Verfasst von Claudia Ottilie am 13.04.2015

Ein Frühlingstag in Sevilla

Im gleißenden Sonnenlicht und bei sommerlichen Temperaturen im März nehme ich es mit Sevilla auf. Die Orangenbäume entlang der Calle San Fernando stehen in voller Blüte und duften. Während die Spatzen noch um die besten Schattenplätze streiten, lasse ich mir unterm Sonnenschirm des Mirador-Café gegenüber der Universität Churros con chocolate servieren und überlege, was ich mir heute ansehen werde. Als ich mit dem letzten Stück der spanischen Spezialität nur noch in einer „Pfütze“ aus Flüssigschokolade wische, wird es Zeit, die 4,50 Euro zu zahlen und loszudüsen.

Mittags im Alcázar

Straßenbahnen, Rollerskates, Segways und Pferdekutschen kreuzen meinen Weg. Mittags in den Real Alcázar? In den Räumlichkeiten des maurischen Königspalastes sollte es kühl sein.

Tatsächlich ist die kleine Schwester der Alhambra schattig, und ich kann mich dank der angenehmen Kühle ganz in Ruhe den beeindruckenden Mosaiken und wunderschönen Fliesen widmen. Außerhalb der Palastzimmer haben Spaniens Könige seit dem 16. Jahrhundert die herrliche Gartenanlage immer wieder neu gestalten lassen. Palmen, Obstbäume, Blauregen und Schwertlilien blühen um die Wette. Mit bemalten Fliesen verkleidete Gartenbänke laden zum Sonnenbaden. Ich ziehe die Cafeteria und ihren Schatten vor, um mich kurz auszuruhen.

Altstadt-Spaziergang zum Riesenpilz

Nach zwei Stunden bin ich warmgelaufen, nicht im Irrgarten steckengeblieben und verlasse die Gemächer und Gärten aus 1001 Nacht. Mir ist nach einem Kontrast. Vorbei an der imposanten Kathedrale, vor der die Menschen Schlange stehen, marschiere ich geradewegs auf den Plaza de El Salvador zu. An Stehtischen machen die Sevillanos gerade ihre Mittagspause. Ich biege in die kleine Gasse hinter dem Platz ab. Schuhgeschäft an Schuhgeschäft, der ein oder andere Hutverkäufer, und Churros – noch mal Churros? Nein, lieber ein Helado de fresa auf die Hand, ein Erdbeereis zur Abkühlung, bevor ich schließlich den Plaza de la Encarnación erreiche.

Cafés zu allen Seiten locken mit Ruhe für die Füße, zunächst schau ich aber nach oben. Dort überspannt eine Holzkonstruktion den gesamten Platz. Ein bisschen sieht es aus, als hätte jemand ganz viele Setzkästen zusammengeschraubt und vergessen, sie zu stabilisieren.

In sanften Wellen verläuft das Dach mit den Kästchen. Es soll ein Pilz sein, der Stadtpilz Parasol Metropol, der den deutschen Architekten Jürgen Mayer H. nicht unbedingt zu einem Freund der Sevillanos machte. Die Bevölkerung mag ihn nicht unbedingt, den Pilz, der seit 2012 Schatten spendet und Touristen anzieht. Ich zahle dennoch die 3 Euro, um mit dem Fahrstuhl vom Untergeschoss auf die Konstruktion in der zweiten Etage hinaufzufahren. Der Ausblick ist es wert. Ich laufe zwischen den Lamellen des Pilzes und genieße den Blick über Sevillas altehrwürdige Kirchen, die aus dem Häusermeer herausragen. Ich setze mich auf einen weiteren Cortado ins Café des Parasol.

Tagesausklang bei Tapas und Wein

Für den Sonnenuntergang spaziere ich zur Puente de Isabel II und überquere den Canal de Alfonso XIII. Entlang der Calle Betis haben sich die Tapasbars und Bodegas bereits für den Abend gerüstet. Ich suche mir einen Stuhl mit Blick auf die Brücke, wie es bereits zahlreiche Einheimische getan haben. Ich bestelle mir auf der Terrasse des T de Triana Albondigas und Salchichón und nasche Oliven. Iberischer Schinken zu 3 Euro pro Tapa gesellt sich ebenfalls zum Roséwein und in der Bourbon Street Bar auf der anderen Straßenseite wird live gesungen. Laue Sommerabende im März – sind am schönsten in Andalusien!

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