe und die wilde Landschaft auf mich wirken lasse, kann ich es kaum glauben, dass ich vor nicht mal einer Stunde den Flughafen in Brest verlassen habe. Ich hatte mir bereits von Deutschland aus für rund 125 Euro dort einen Mietwagen gebucht, den ich fünf Tage später an meinem Zielort Rennes wieder abgeben kann.

Abseits vom Leuchtturm und den Ruinen des einstigen Klosters wandere ich ein Stück auf dem Sentier des Douaniers, dem Zöllnerpfad an der zerklüfteten Küste entlang. Der Fernwanderweg verbindet den Mont-Saint-Michel im Norden mit Saint-Nazaire im Süden. Um die unterschiedlichen bretonischen Küstenlandschaften zu erleben, braucht ihr aber keineswegs die ganzen 2.000 Kilometer zurückzulegen. Wer immer mal wieder ein Stückchen den Küstenpfad entlang spaziert, bekommt bereits einen schönen Eindruck von der Vielfältigkeit.

Nur ein paar Kilometer entfernt liegt Le Conquet – ein Fischerdorf wie aus dem Bilderbuch. Im Zentrum des von Granithäusern dominierten Dorfes liegt der Hafen, in dem kleine bunte Fischerboote auf dem seichten Wasser treiben. Ich übernachte in dem kleinenBoutiquehotel La Vinotière, das ebenso zauberhaft ist wie seine Besitzerin, die auf der anderen Straßenseite ein kleines Dekogeschäft betreibt.

Die rosa Grantitküste

Während sich der Westen der Bretagne durch eine fjordartige, grüne Felsenküste auszeichnet, ist die Nordküste zwischen Perros-Guirec und Ploumanac’h mit gigantischen rosafarbenen Granitfelsen gepflastert – manche sind groß und rund, einige so interessant, dass sie aussehen wie Skulpturen. Hier begegne ich auch dem Sentier des Douaniers wieder, der mitten durch die Felsenlandschaft führt. Die beiden Orte sind darüber hinaus auch Ausgangspunkt für verschiedene Bootstouren ins Naturschutzgebiet der sieben Inseln. Mein Tipp für alle, die keine Lust auf die klassischen Touristenboote haben: Bei einer Tour mit einem traditionellen Fischer- oder Segelboot könnt ihr die Insellandschaft erleben und dabei einen Eindruck vom Leben der Fischer vor Ort bekommen. Die Touren können direkt bei Tourisme Bretagne gebucht werden und kosten 42 Euro.

St-Malo an der Smaragdküste

Nur schweren Herzens kann ich mich nach zwei Tagen von der Granitküste trennen und setze meine Reise nach Osten fort. Die Küstenabschnitte werden flacher und die Sandstrände breiter. Das Herz der sogenannten Smaragdküste ist die Stadt Saint-Malo. Die historische Altstadt innerhalb der Stadtmauern wird von drei Seiten vom Meer umspült. Mit bis zwölf Meter Differenz zwischen Niedrigwasser und Hochwasser könnt ihr in der Bucht von Saint-Malo Zeuge eines der größten Gezeitenunterschiede Europas werden. Leider meint es das Wetter an diesem Tag nicht so gut mit mir. Die sonst so liebliche Smaragdküste zeigt sich von ihrer rauen und wilden Seite. Dennoch trotze ich Wind und Wetter und besuche die Rochers Sculptés in einem Vorort von St-Malo. Die „bretonische Version von Angkor Wat“ ist das Lebenswerk des Geistlichen Adolphe Julien Fouéré, der im Alter von 30 Jahren durch einen Schlaganfall stumm und halbseitig gelähmt wurde.

Der Klosterberg Mont-St-Michel

Auch wenn er eigentlich nicht mehr zur Bretagne gehört, kann ich mir den Besuch des berühmten Mont-St-Michel an der Grenze zur Normandie nicht entgehen lassen. Trotz Touristenmassen und völlig überteuerten Parkplätzen versprüht der Klosterberg eine unglaubliche Magie. Mein Tipp: Wollt ihr einen unverbauten Blick auf den heiligen Berg haben, müsst ihr euch vor ins Watt wagen. Dazu verlasst ihr den Berg quasi durch den Hintereingang, der direkt im Watt endet. Aber Vorsicht: Auch hier gibt es extreme Gezeitenunterschiede und die herankommende Flut kann unvorsichtige Besucher leicht vom Festland abschneiden.

Nur rund 70 Kilometer trennen mich nun noch von der Hauptstadt Rennes, dem Ziel und Endpunkt meines Roadtrips. Die Studentenstadt ist besonders für ihre Fachwerkkulisse bekannt, mir bleibt jedoch vor allem eins in Erinnerung: die besten Crêpes der Stadt, die ihr in der Crêperie Saint-Georges in der Rue Jules Simon bekommt. Hier unbedingt zum Nachtisch die Crêpe Bretonne probieren. Die mit Karamelleis und bretonischem Shortbread gefüllten Crêpe-Säckchen sind ein bisschen wie die Bretagne selbst: salzig-rau und lieblich-süß zugleich und einfach unwiderstehlich!

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